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Kardinal Rainer Maria Woelki
"Laien müssen Führung von Gemeinden ohne Pfarrer übernehmen"

Kölner feiern Rainer Maria Woelki als Erzbischof
Kölner feiern Rainer Maria Woelki als Erzbischof FOTO: dpa, hka htf hpl
Köln. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki fordert in seinem Fastenhirtenbrief, dass die Mitarbeiter der Pastoral freiwillig Engagierte als "mündige Christen" betrachten. 

Der Kardinal  erwartet mehr Mitverantwortung der Laien in der Kirche. Getaufte Katholiken sollten nicht alles von den "Profis" erwarten, heißt es im diesjährigen Fastenhirtenbrief des Erzbischofs. Die Hauptverantwortlichen in der Pastoral sollten freiwillig Engagierte "auf Augenhöhe" wahrnehmen und als "mündige Christen" betrachten, die ihre Fähigkeiten und Zeit in die Kirche einbringen.

Der Fastenbrief des Kardinals wird am Wochenende in den Gemeinden verlesen

Das Erzbistum Köln werde "keine von Hauptberuflichen mehr versorgte Kirche sein, sondern eine miteinander gestaltete, getragene und verantwortete Kirche", betont der seit rund eineinhalb Jahren amtierende Erzbischof. Dabei werde es zwar verschiedene Dienste und Rollen geben, "doch keine unterschiedliche Würde der Getauften". Das programmatische Schreiben soll am Wochenende in den Gemeinden verlesen werden.

Nach den Worten des Kardinals passt die derzeitige Form des Kirche-Seins vielerorts nicht mehr. Viele personellen und strukturellen Maßnahmen seien in der Vergangenheit angesichts einer wachsenden Mangelsituation darauf ausgerichtet gewesen, die bestehende Versorgung aufrecht zu erhalten.

Laien sollen vor Ort die Kirche auch ohne Hauptamtliche lebendig halten

"Eine Neuausrichtung tut Not", so der Erzbischof. Wenn sich Christen - etwa in kleinen Gemeinschaften - in ihrem sozialen Nahraum als "Substruktur der großen Pfarrei" zusammenfänden, dann könne Kirche vor Ort präsent sein.

Laut Erzbischof sind die meisten Diözesen der Welt flächenmäßig große pastorale Einheiten mit wenig Hauptamtlichen. "Und doch findet sich bis in die äußeren Stadtteile oder Dörfer hinein eine lebendige Kirche, getragen durch engagierte Getaufte", betont Woelki. Von diesen Erfahrungen sollte das Erzbistum Köln lernen und in einem "geistlichen Prozess" eine Zukunftsvision entwickeln.

Wertschätzender und transparenter Umgang in den Pfarreien sei nötig

Auch künftig würden Pfarreien und Seelsorgebereiche von Priestern geleitet, sagte Woelki. Doch auch Gemeinden und Kirchorte unterhalb dieser Ebene benötigten eine gute Führung, die von einer Gruppe Laien wahrgenommen werden könnte.

Die Neuausrichtung wird nach Einschätzung Woelkis auch Konflikte mit sich bringen. "Sie dürfen sein - auch in der Kirche", so der Kardinal. Es komme aber auf den Umgang mit den Konflikten und den Lösungen an, ob sich dort Gottes Geist zeige. Für die Hauptberuflichen in der Pastoral werde Teamarbeit zu einer immer wichtigeren Qualifikation; notwendig sei eine "gute, wertschätzende, transparente und klare Weise des Umgangs".

(rent/KNA)
 
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