(RP) Maltesische Wasserballer und die deutsche Gastfreundlichkeit / Christel Johns Erinnerungen an die "schönste ASCD-Party" überhaupt. Eine RP-Serie.
Juni 1981. Wir waren gerade aus dem Urlaub zurück, und wie immer war der erste Gang in "unseren" Amateur. Das lohnte sich diesmal ganz besonders. Am Stammtisch saßen nämlich 18 junge, braungebrannte und muskelbepackte Männer. Wir erfuhren, dass es die maltesische Wasserballmannschaft Valletta United nach Duisburg verschlagen hatte, die sich zum Training bei "unserem" Amateur aufhielten.
"Malteser? Alfons, bitte mach eine große Runde Malteser fertig!" Der damalige Wirt "gehorchte". Und mit dem Flüssigen ging ich zum Stammtisch und sagte zu den Braungebrannten: "Don't win matches, win friends". Die Malteser tranken den Malteser lächelnd und mussten sich dann aber alle furchtbar schütteln. Nein, dass war nicht das richtige Getränk für sie. Aber sie hatten ihren Spaß, das war die Hauptsache.
Da seinerzeit nur wenig Geld vorhanden war, hatten Clubmitglieder mehrere Wohnwagen und den Jugendraum zur Übernachtung für die Wasserball-Gäste bereitgestellt, so dass sich die Malteser überwiegend auf dem Clubgelände aufhielten. Sie waren stets gut gelaunt und immer zu Scherzen bereit. Wir sammelten Geld für einen Zoobesuch, weil Malteser Zoos lieben, außerdem wurde eine Thyssen-Besichtigung organisiert. Beides war ein voller Erfolg. Die Malteser waren begeistert, und wir freuten uns mit ihnen.
Hatten die Malteser schon eine typisch bürgerliche Wohnung gesehen? Nein! So luden mein Mann Wolfgang und ich die Mannschaft in unser trautes Heim ein. Alfons, der damalige Wirt, stiftete das Essen und die Getränke. 18 braungebrannte Männer fielen in unsere Wohnung ein. Nach reichhaltigem Essen wollten sie das Farbfernsehen, das es damals in Malta noch nicht gab, unter die Lupe nehmen und Musik hören. "Stars on fourty five" und "Santa Maria" waren die eindeutigen Favoriten. Es wurde nach Herzenslust geschwoft und die Party wurde immer lauter. Um 22.00 Uhr kam die Polizei. Die Beamten waren aber nett, hatten Verständnis, baten freilich um weniger Radau.
Die Abschiedsparty am nächsten Tag, erneut mit "Santa Maria" und "Stars on fourty five", war ein voller Erfolg. Die Malteser tanzten, teilweise mit freiem Oberkörper, pausenlos. Jonny, genannt "Tarzan", war nicht klein zu kriegen, tanzte nonstop vier Stunden lang und war dann immer noch fit. Zum Abschied gab's eine Polonaise.
Das geschah weit nach Mitternacht. Das Schwimmbecken hieß künftig "Malta Airlines". Jene, die dabei gewesen waren, finden auch noch heute, dass dies die schönste Party im Club war. Seitdem pflegen wir eine wunderbare und herzliche Freundschaft mit "unseren" Maltesern.
Quelle: RP