Duisburg (RP) Die Bezirksfraktionen von SPD und BL haben ein radikales Konzept für die Bliersheimer Villenkolonie am Logport erarbeitet. Ihr Vorschlag sieht vor, drei der Wohnhäuser und das Kasino als Baudenkmäler zu erhalten. Die restlichen Gebäude sollen abgerissen und als Bauland vermarktet werden.
Ginge es nach den Bezirksfraktionen der BL und der SPD würde der überwiegende Teil der zwischen 1903 und 1910 errichteten Villenkolonie in Bliersheim abgerissen. rp-foto: lisa teck
Einen traurigen Anblick bieten die Direktorenvillen des ehemaligen Krupp-Stahlwerks nun schon seit über 20 Jahren. Leerstand und schleichender Verfall haben den einstmals schmuckem Häusern zugesetzt. Einzig die im Jahr 2000 neu gedeckten Dächer verleihen dem fahlen Ensemble einen roten Farbtupfer. Sie zeugen davon, dass sich die Wohnbaugesellschaft LEG, die die Villen 1996 von Krupp/Hoesch gekauft hat, darum bemüht, den weiteren Verfall zumindest zu verhindern.
Ihre Vermarktungsbemühungen für die Villenkolonie waren hingegen nicht von großem Erfolg gekrönt. Obwohl die Häuser zeitweise für einen symbolischen Euro zum Verkauf angeboten wurden, konnten seither nur zwei von zehn Gebäuden einer neuen Nutzung zugeführt werden. Eine Villa wurde renoviert und teilweise vermietet. Der Gastronom Holger Leschik hat das Kasino gekauft, auch die Eventagentur „Innepötte“ ist dort zu Hause.
Drei Villen sollen übrig bleiben, darunter die einzige, die einen neuen Mieter gefunden hat. rp-archivfoto: probst
Mit einer gemeinsamen Initiative wollen die Rheinhauser SPD-Bezirksfraktion und die Bezirksfraktion der Bürgerlich-Liberalen (BL) der Bliersheimer Villensiedlung neues Leben einhauchen. Dabei greifen sie zum Teil alte Vorschläge von Logport-Chef Erich Staake auf. Dieser hatte bereits radikale Einschnitte bis hin zum Abriss aller Villen gefordert. Das Gemeinschaftskonzept sieht vor, drei der unter Denkmalschutz stehenden Villen und das Kasino zu erhalten. Für die restlichen sechs Gebäude der Siedlung sehen BL und SPD jedoch keine Zukunft.
Gewerbefläche schaffen
Aufgrund des angrenzenden Logistikzentrums (Logport) und den hohen Renovierungskosten mache nur eine gewerbliche Nutzung der Villen Sinn. Für diese sei der Zuschnitt der Räume jedoch nicht ideal, wie die Absagen vieler gewerblicher Interessenten in der jüngeren Vergangenheit bewiesen hätten. „Selbst wenn Investoren die Villen umbauen würden, müsste zur Refinanzierung eine Miete veranschlagt werden, die am Markt für Büroraum nicht erzielbar ist“, urteilt das Konzept.
Anstelle der sechs abzureißenden Häuser sollen zwei- bis dreistöckige Neubauten errichtet werden, die sich gewerblich vermarkten ließen. Die Gebäude innerhalb der ringförmigen Villenstraße könnten vereinzelt auch höher ausfallen. Das Bebauungskonzept schlägt an dieser Stelle ein Hotel oder einen gastronomischen Betrieb vor. Der erforderliche Parkraum könnte zudem in die Freiräume integriert werden. Den alten Baumbestand und die Straßen in der Villenkolonie möchten die BL und SPD am Liebsten erhalten, um den „Parkcharakter“ nicht zu verfälschen. Die verbleibenden drei Villen sollen für eine gewerbliche Nutzung hergerichtet werden. Auch sei es möglich, die beiden noch nicht instand gesetzten Villen als Ateliers oder Ausstellungsräume zu verwenden.
Das Schicksal der Bliersheimer Villenkolonie wird sich vielleicht schon bei der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung am 6. November entscheiden. Dann werden BL und SPD das gemeinsame Konzept als Antrag zur Abstimmung vorlegen.
Quelle: RP