Willich: Willichs Musterhof
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 14.08.2008Willich (RPO). Im alten Frienenhof errichtet die Stadt Willich für eine Million Euro zwei Energieplushallen. Bis zum Jahresende entsteht ein Komplex, der mehr Strom produziert als er verbraucht und durch eine Erdwärme-Anlage beheizt wird.
Hinter dem Frienenhof wird kräftig gebohrt. Bis in rund 50 Meter Tiefe dreht sich der Kopf des Sieben-Tonnen-Bohrers in den lehmig-kiesigen Untergrund, der mal das Urstromtal des Rheins war. 20 Löcher entstehen im Abstand von jeweils zehn Metern. Was hier später mal angezapft werden soll, ist für Experten ähnlich wertvoll wie Öl: Die Energie des Grundwassers, das im Sommer und Winter gleichmäßig warm ist. Über Wärmetauscher kann man sie zum Heizen oder Kühlen nützen.
Erdwärme-Heizung kostet 145 000
Der Hof (früher Fringshof) im Besitz der städtischen Grundstücksgesellschaft soll eine Musteranlage für den Einsatz alternativer Energien in Gewerbebauten werden. Rund eine Million Euro lässt sich die Stadt den Umbau kosten. Allein die Erdwärme-(Geothermie-)Heizung kostet 145 000 Euro. Ende des Jahres sollen in ehemaligen Reitställen zwei Hallen von jeweils 300 und 800 Quadratmeter Größe entstehen, inklusive kleiner Büroräume. Unter den Füßen der Mitarbeiter versteckt sich dann eine Fußbodenheizung, die per Erdwärme heizt oder kühlt. Das Wasser wird über Solarwärme erhitzt, der Strom aus einer circa 70 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach bezogen (Kostenpunkt: 120 000 Euro).
Frienenhof
Geschichte Durch den Kauf hat die städtische Grundstücksgesellschaft den Frienenhof (ehemals Fringshof) wohl vor dem Abbruch bewahrt. Die Hofgebäude wurden schon 1608-1612 errichtet. Im Hof war früher auch eine Poststelle.
Wohngebäude Die ehemaligen Hofgebäude hat die Grundstücksgesellschaft bereits für etwa 400 000 Euro entkernt, saniert und als Wohnraum vermietet. Eine alte Scheune könnte auch noch umgebaut werden.
„Der Einbau von Erdwärmeheizung, Solar- und Photovoltaikanlage ist natürlich ziemlich aufwendig. Ein privater Investor, der zwei Hallen baut, hätte so wohl nicht gehandelt“, meint Kämmerer Willy Kerbusch. Aber der Hof sei eben ein Referenzobjekt, in dem gezeigt werden soll, was technologisch machbar ist. Vor allem die enormen Möglichkeiten, die Willich als hervorragender Erdwärme-Platz bietet, sollen durch den Komplex bekannter werden. „Ein klarer Standort-Vorteil“, so der Kämmerer. Der Hof liegt unmittelbar am Stahlwerk Becker-Gelände, wo auch das neue Geothermie-Kompetenzzentrum interessierte Bauherren berät. Und eines Tages könnte zwischen Hof und Querspange (L26N) das Gewerbegebiet Münchheide 4-Süd entstehen.
Geld durch Sonnen-Strom
Während die Erdwärme-Heizung in erster Linie Öl oder Gas spart (nur die Wärmepumpe braucht Strom), bringt die Photovoltaik auf dem Frienenhof-Dach dem städtischen Haushalt sogar noch Geld. Denn für die Einspeisung des Öko-Stroms gibt’s 46 Cent pro Kilowattstunde, während der Strom aus dem Netz nur 16 Cent kostet. Der Überschuss soll rund 10 000 Euro pro Jahr betragen.
Zurzeit entsteht neben den Löchern für die Erwärmesonden gerade das Hallendach, das auf dicken Leimbinder-Holzbalken ruhen wird. Natürlich werden die beiden Hallen auch noch umfassend wärmegedämmt. Welche Firmen in die Referenzhallen zum Jahreswechsel einziehen, ist noch nicht klar. „Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Januar schon Mieter haben werden“, meint Kämmerer Willy Kerbusch. Frage des Tages
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