Duisburg (RP) Er hat seine Jetons gesetzt, als die Kugel schon gefallen war. Das Amtsgericht verurteilte einen 63-Jährigen Italiener deshalb zu 15 Monaten Gefängnis. Gegen die Entscheidung legten Staatsanwaltschaft und Angeklagter Berufung ein.
Er hat ein einschlägiges Vorstrafenregister, so lang wie die Speisekarte in der Pizzeria gleich um die Ecke. In ganz Deutschland gibt es kein Westspiel-Casino, das er noch betreten darf: In Aachen, Hohensyburg, Bad Oeynhausen, Berlin, Bremen und Erfurt hat er Hausverbot – wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs und versuchten Betrugs. Die Sperre gilt, wie gesagt, bundesweit, sieben Jahre vom letzten Ausspruch an, auch für die im Februar eröffnete Spielbank in Duisburg. Trotzdem spazierte der 63-jährige gebürtige Italiener, der gestern wegen oben genannter Delikte in zweiter Instanz vom Landgericht zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde, am 17. März mit zwei mutmaßlichen Komplizen an der Ausweiskontrolle am Eingang vorbei in Richtung „Klassisches Spiel“.
Nicht ging mehr
Dort, so sahen es die Richter als erwiesen an, postierte sich der Profi-Spieler, der im wahren Leben als Koch arbeitet, im Laufe des Abends am Roulette-Tisch Nummer „8“ und setzte – hinter dem Rücken des weiblichen Croupiers – zwei Fünfziger und einen Zehner-Jeton auf die auf dem Tableau benachbarten Zahlen Zehn und 13. Zu diesem Zeitpunkt war die Kugel bereits gefallen.
Eigentlich ging nichts mehr, doch der Schwindel fiel der Bankhalterin nicht auf. 1870 Euro Gewinn wurden ausgezahlt – an zwei Männer, die mutmaßlichen Komplizen, über die der Angeklagte gestern nicht sprechen wollte.
In erster Instanz hatte das Amtsgericht den Turiner wegen seines langen Vorstrafenregisters (allein neun Einträge in Deutschland, alle wegen Täuschungen und Hausfriedensbruchs in Spielcasinos) zu einem Jahr und drei Monaten Haft wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt. Zwei Mittäter hätten den Croupier abgelenkt, während der Angeklagte seine Jetons platzierte, hieß es in der Begründung.
Das stritt der 63-Jährige gestern – erfolglos – ab. Er habe auch gar nicht betrügen wollen, sondern „zu früh“ für das nächste Spiel gesetzt, sagte er. Seine „Bekannten“ hätten, als klar gewesen sei, dass der Bank das zu späte Setzen nicht auffiel, den Gewinn ohne Absprache mitgenommen, er selber sei zum Ausgang gegangen. Dort wurde der Vater einer fünfjährigen Tochter gestellt. Einer früher im Aachener Casino beschäftigten Spieltisch-Aufsicht war sein Gesicht bekannt vorgekommen.
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Quelle: RP