Kleve (RP) Dr. Beate Sturm hat die Leitung des Kreisarchivs Kleve mit Sitz in Geldern übernommen. Die 35-Jährige aus Oldenburg will sich auch der digitalen Herausforderung stellen – und eine bürgernahe Rolle spielen.
kreis kleve Die engagierte Frau mit den rotbraunen Haaren ist angekommen. Seit dem 1. Oktober ist die gebürtige Oldenburgerin im Kreisarchiv Kleve tätig. "Es war immer mein Ziel, in einem Kommunalarchiv zu arbeiten"; sagt Dr. Beate Sturm und lächelt. "Als ich die Ausschreibung gesehen habe, dachte ich: Das ist die perfekte Stelle für mich." Die 35-Jährige arbeitet nicht nur im Kreisarchiv, sie hat die Leitung über das Haus und seine vier Mitarbeiterinnen übernommen. Ihr Eindruck nach den ersten zwei Wochen in Geldern: "Mein Vorgänger hat viel für das Archiv getan, es ist in einem sehr guten Zustand. Das macht den Einstieg leicht. Zudem sind wir für ein Kommunalarchiv gut besetzt." Wenn sie Fragen habe, dann könnten ihre Mitarbeiterinnen meist weiterhelfen, "denn sie kennen sich sehr gut aus."
Dass sie mit Dr. Andreas Berger und Karl-Heinz Tekath zwei Vorgänger hatte, die das Archiv und seine bürgernahe Rolle entscheidend prägten, ist ihr bewusst. Sie möchte auf diesem Weg weiter gehen und betont: "Wir sind ein offenes Haus, haben einen großen Lesesaal und kundenfreundliche Öffnungszeiten. Archive sind da, damit das gelagerte Material nutzbar ist, und zwar für jedermann." Neben dem Tagesgeschäft sieht Beate Sturm mittelfristig zwei Themenschwerpunkte: die Archivierung digitaler Verwaltungsdaten und Kooperationen mit Schulen.
Für die Arbeit mit Schülern ist sie selbst ausgebildet: Als Lehramtsstudentin unterrichtete sie Schulklassen. Ihre Abschlussarbeit an der Archivschule, die auch als Buch erschienen ist, trägt den Titel ,Schüler ins Archiv! - Archivführungen für Schulklassen'. Nach der Einarbeitungszeit will Sturm denn auch an Schulen herantreten und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausloten: "Archive können Geschichte greifbar machen", ist sie überzeugt. Sie will auf die Möglichkeiten des Kreisarchivs aufmerksam machen, Öffentlichkeit schaffen: "Wir Archivare haben begriffen, dass wir an Menschen herantreten müssen, um wahrgenommen zu werden."
Auch das zweite Thema ist eine Herausforderung für die Zukunft: Die langfristige Vorbereitung zur Übernahme digitaler Verwaltungsdaten ins Archiv. "Das beschäftigt derzeit alle Archive", weiß sie. Und es wird immer drängender, denn mehr und mehr gehen Verwaltungen dazu über, Papier zu sparen und Vorgänge elektronisch zu bearbeiten. Wie die Langzeitarchivierung digitaler Bestände funktionieren soll, lasse sich derzeit noch nicht absehen, so Sturm: "Es gibt die Tendenz, dass Archive miteinander und mit Rechenzentren zusammenarbeiten." Dass die Aktenschränke im Keller am Boeckelter Weg Platz machen müssen für große Server, ist demnach unwahrscheinlich. Doch bereits mit der neuen Leitung hat für das Kreisarchiv mit der Archivarin 2.0 ein Stück Zukunft begonnen.
Quelle: RP