Geballte Energie im Ring

VON KARL DICKS - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008

(RP) Trotz seiner erst 15 Jahre hinterließ Phillip van Dijck in der Diskuswurf-Entscheidung der B-Jugend einen bärenstarken Eindruck. Bei seinem besten Versuch flog der Diskus auf 51,89 Meter, womit van Dijck Platz 4 belegte.

Phillip van Dijck vom TSV Nieukerk zeigte bei den Jugendmeisterschaften in Berlin eindrucksvoll, zu welchen Leistungen er schon mit seinen erst 15 Jahren fähig ist. RP-Foto: Wolfgang Birkenstock
Phillip van Dijck vom TSV Nieukerk zeigte bei den Jugendmeisterschaften in Berlin eindrucksvoll, zu welchen Leistungen er schon mit seinen erst 15 Jahren fähig ist. RP-Foto: Wolfgang Birkenstock

„Ein netter Kerl“, sagte Phillip van Dijck von dem Kulmbacher Kai Grüner, dessen gewaltige Statur ihm manchen unvorteilhaften Beinamen eingetragen hat. Grüner hatte bereits das Hammerwerfen gewonnen, jetzt wollte er auch noch mit dem Diskus Erster sein. Das gelang ihm souverän, doch im Kampf der kräftigen Nachwuchsathleten um vordere Plätze war überraschend auch Phillip van Dijck. Mit seinen erst 15 Jahren ist er gemessen am Geburtsjahrgang noch ein Jahr zu jung für diese Titelkämpfe, musste demnach – wie es in der Sprache der Leichtathleten heißt – hoch gemeldet werden.

Am Vorabend und auch morgens vor dem Wettkampf noch mit Kribbeln im Bauch absolvierte van Dijck einen bravourösen Wettkampf gegen die bis zu zwei Jahre älteren Konkurrenten. Während mancher von denen „weiche Knie“ bekam, legte sich bei ihm die Nervosität schnell trotz der beeindruckenden Atmosphäre im Olympiastadion. Auf der Tribüne hielt er die mitgereiste Familie, Freunde und Bekannte in Atem. „Uns haben die Knie gezittert“, gestand Vater Paul van Dijck, selbst in seiner Jugend ein exzellenter Diskuswerfer.

Info

Verlockende Anreize

Jürgen Schult, Bundestrainer für den Bereich Wurf, machte dem Nieukerker Phillip van Dijck leise Hoffnung auf eine Berufung in den C-Kader des Deutschen Leichtathletikverbandes. Wie der Bundestrainer am Rande der Titelkämpfe verlauten ließ, wird er den Diskuswerfer aller Voraussicht nach für den in Kürze anstehenden Länderkampf mit Polen und Tschechien nominieren.

Doch Phillip van Dijck schien großes Selbstvertrauen in sein Können zu haben. Sogar nach dem verkorksten ersten Versuch von gerade mal 35 Metern blieb er gelassen und zeigte in seinem zweiten Versuch, wo die Messlatte liegt. In einem technisch sauberen Sicherheitswurf landete der 1,5 Kilogramm schwere Diskus bei 51,89 Metern, knapp unter seiner Bestleistung. Hierfür gab es nicht nur von seinen mitgereisten Anhängern tosenden Beifall. Das Fachpublikum in der Werferkurve des Olympiastadions wusste diese Weite einzuschätzen und spendete ebenfalls großen Applaus. Mit diesem Wurf rangierte Phillip auf dem dritten Platz und hatte somit eine Medaille vor Augen. „Im dritten Versuch habe ich etwas mehr riskiert“, blickte Phillip später zurück „es waren jedoch kleine technische Fehlern dabei.“ Trotzdem landete die Scheibe bei 50,03 Metern, nach dem Vorkampf war van Dijck Dritter. Da bekam dann auch so mancher weiche Knie bei den angereisten Zuschauern.

Mit geballter Energie ging er in den Ring und wollte alles abrufen, was er kann. Weit über 52 Meter hinaus flog der Diskus, landete aber außerhalb des Sektors. Mittlerweile hatte sich auch noch ein weiterer Werfer vor den Nieukerker geschoben. So blieb es auch bis zum Ende des Wettkampfes, da auch die beiden letzten Versuche von Phillip ungültig waren.

Obwohl der Nieukerker, der seit einem Jahr ins Sportinternat in Potsdam geht, knapp an einer Medaille vorbeigerutscht war, zeigte er sich mit seinem vierten Platz überglücklich.

Quelle: RP

 
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