Emmerich (RP) Betuwe: Karl-Heinz Jansen und Jan-Simon Laarakker kämpfen trotz vieler Widerstände weiter für den Neubau einer zweigleisigen Güterstrecke an der Autobahn.
Fast alle politischen Parteien und die Initiative "Betuwe – So nicht!" haben eine gemeinsame Unterschriftenaktion gestartet. Sie kontern mit einem Flugblatt, auf dem Sie vor der Unterstützung dieser Aktion warnen. Warum?
Laarakker: Der Forderungskatalog, den der Bürger dort unterschreiben soll, ist total realitätsfern. Ihm wird Sand in die Augen gestreut.
Inwiefern?
Jansen: Sie müssen sich die dort aufgeführten Forderungen unter dem Gesichtspunkt der Finanzierbarkeit und der Möglichkeit zur Umsetzung anschauen. Wenn das wirklich alles so realisiert werden soll, kommen Sie auf Kosten von circa 8 Milliarden Euro. Andererseits sind die Formulierungen aber auch sehr schwammig, typisch politisch. Was ist etwa unter "ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen" oder "wirkungsvollem und städtebaulich verträglichem, aktivem Lärmschutz" zu verstehen? Vieles davon wäre an dieser Strecke doch schon rein praktisch gar nicht umsetzbar.
Was denn zum Beispiel?
Jansen Nehmen Sie das Thema Sicherheit. Die Bahn hat auf allen Info-Abenden klar gesagt, dass sie nach deutschen und nicht nach europäischen Bestimmungen bauen wird. Die Strecke ist aber ein europäisches Projekt und müsste demnach eigentlich auch nach europäischen Standards gebaut werden. Wir bekommen Rettungswege, die am Bahnkörper nur 80 Zentimeter breit sind. Bei dem Gefahrenpotenzial ist das absolut nicht ausreichend. Außerdem stellt sich die Frage, wo die Feuerwehr im Ernstfall ihr Löschwasser herbekommen will. Der Brand im Emmericher Bahnhof hat gezeigt, wie schwierig das ist.
Für Sie gibt es also nur die Alternative "siedlungsferner Bau"?
Jansen Je mehr man sich mit der Materie beschäftigt, desto mehr fragt man sich, wieso das Dritte Gleis das Nonplusultra sein soll. Es bedeutet ein großes Sicherheitsrisiko, einen schlechten Lärmschutz und auch noch Kosten für Baumaßnahmen bei den Bahnübergängen, die die Städte an den Rande des Ruins treiben können. Das alles hätten Sie bei einer neuen Trasse eben nicht.
Eine neue Trasse wäre teuer.
Jansen Da müsste die Stadt mal einen Kostenabgleich machen. Wenn das Dritte Gleis an die bestehende Strecke nach holländischen Vorbild gebaut würde, wäre das definitiv teurer als der Neubau einer zweigleisigen Güterstrecke an der A3.
Laarakker Die niederländische Seite hat dafür finanzielle Unterstützung angeboten. Übrigens aus gutem Grund: Eine reine Güterstrecke, so wie wir sie wollen, hat höhere Kapazitäten, ist wirtschaftlicher und sicherer als ein Drittes Gleis.
Ihre Kritiker sagen, dass das Auslagern der Strecke dazu führt, dass die Bahn die bestehende Strecke volllaufen lässt, es keinen Lärmschutz und keine Über- und Unterführungen gibt.
Jansen: Die Bahn lässt die Strecke ja jetzt schon volllaufen, und das ist doch nicht unsere Schuld. Wenn die Stecke siedlungsfern verliefe, hätten wir hier nur noch Personenzüge, die wesentlich leiser wären. Wir bräuchten keinen Lärmschutz und hätten dann auch nicht das Problem mit den Bahnübergängen.
Laarakker: Unsere Kritiker sagen auch, wir kämen mit unseren Forderungen zehn Jahre zu spät. Ich frage mich, wo war die Politik vor zehn Jahren? Die Bahn hat abgewartet, was die Holländer machen, und die Politik hat abgewartet, was die Bahn macht. Hätte die Politik die siedlungsferne Trasse vor zehn Jahren mit holländischer Finanzierung in Angriff genommen, dann wäre die Strecke schon längst fertig.
In Emmerich ist "Die Linke", die einzige Partei, die sich Ihren Forderungen anschließt. Der Name Laarakker tauchte sogar als Referenz auf deren Homepage auf.
Laarakker Davon wusste ich nichts und das ist bereits geändert worden. Wir sind überparteilich. Wir wollen gerne mit der Politik zusammenarbeiten und sind nach allen Seiten offen. Vor den Karren einer Partei lassen wir uns aber nicht spannen. Uns geht es um die Sache.
Wie wollen Sie ohne die Unterstützung der Politik Ihre Ziele erreichen?
Jansen: Es ist schade, dass sich die Politik festgelegt hat. Noch finden wir da kein Gehör. Wir müssen daher Überzeugungsarbeit leisten. Je mehr wir von den Bürgern unterstützt werden, desto größer ist unser Mandat.
Das Gespräch führte Markus Balser
Quelle: RP