Kleve (RP) Trotz einer Lehrerbesetzung von 100 Prozent fällt an den Grundschulen Unterricht aus, ist an Förderprogramme nicht zu denken. Die RP sprach mit der Leiterin und Lehrerratsmitgliedern der Karl-Leisner-Schule in Kleve.
Schulleiterin Gudrun Hütten, Anja Grabowski und Anja Oster. RP-Foto: Evers
Die Grundschulen des Kreises Kleve haben nach der Berechnung der Bezirksregierung eine "Personal-Deckung" von knapp über 100 Prozent. "Das reicht aus", sagen Vertreter dieser Schulaufsicht. Dennoch fällt an den Schulen Unterricht aus, ist an individuelle Förderung und Kontinuität in der pädagogischen Betreuung der Kleinen oft nicht zu denken. Manche Schulen müssen ein regelrechtes Notprogramm fahren.
Tricksen, wenn ein Lehrer ausfällt
"Die Berechnung mag zwar für den ganzen Kreis Kleve stimmen. Aber gerade hier gibt es viele kleine Schulen, auf die diese 100 Prozent oft auch nicht zutreffen, wogegen andere ein paar Prozent mehr haben. In der Praxis ist das eben nicht so einfach zu rechnen", sagt Anja Grabowski vom Lehrerrat der Kar-Leisner-Grundschule in Kleve. Wenn dann noch ein Kollege aufgrund von Krankheit ausfällt, ist die Not groß.
Info
Neue Lehrer
Es waren Lehrer da, die sich für Klever Grundschulen beworben hätten, die hier auch ausgebildet wurden. Nicht wenige gehen jetzt nach Niedersachsen, das massiv Lehrer abwirbt. Auch hier sehen die Lehrerinnen Probleme: "Die fehlen in einigen Jahren, wenn in NRW der Generationswechsel bei den Lehrern ansteht".
Aber auch größere Schulen wie die Karl-Leisner müssen tricksen, wenn ein Lehrer ausfällt. "Wir müssen dann am ersten Tag die Kinder auf andere Klassen und Gruppen verteilen", erläutert Schulleiterin Gudrun Hütten. Gleichzeitig geht eine Meldung an das Schulamt, dass man einen Ersatz-Lehrer braucht. "In der Regel ist der Vertretungs-Pool aber leer, weil daraus zunächst Kollegen ersetzt werden, die langfristig krank geschrieben sind", erklärt Hütten.
Also muss die Schule umsortieren: "Uns bleibt dann nur ein Notprogramm – Förderunterricht, beispielsweise die Rechtschreibförderung, fällt weg, weil die dafür vorgesehenen Kollegen die Vertretung übernehmen müssen", so die Schulleiterin. Kleinere Schulen hingegen können dies nicht aus eigener Kraft auffangen. "Dann wird ein Lehrer aus einer anderen Schule abgeordnet", sagt Anja Oster vom Leisner-Lehrerrat. Sprich – das große Loch wird gestopft, indem man andernorts ein kleineres aufmacht.
"Wir hatten uns eigentlich darauf gefreut, wieder Lehrerstellen ausschreiben zu können. Man hatte sie ja versprochen", sinniert Gudrun Hütten. Zwar sind an ihrer Schule alle Grundschullehrer-Stellen besetzt, doch der nötige Sonderpädagoge, der förderwürdige Schüler unterstützen soll, fehlt. "Es gibt Schulen, da wird der Sonderpädagoge inzwischen für ganz normalen Unterricht eingesetzt", sagt Hütten. Statt aufkeimender Hoffnung auf Besserung kehrte Frust ein.
"Wir brauchen einfach mehr Lehrer, einen ausreichenden Personalplan, um Ausfälle, Förderunterricht und all das, was von Schule verlangt wird, bewältigen zu können. Was jetzt als 100 Prozent gerechnet wird, ist zu wenig", sagen Hütten, Grabowski und Oster. Nur so könne man langfristig garantieren, dass die Kinder nicht zu kurz kommen.
Quelle: RP