Stadt Willich: Zellen mit Privatsphäre
VON NADIA JOPPEN - zuletzt aktualisiert: 28.08.2008Stadt Willich (RPO). Sie waren am Ende von dem Neubau und dem Konzept für die inhaftierten Frauen überzeugt: Der Arbeitskreis Rechtspolitik der SPD-Landtagsfraktion besichtigte den Rohbau des neuen Frauengefängnisses in Anrath.
Das Gebäude beeindruckte die Gruppe um die Kreis Viersener Landtagsabgeordnete Monika Ruff-Händelkes sichtlich: „Wir waren uns nicht bewusst, wie groß dimensioniert das Ganze ist“, erklärte Arbeitskreismitglied Ruff-Händelkes. Renate Gaddum, die Leiterin der JVA Anrath II – so der Titel des Frauengefängnisses –, führte die Besucher mit Heiner Wolfram vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sowie dem Architekten Axel Overbeck durch den Neubau, in dem ab nächstes Jahr Platz für 191 inhaftierte Frauen sein wird – 50 Plätze mehr als derzeit.
Die Besucher erfuhren, dass die Zellen nur für Einzelbelegungen vorgesehen sind, nur in Einzelfällen solle es Notgemeinschaften geben. Das war den Besuchern wichtig, weil einige auch in dem Untersuchungsausschuss um den erzwungenen Selbstmord eines jungen Häftlings in Siegburg gesessen hatten, erklärte Ruff-Händelkes. Die Gruppe lobte auch, dass es „Zugangsabteilungen“ mit Zellen für mehrere Frauen geben werde. In diesen können die Mitarbeiter die Häftlinge und ihre jeweilige Situation – wie Krankheiten oder Suchtproblematik – kennen lernen, bevor sie entschieden, in welche Gruppe sie gehen sollten.
Finanzielle Hilfe
Finanzielle Hilfe beim Projekt „Baumhaus“ leisteten die Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind, die Kempener Propsteipfarre mit Kollektengeldern und Spenden ehemaliger Klienten der Katholischen Beratungsstelle.
Auch die Behandlungsräume für Suchtkranke würden auf 21 Plätze erhöht, erläuterte die Münsteraner Landtagsabgeordnete Anna Boos. Die Gestaltung der Zelle mit großen Fenstern und einem durch Wand und Tür abgeteilten Nass-Bereich stieß ebenfalls auf Zustimmung der Besucher: „Das bringt Menschenwürde, es hat etwas mit Privatsphäre zu tun.“ Insgesamt sei der Bau hell und eröffne einen Blick auf die Zukunft. Vorgesehen sind zudem vier behindertengerechte Zellen.
Gaddum stellte den Besuchern ebenfalls das Konzept vor: Die Frauen haben in der Haft die Möglichkeit, in den Bereichen Holz, Schneiderei, Garten- und Landschaftsbau oder Bürokommunikation und in der Küche, die täglich 1000 Mahlzeiten für die Häftlinge kochen wird, zu arbeiten und eine Ausbildung zu machen. Das sei eine gute Vorbereitung auf die Zeit nach der Haft. Zwar werde es keine Möglichkeit für die Frauen geben, Kinder mit in das Gefängnis zu nehmen, dafür werden sie in Langzeit-Besuchsräumen mit Koch- und Spielecken mit ihren Kindern zusammen sein und selbstständig für diese sorgen können. Gerd Stüttgen aus Arnsberg bilanzierte, dass das neue Gebäude den Bedingungen des „liberalen Strafvollzug, wie er sein sollte“ entspricht. „Mit Wegschließen ist nicht geholfen, die Frauen werden hier auf die Freiheit vorbereitet.“
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