Stadt Kempen (RP) Rund die Hälfte aller Ehen scheitert. Viele Paare suchen zu spät Hilfe, sagt der Kempener Therapeut Hubert Geurts. Wichtig sei, die Weltsicht des anderen zu verstehen. Eine TV-Doku mit Geurts ist in Vorbereitung, für die noch zwei bis drei Paare gesucht werden.
Der Kempener Therapeut Hubert Geurts, hier mit einem Familienmodell, hilft Paaren, in deren Beziehung es nicht mehr so richtig läuft. rp-foto: wolfgang kaiser
Es ist ein spannendes Projekt, mit dem der Kempener Paartherapeut Hubert Geurts Neuland betritt. Die Dokumentarfilmerin Christina Pohl möchte mit ihm in einem Film zeigen, wie Paare den Weg aus der Kreise dauerhaft meistern und eine Trennung beziehungsweise einen Rosenkrieg vermeiden können. Für diese Dokumentation werden noch zwei bis drei Paare gesucht, die bisher noch keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben.
Aggressionen als Folge
Mehr als 50 Prozent aller Ehen scheitern. Die Scheidung ist meist Endpunkt einer Krise, die schon jahrelang schwelt. "Partnerschaften, die nicht funktionieren, verursachen viel Leid", sagt Geurts, der mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Paar- und Familientherapie hat. Folgen seien Aggressionen gegen sich selber und andere, Angst, Antriebsschwäche, Einnahme von Drogen, finanzielle Probleme, Fremdgehen, schlechte Arbeitsleistungen, manchmal sogar Vernachlässigung und Verwahrlosung der Kinder.
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Paartherapie
In der Paartherapie sollen die Paare lernen, wieder miteinander zu sprechen und einander zuzuhören. Der Paartherapeut nimmt dabei eine moderierende Rolle ein: Er sorgt dafür, dass beiden Partnern im Rahmen der Paartherapie die Gelegenheit gegeben wird, die eigene Situation und die eigenen Gefühle zu schildern. An den Stellen, die wichtig erscheinen, kann er als Außenstehender und objektiver Beobachter eingreifen und mit Nachfragen dazu beitragen, dass Probleme konkreter benannt werden.
Viele Paare kommen zu spät, weiß Geurts aus der Praxis. Frühzeitige professionelle Hilfe könne in vielen Fällen Schlimmeres verhindern. "Männer und Frauen ticken nun einmal anders", sagt Geurts, "sie nehmen die Welt unterschiedlich wahr." In der chinesischen Psychologie gebe es 4096 verschiedene Persönlichkeitstypen, vor diesem Hintergrund seien Konflikte ganz normal. "Man muss den anderen begreifen lernen und erkennen, dass er gar nichts Böses will." Eine Erkenntnis, die oft nur mit Hilfe eines Therapeuten möglich ist.
Um diesen komplexen Problemkreis soll sich der Dokumentarfilm drehen. Er soll Paare bei der Beratung begleiten, wobei Geurts im Vorfeld klare Grundsätze für die Paarberatung gesteckt hat. Sollten sich Interessenten melden, gibt es zunächst ein Vorgespräch, in dem alle Regeln genau geklärt werden. "Das TV-Team hat meine Arbeitsgrundsätze respektiert und akzeptiert", betont der Therapeut. Es handele sich schließlich um einen sensiblen Bereich, in dem man gar nicht vorsichtig genug sein könne. Zumal es so eine Sendung in Deutschland noch nie gegeben habe. Womit sich Geurts auch von allen Talkshows lossagt, die in vielfältigen Formaten Lebenshilfe versprechen: "Wir wollen mit unserer Paarberatung zeigen, wie es tatsächlich funktionieren kann."
Beim Gespräch mit dem Therapeuten befinden sich keine weiteren Personen im Raum, die Kameras können von innen jederzeit abgestellt werden. Nach dem Drehen wird gemeinsam entschieden, was am Ende wirklich gesendet wird. Das Filmmaterial darf anschließend nicht mehr nachgearbeitet werden, um eine Manipulation fest ausschließen zu können. Das Team darf auch nicht wechseln: "Wir wollen Vertrauen aufbauen", betont Geurts. Die Qualität der Beratung leidet unter der Anwesenheit der Kameras natürlich nicht: "Sie soll mindesten so gut sein wie eine klassische". Primär sei eine gute Beratung, die Doku komme erst an zweiter Stelle.
Interessenten können sich unter Ruf 02152 / 559 259 oder H.Geurts@t-online.de melden
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Quelle: RP