Duisburg (RP) Seit Anfang des Jahres gilt auf der ganzen Halener Straße Tempo 30, seit dem Sommer "rechts vor links". Anwohner sagen: Es wird jetzt so viel gerast wie früher, aber durch die neue Vorfahrtsregel gibt es viel mehr gefährliche Situationen.
Die Halener Straße, Ecke Ulmenstraße. Piktogramme auf der Straße und Schilder weisen auf "Tempo 30" und "rechts vor links" hin – häufig vergebens. Das kann Frieda Wieczorek in der auf der rechten Straßenseite gelegenen Bäckerei "Baerler Mühle" immer wieder beobachten. RP-Foto: Andreas Probst
Homberg Aus den Fenstern der kleinen urigen Bäckerei "Baerler Mühle" hat Verkäuferin Frieda Wieczorek einen schönen Überblick über die Halener Straße, Ecke Ulmenstraße. Und auf die Frage, wie es denn so klappt mit "Tempo 30" und "rechts vor links" eine klare Antwort: "Ach, die fahren doch hier durch wie immer. Die bremsen gar nicht."
Anfang des Jahres ist auf der ganzen Halener Straße die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 Stundenkilometer eingeführt worden. Seit dem Sommer gilt außerdem überall rechts vor links. Darauf weisen alle paar Meter grellgelbe Hinweisschilder und Piktogramme auf der Fahrbahn hin.
Aber wenn Autofahrer, die aus den Seitenstraßen kommen, nicht freiwillig trotzdem anhalten würden, "das hätte hier schon x-mal geknallt", meint Frieda Wieczorek. Und wenn mal einer auf der Halener Straße vorschriftsgemäß abbremse, dann gebe es hinter ihm gleich ein großes Gehupe: "Ich dachte, das legt sich mit der Zeit – ist aber nicht so."
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Unfall vor Entscheidung
Früher galt auf der Halener Straße streckenweise tagsüber Tempo 30 wegen Schulwegen, streckenweise Tempo 50. Kritiker meinten, die Straße werde als "Anwohnerstraße" genutzt; Tempo 30 sei durchgängig angemessen.
Im Herbst vergangenen Jahres wurde eine 92-jährige Frau beim Überqueren der Fahrbahn von einem Auto erfasst und getötet. Die Forderungen nach einem Tempolimit von 30 Stundenkilometern wurden danach lauter.
So viel Verkehr wie früher
Wenn die Hombergerin Andrea Hansel mit dem Fahrrad zum Supermarkt fährt, blickt sie den vorbeibrausenden Autos mit Verwunderung hinterher: "Das sind doch keine 30!" Sie stellt fest: "Manche halten sich daran, manche gar nicht, tagsüber noch eher, und abends rasen die Leute wie gehabt."
Anwohner Frank Mantwill erkennt kaum Veränderungen im Vergleich zur Situation vor den Umstellungen. "Abends hält sich niemand mehr an die 30", sagt er. Und an rechts vor links hätten sich offenbar auch erst die wenigsten gewöhnt: "Die Leute fahren entweder sehr unbedacht einfach durch, oder sie halten den Verkehr extrem auf, weil sie an jeder Ecke viel zu lange anhalten." Alles in allem komme es dadurch ständig zu richtig gefährlichen Situationen.
Zudem habe sich, sagen Beobachter, das Verkehrsaufkommen insgesamt kaum verändert, die Straße sei so viel befahren wie zuvor. Einige, wie Nachbar Hans Hauschild, finden das auch in Ordnung.
Wütend über die neuen Regeln
Ihn machen die Neuerungen richtig wütend: "Man kommt ja gar nicht mehr voran! Das hier ist schließlich eine Durchgangsstraße. Rechts vor links, davon halte ich gar nichts", sagt er. Und wie leicht man dadurch zum Temposünder werde: "Wenn die Stadt jetzt hier mit einem Messgerät steht, kann sie richtig Gewinn einfahren."
Der Bürgerverein Haesen und Gerdt hatte 17 Jahre lang für das Tempolimit gekämpft und ist damit zufrieden. "Es ist jetzt nicht mehr lukrativ, die Straße als Abkürzung nach Hochheide zu benutzen, weil man sich überall an rechts vor links halten muss", meint der Vorsitzende Heinz Frütel. "Aus unserer Sicht ist das der richtige Weg."
Quelle: RP