Mönchengladbach (RP) Nach einer Umfrage an Schulen schwänzen 300 Kinder und Jugendliche dauerhaft den Unterricht. Mittlerweile ist der Ordnungsdienst fast jeden dritten Tag unterwegs, um „Blaumacher” aufzugreifen und zur Schule zu bringen.
Rund 300 Kinder und Jugendliche machen dauerhaft blau. Foto: Andreas Bretz
Während andere in der Schule sitzen, spielen sie in Kaufhäusern an Computern, treffen sich in Parks oder hängen vor dem Fernseher. Nicht selten fehlen sie im Unterricht monatelang. Nach einer noch nicht ganz abgeschlossenen Umfrage an Mönchengladbacher Schulen machen rund 300 Kinder und Jugendliche dauerhaft blau. Vor zwei Jahren waren es noch 160. Beim Spitzenreiter der Schulschwänzer summieren sich die Fehltage auf anderthalb Jahre.
Um dem Problem Herr zu werden, wurden viele Sanktionsmöglichkeiten geschaffen: Geldbußen für Eltern und Jugendliche, Schulzuführungen durch Ordnungskräfte und Jugendarrest. Doch selbst letzteres kann so manchen notorischen Schulschwänzer nicht abschrecken. So wanderte in Mönchengladbach eine 19-Jährige für eine Woche in Jugendarrest, weil sie alle Mahnungen und Strafen konsequent ignorierte.
Zu Arbeitsstunden verdonnert
54 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr zu Arbeitsstunden verdonnert, weil sie ihre Bußgelder wegen Dauer-Blaumachens nicht bezahlten, oftmals auch gar nicht darauf reagierten. Schülern ab 14 Jahren kann die Stadt ein Bußgeld von fünf Euro pro geschwänzten Tag auferlegen. Aber die wenigsten zahlten die 100 Euro und mehr.
Wer regelmäßig der Schule fernbleibt, dem kann auch das blühen: Mitarbeiter des Ordnungsamtes suchen den Schüler zu Hause oder auch an anderen Orten auf und liefern ihn beim Lehrer ab. 107-mal ist das im vergangenen Jahr geschehen. Also fast jeden dritten Tag.
Mit unterschiedlichen Erfolgen. „Manche sind in der ersten Pause schon wieder weg”, sagt Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser. Bei einigen Jugendlichen mussten die Ordnungsdienstmitarbeiter gleich mehrfach eingreifen. „Es gibt einfach Schüler, die finden das cool. Weil sie glauben, dass sie dann zu den ganz Harten zählen”, sagt Steinhäuser.
Schon in den Grundschulen gibt es Kinder, die über Wochen und Monate fehlen, weiß der Schulamtsdirektor. Die meisten Schulverweigerer seien jedoch an Hauptschulen und Förderschulen, auch wenn es durchaus schulmüde Gymnasiasten gebe. Steinhäuser glaubt, dass Perspektivlosigkeit, also wenig Aussichten auf einen Job, oft ein Grund dafür ist, weshalb Kinder und Jugendliche nicht mehr zur Schule gehen. Mobbing und Versagensängste seien weitere Ursachen.
Auch in Mönchengladbach wird versucht, Dauerschwänzer wieder in die Schullaufbahn einzugliedern. „Comeback” ist ein Beispiel für ein Projekt, das erfolgreich arbeitet. 70 Prozent der Schüler, die dort von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden, kehren zur Schule zurück oder werden in andere Maßnahmen vermittelt.
Doch solche Plätze sind begrenzt. Bei Comeback sind es nur 15. Und laut Steinhäuser ist es fraglich, wie lange das Projekt in der jetzigen finanziellen Situation noch aufrechterhalten werden kann. Denn die Maßnahme ist zwar effizient, aber auch personal- und kostenintensiv.
Quelle: RP