Kleve (RP) Rosa Grundmann hat in diesem Jahr ihr siebtes Kind geboren. Für sie ist eine Großfamilie normal. Doch der alltägliche Arbeitsaufwand, den sie sich mit ihrem Mann teilt, ist alles andere als das.
Die Wehen kamen beim morgendlichen Waschgang. Völlig unpassend. Die sechs Kinder müssen versorgt werden, vor heute Abend kann das mit der Geburt des siebten nichts werden. Das stand für Rosa Grundmann fest. Also hat sie erst mal die Wäsche fertig gemacht, gemeinsam mit ihrem Mann das Essen vorbereitet, die Kleinen abends ins Bett gebracht. Dann fuhr ihr Mann Ludger die 42-Jährige ins Krankenhaus. Kurz bevor die größeren Kinder aufstehen mussten, um zur Schule zu gehen, war sie wieder zuhause. Die Mutter von nunmehr sieben Söhnen.
Sieben Jungen groß zu ziehen ist eine tägliche Energieleistung. Das Schmieren der Brote gerät zum Akkord, ein Kind muss zum Fußball, das andere zur Physiotherapie, ein weiteres zu den Schützen, die Waschmaschine läuft unentwegt – etwas ist immer.
Im Hause Grundmann hat das Chaos Struktur. „Ohne Organisation geht gar nichts“, sagt Ludger Grundmann. Seitdem er einen Arbeitsunfall hatte, ist der Fenster- und Rollladen-Monteur arbeitslos und zurzeit Hausmann. Rosi Grundmann hilft deshalb morgens im Kino aus. Den Tag bestreiten sie jedoch meist gemeinsam. Die Kinder müssen jedenfalls keine elterlichen Pflichten übernehmen. Zwar ist der älteste, Tobias, 21 Jahre alt – kann also gut ab und an auf seine Geschwister aufpassen. Doch auch er soll seinen Interessen nachgehen können. Zwar sprechen die Grundmanns mit ihren Kindern bei Einladungen ab, ob jemand ein Auge auf die Kleinen haben kann. „Wenn das nicht geht, stecken am Ende wir Eltern zurück“, sagt Rosi Grundmann. Nur eine unumstößliche Regel gibt es bei den Grundmanns: Die Eltern müssen immer wissen, wo ihre Kinder gerade sind. Bei welchem Verein oder bei welchem Freund. „Herumlungern in der Stadt gibt’s nicht“, sagt die siebenfache Mutter.
Das Leben in der Großfamilie haben Rosa und Ludger Grundmann von der Pieke auf gelernt. Rosa selbst hat vier Geschwister. Ludger ist sogar mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Als die beiden Kinder waren, waren Großfamilien noch relativ normal. Heute wird eine vierköpfige Familie schon als groß bezeichnet. Die Zeiten haben sich geändert, sagt man da. Aber da widerspricht die 42-Jährige: „Heute ist auch nicht anders als früher.“
Nur die Einstellung der Leute zu einer Großfamilie hat sich geändert. Zwar kam eigens der Klever Bürgermeister, um den Grundmanns zu ihrem siebten Sprössling zu gratulieren – und Bundespräsident Horst Köhler, selbst als siebtes Kind geboren, hat die Ehrenpatenschaft des kleinen Niklas übernommen. Doch viele Menschen rümpfen die Nase über sie, weiß Rosa Grundmann. Ein weiteres Kind soll es deshalb nicht geben. Aber das hat sie auch schon nach der ersten Geburt gesagt.
Quelle: RP