Viersen: Kaiser’s ist gesprächsbereit 2004 wurde der Deal gefeiert

VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 17.08.2006

Viersen (RP) Eine Entscheidung über das geplante Einkaufszentrum am Theodor-Heuss-Platz ist noch nicht gefallen. Die Parteien lehnen die bisher vorgelegten Pläne ab. Kaufhaus-Inhaber Kaiser’s will nachbessern.

Info

Das Projekt

Am Theodor-Heuss-Platz sollen ebenerdig 6000 Quadratmeter hochwertige Verkaufsflächen entstehen. Die Firma Kaiser’s ist mit derzeit gut 2000 Quadratmetern der größte Nutzer. Das Unternehmen will dort einen Premium-Markt eröffnen. Auf dem Dach des Komplexes soll ein Parkdeck mit 250 Stellplätzen entstehen. Die sind öffentlich zugänglich. Im Eingangsbereich der so genannten Mall (Einkaufspassage) zur Löhstraße hin sehen die Architekten einen kleineren gastronomischer Bereich vor.

Es kommt nur noch sehr selten vor, dass unterschiedliche Parteien im Viersener Stadtrat sich in der gemeinsamen Ablehnung eines Projektes so einig sind. Die vom Investor erhoffte Zustimmung zum geplanten Einkaufszentrum auf dem Gelände des Kaufhauses Horten/Rupprecht am Theodor-Heuss-Platz in Viersen gab es in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Dienstagabend nicht. Durch die Bank wurde das Projekt als nicht angemessen abgelehnt.

Vor einer Vielzahl von Zuhörern erklärte Bürgermeister Günter Thönnessen, dass er und der neue Stadtbaurat Gerd Zenses bereits am vergangenen Freitag mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kaiser’s-Tengelmann AG, Bernd Ahlers, eingehend über das Vorhaben gesprochen hatten. Zuvor waren am Donnerstagabend dem Bau- und Planungsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung die Pläne vom Düsseldorfer Architekten Elmar Joeressen erläutert worden. Auch wenn der Kaiser’s-Chef, so Thönnessen, die öffentliche Kritik insbesondere an einigen Filialisten, die als mögliche Mieter in Frage kommen, nicht teilt, sei Kaiser’s weiterhin gesprächsbereit. Ahlers habe versprochen, nach weiteren Mietinteressenten Ausschau zu halten. Nach RP-Informationen ist das Thema „Elektronikfachmarkt“ wohl doch noch nicht endgültig vom Tisch. Vom diesem ist aber das Name „Tedi“. Die Billigkette aus der Kaiser’s-Familie kommt derzeit als Mieter nicht in Frage. Die Filiale wird demnach wohl an der Ecke Hauptstraße/Große Bruchstraße bleiben. Außerdem laufen Verhandlungen mit einem weiteren Textil-Filialisten.

Bürgermeister Thönnessen versprach, mit Kaiser’s im Kontakt zu bleiben. Das Thema wird den Bau- und Planungausschuss und möglicherweise auch den Wirtschaftsförderungsausschuss nochmals in einer gemeinsamen öffentlichen Sondersitzung am 21. September beschäftigen. Auch der Finanzausschuss des Stadtrates wird sich – allerdings nicht-öffentlich – mit dem Verkauf der bisherigen Freiflächen am Theodor-Heuss-Platz an den Investor befassen.

CDU-Parteichef Paul Mackes und SPD-Fraktionsvorsitzender Alfons Görgemanns sind sich in der Einschätzung einig, dass die Stadt durchaus noch Einfluss auf das Projekt hat. „Die Grundstücke am Theodor-Heuss-Platz und an der Remigiusstraße sind unser Faustpfand“, meinte Görgemanns. Mackes erklärte gestern im RP-Gespräch, Stadt und Politik dürften sich jetzt nicht unter Druck setzen lassen. Seine Partei erwarte konkrete Nachbesserungen, ehe sie dem Projekt zustimmen könne. „Bloße mündliche Absichtserklärung von Herrn Ahlers reichen uns da nicht“, so Mackes. Bürgermeister Thönnessen warnte indes, das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt zu zerreden. Interessant erscheint, dass die Firma Kaiser’s das Kaufhaus wohl noch nicht an die Düsseldorfer Immobiliengesellschaft Redevko verkauft hat. HEISSER DRAHT



VIERSEN (rei) Marina Hammes hatte seinerzeit sogar ihren Italien-Urlaub extra so gelegt, dass für einen wichtigen Termin im Kommunalwahlkampf 2004 Platz war: Gemeinsam mit Kaiser’s-Chef Bernd Ahlers präsentierte die damalige Viersener Bürgermeisterin Anfang August 2004 die frohe Botschaft, dass Kaiser’s dem ehemaligen Horten-Haus neues Leben einhauchen wolle. Ahlers kündigte damals Investitionen im zweistelligen Millionenbereich an, um das Schiff wieder flott zu bekommen. Und viele Bürger in Viersen jubelten: Endlich werde die Ruine verschwinden und durch ein attraktives Einkaufszentrum ersetzt. Vor allem die CDU wollte im Wahlkampf 2004 den Deal nutzen, um zu punkten. Kaiser’s nutzte die Übernahme vor allem deshalb, um einen Wettbewerber wie Kaufland, der ein Auge auf das Objekt geworfen hatte, in der Viersener Innenstadt zu verhindern.

Sehr hoch waren die Erwartungen: Ein namhafter Elektronikfachmarkt sollte an Land gezogen werden. Saturn oder Media-Markt, beide inzwischen in Mönchengladbach groß im Geschäft, standen auf der Wunschliste ganz oben. Doch sie entschieden sich – wie andere Kandidaten – nach eingehenden Marktanalysen gegen die Kreisstadt. Kaiser’s-Chef Ahlers ist kein Vorwurf zu machen. Er hat mit großem persönlichen Einsatz bislang alle möglichen Versuche unternommen, attraktive Mieter für das Einkaufszentrum zu finden.

Übrigens: Bürgermeister Günter Thönnessen war vor der Wahl 2004 als SPD-Chef dafür, auf dem Gelände altengerechte Wohnungen zu bauen. Für diese Idee wurde er seinerzeit von der CDU gescholten.

Quelle: RP

 
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