Leichtathletik: Aus Freude am Fliegen

VON REINHARD PÖSEL - zuletzt aktualisiert: 22.09.2007

(RP) Der Kalkarer Marius Max startet seit einem Jahr für den Kevelaerer SV. Im Hochsprung stellte der 16-Jährige innerhalb von nur einer Woche zweimal den B-Jugend-Kreisrekord ein. Die Bestmarke steht bei 1,96 Meter und wurde zum ersten Mal im Jahr 1983 durch Rolf Geissels (LAZ Wachtendonk) gesprungen.

Marius Max ist 16 Jahre alt. Schon mit vier Jahren hat er die Leichtathletik begonnen. Zu Hause in Kalkar, im Sportverein der DJK. Spielerisch und in normalen Klamotten. Die ersten Gehversuche hat Max noch genau vor Augen. Auch die Abwerbungen zum Fußball durch Vater, Onkel oder Freunde. Alle ohne Erfolg.

Über LA Nütterden kam Max vor einem Jahr zum Kevelaerer SV, trainiert dort an fünf Abenden in der Woche. Ein strammes Programm. Neben den Wettkämpfen und der Schule – Max besucht den gymnasialen Zweig der Gesamtschule in Goch – bleibt nicht viel Zeit, um mit Freunden etwas zu unternehmen. Wenn doch, stehen Poker und Videos hoch im Kurs.

Außergewöhnlich gut

Marius Max ist in einer beneidenswerten Lage. Er beherrscht in der Leichtathletik eine Reihe von Disziplinen – und diese auch noch außergewöhnlich gut. Überdies scheint er ein zuverlässiger Indikator für das Ende einer Saison zu sein. Wenn sich andere Athleten gedanklich auf den Winter vorbereiten, hat Max noch Pfeile im Köcher. Der so Beschriebene schmunzelt, versteht die Anspielung, erzählt von den Kreisrekorden im Endspurt des letztjährigen Sommers, aufgestellt bei den Mehrkampf-Meisterschaften in Goch. Max gehörte noch zur Altersklasse der Schüler M 15. Im Block Sprint/Sprung schraubte er die Rekordmarke im Kreis auf 3007 Punkte, belegte damit in der deutschen Jahresbestenliste den 6. Platz. Im Rahmen des Fünfkampfes verbesserte er den Kreisrekord im Hochsprung auf 1,92 Meter. Im Nordrhein gab es in der Saison 2006 keinen Hochspringer dieses Alters, der besser war. In Deutschland waren es zwei, nur zwei.

Jetzt neigt sich ein weiteres Mal eine Saison dem Ende zu. Und erneut verbindet Max auf wunderbare Weise Können und Stehvermögen. In Duisburg bei den Kreis-Vergleichskämpfen wird er ausgezeichnet für die beste Tagesleistung. Im Hochsprung hatte Max 1,96 Meter gemeistert, war erst an 2,00 Metern gescheitert. „Eine Respektgrenze“, nennt er die Höhe, macht aber nicht den Eindruck, als wolle er sich von dieser oder einer noch respektvolleren aufhalten lassen. Rolf Geissels, vor 24 Jahren der erste B-Jugendliche aus dem Kreisgebiet über 1,96 Meter, wird seinen Rekord wohl bald verlieren.



Traumhaft schöne Woche

Der Höhenflug von Duisburg hat sich in der Erinnerung von Max eingebrannt. „Den Absprung hatte ich optimal getroffen, die Bogenspannung über der Latte war bombig.“ Ein euphorisch gefärbter Superlativ reiht sich an den anderen. „Ich glaube, das war mein bester Sprung überhaupt.“ Nur eine Woche später wiederholt Max die Höhe beim U 18-Ländervergleich in Mörfelden. Eine traumhaft schöne Woche muss das für den KSVer gewesen sein.

Offensichtlich sei bei Marius der Knoten jetzt geplatzt, freute sich Trainer Klaassen, der damit schon eher gerechnet hatte. „Für Außenstehende mögen die spektakulären Platzierungen bisher gefehlt haben“, sagt Klaassen, „doch Marius hat viele wichtige Wettkämpfe mitgemacht und gute Leistungen erzielt.“ Vor allem aber habe er sich mit wachen, sehr interessierten Augen weiter in die Welt der Leichtathletik vorgetastet, hebt Klaassen auf einen Aspekt ab, der ihm wichtig ist. Aus dem Fundus des Gelernten und Beobachteten werde Max schöpfen. Bald noch mehr als bisher schon.

Im kommenden Jahr, seiner zweiten Saison als B-Jugendlicher, die als die stärkere gilt in der zwei Jahrgänge umfassenden Klasse, möchte Max den Beweis antreten. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Olympiastadion in Berlin will er dabei sein. Auf dem historischen, mittlerweile blau eingefärbten Boden will er stehen, die sportliche Auseinandersetzung suchen. Gerne wieder mit der Sprintstaffel wie in diesem Sommer bei der DM in Ulm. Ausschließen will er aber auch einen Einzelstart nicht. Die Auswahl ist groß, keinesfalls auf den Hochsprung beschränkt. „Zuletzt im Training lief es über die Hürden super.“ Fast beiläufig erzählt Max davon. Als sei es selbstverständlich, in vielen Bereichen des Sports in der ersten Reihe zu stehen. Seinen Trainer wundert das nicht: „Es ist schon verrückt, was der Junge an Begabung mitbringt, selbst bei technisch nicht so einfachen Bewegungsabläufen.“

Fraglos eine gute Voraussetzung, um noch längere Zeit auf dem Höhentrip zu bleiben.

Quelle: RP

 
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