Kleve (RP) KREIS KLEVE Mit bildhaften oder vergleichen Ausdrücken ist das so eine Sache. Oft passen sie nicht. Sicher, Rudolf Kersting, der gebürtige Gocher, Wahl-Klever und vor allem „Kreis Klever“ aus wirklicher Leidenschaft, hat die sprichwörtlichen Duftmarken gesetzt. Man kann auch sagen: Er hat, als Oberkreisdirektor und später als Landrat, Pflöcke eingeschlagen. Das alles trifft es irgendwie – und irgendwie auch nicht. Heute wird er 70 !
Denn Kersting – das müssen ihm auch seine (politischen) Gegner einräumen – hat nicht nur diesen Kreis Kleve, wie wir ihn alle kennen und meistens lieben, entscheidend mit gestaltet – er hat ihm auch ein Gesicht gegeben. Und was für eines! Wenige konnten ihren Zorn, ihren Unmut und, wenn’s mal wieder hakte oder Spiegelfechter Zeit klauten, ihre Ungeduld so deutlich, so unverhohlen zeigen, wie Rudolf Kersting das kann. Wenn’s drauf ankommt, auch noch heute, als 70-Jähriger. Wenige auch nur zeigten wiederum Begeisterung und ihre Leidenschaft für das, was sie tun (in diesem Falle: „Kreis machen“) so deutlich wie dieser Rudolf Kersting. Sagen, was er für richtig hielt, fordern, was ihm wichtig war (und ist), auch dann, wenn’s selbst im eigenen CDU-Lager unbequem sein konnte? Ja, immer.
Kein gebremster Schaum
Den Kopf in den Wind halten, auch, wenn’s politische Ohrfeigen gab? Wenn es galt, das zu vertreten, was er für richtig und wichtig hielt – dann hatte Kersting keine Berührungsängste, im Gegenteil! Zu seinen Kreis-Leidenschaft gehört es, sich eben auch auseinanderzusetzen, in der Sache. Notfalls auch mal heftig, und immer mit vollem Einsatz, nie mit gebremstem Schaum. Besagter Einsatz ist bei der Kreisverwaltung bis heute sprichwörtlich. Kerstings Arbeitswut, sagte Nachfolger Wolfgang Spreen bei der Staffelübergabe Ende September 2004, sei nie zu bremsen gewesen, abends spät nicht und auch nicht an den Wochenenden. Dabei war Rudolf Kersting kein 100-Meter-Sprinter, sondern der Marathonmann: 35 Jahre lang führende Positionen „beim Kreis“! Zunächst Kreisdirektor, später Oberkreisdirektor und als solcher auch Chef der Kreis Klever Polizei, ab 1999 erster hauptamtlicher Landrat des Kreises – bis zum Herbst 2004: Da wurde er in den Ruhestand verabschiedet, Wolfgang Spreen übernahm, um beim Laufen zu bleiben, den Staffelstab.
Es ist kennzeichnend für Kersting, dass er als Unruheständler Tempo macht, als Motor des Fördervereins für das Gut Graefenthal, dessen immense Zukunftschancen Kersting als einer der ersten erkannte. Als Schirmherr mit Leidenschaft für Elke Kleuren-Schryvers’ Aktion pro Humanität. Im rheinischen Mühlenverband. Ruheständler, Privatier? Noch lange nicht...
Quelle: RP