Wesel (RP) Fusternberg: Weil Wesel mit Fördergeldern neuen Damm an der Schillwiese baut, soll Erbengemeinschaft enteignet, Hundeschule geschlossen werden. Betroffene üben scharfe Kritik an der Verwaltung und schalten Anwälte ein. Bezirksregierung soll nun Streit der Parteien schlichten.
Info
Deich für eine Million
Parallel zur Straße An de Tent soll der rund 300 Meter lange Damm innerhalb von sechs Monaten für eine Million Euro erneuert werden. 800 000 Euro Fördermittel gibt’s vom Land. Kritiker behaupten, dass der Damm nach dem Bau der Südumgehung keine Bedeutung mehr haben wird.
WESEL / Hamminkeln Sigrid und Harald Tizziani aus Hamminkeln verstehen die Welt nicht mehr. Aus der RP haben sie jüngst erfahren, dass die Stadt ein gut 2100 Quadratmeter großes Grundstück an der Schillwiese wegen eines Deichbauprojekts bereits zum 1. Juli enteignen will. Dabei handelt es sich um das gepachtete Areal, auf dem das Ehepaar seit Anfang 2002 eine Hundeschule betreibt. „Niemand von der Stadt spricht mit uns. Wir wissen nun nicht, wie’s weitergeht“, sagt Harald Tizziani. Drei Alternativplätze und der Kostenvoranschlag für einen „schlüsselfertigen Umzug“ (25 000 Euro) habe er der Verwaltung präsentiert – und keinerlei Reaktion erhalten.
„Wir waren ja gesprächsbereit“
Auch Werner Römer aus Haldern, Sprecher einer aus vier Parteien bestehenden Erbengemeinschaft, der das Rasendreieck zwischen Bahnlinie und dem sanierungsbedürftigen Damm gegenüber der Niederrheinhalle gehört, lässt kein gutes Haar an der Stadt. Die habe nämlich urplötzlich die Gespräche über eine städtische Ausgleichsfläche am Heideweg in Flüren abgebrochen und die Erbengemeinschaft enteignet. „Wir waren mit unserer Entscheidung noch nicht so weit und wollten am 13. Juni mit der Stadt weiterverhandeln“, erklärt der 51-Jährige. Die Art und Weise, wie in der Weseler Verwaltung gearbeitet werde, sei „erschreckend“. „Wir waren ja gesprächsbereit. Dass jetzt die Tür zugeschlagen wird, ist für uns unbegreiflich. Zumal wir alle nötigen Unterlagen eingereicht haben.“ Römer hat die Angelegenheit seinen Anwälten übergeben.
Im Weseler Rathaus hat man für den Unmut von Römer und der Eheleute Tizziani offenbar Verständnis. Allerdings, so Ingrid Giesen, Teamleiterin Grundstücksmanagement, seien seit langem geforderte Unterlagen nicht eingegangen. Und weil bereits am 1. Juli mit den Bauarbeiten für den gut 300 Meter langen Deich (siehe Info) begonnen werden soll, habe man handeln müssen und den Antrag auf Enteignung gestellt. Was nicht automatisch heißen soll, dass wirklich enteignet wird. Denn: „Die Bezirksregierung, die den Bau des Deichs von uns verlangt, wird alle Parteien zu einem Erörterungstermin einladen, bei dem alle Positionen ausgetauscht werden und man sicher zu einer Lösung kommen wird“, so Gisen. Es werde keinesfalls so sein, dass am 1. Juli die Raupen anrollen und das Gelände „plattmachen“.
An dem Verhandlungstisch sicher nicht dabei sind die Pächter Tizziani, von denen angeblich „auch Unterlagen fehlen“, wie Giesen betont. Außerdem sei die Hundeschule nur geduldet, nicht genehmigt. Eine Aussage, die das Paar die Welt nicht mehr verstehen lässt.
Quelle: RP