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Entwürdigende Bilder von Patienten
Pfleger machte Selfie mit nackter, bewusstloser Patientin

Aachen: Pfleger wegen entwürdigender Whatsapp-Fotos vor Gericht
Das Klinikum Aachen von außen. Fünf frühere Pfleger sollen von Patienten entwürdigende Fotos gemacht und diese verbreitet haben. FOTO: dapd, dapd
Aachen . Fünf frühere Pfleger des Aachener Klinikums sollen von dementen und bewusstlosen Patienten entwürdigende Fotos gemacht und diese per WhatsApp verbreitet haben. Dafür stehen sie ab Dienstag vor Gericht. Laut Deutscher Stiftung für Patientenschutz können solche Taten überall passieren. Von Jessica Kuschnik

Es ist der Albtraum eines jeden Patienten: Wehrlos, weil dement oder narkotisiert, liegt er auf dem Behandlungstisch, sein Körper völlig entblößt. Doch statt den Patienten respektvoll zu behandeln, wird er geschmückt, mit Schaum beschmiert und als Fotomotiv missbraucht – all das gegen seinen Willen und ohne sein Wissen.

Genau dieser Umgang mit wehrlosen Patienten wird fünf ehemaligen Pflegekräften des Aachener Klinikums vorgeworfen. Wegen entwürdigender Bilder von Schutzbefohlenen in der Notaufnahme stehen sie seit Dienstag vor Gericht. Auf den Fotos ist zu sehen, wie einer der Angeklagten neben einer unbekleideten Patientin in Seitenlage steht, seine Hände auf ihrem Körper, die Zunge weit ausgestreckt. Seine ebenfalls angeklagte Ex-Kollegin soll auf die nackte Brust eines Herz-Kranken ein Herz und den Namen eines Pflegers aufgemalt haben. Mit Creme wurden ihm noch Dracula-Zähne ins Gesicht gemalt. 

Zwei Bilder und ein Video wurden laut Anklage in einer WhatsApp-Gruppe verbreitet, dem rund 25 Mitarbeiter der Notaufnahme angehörten. "Es war keine Intention, die Leute lächerlich zu machen", beteuert der angeklagte Gründer der Gruppe. 

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hofft, dass der Prozess dazu beiträgt, eine "Kultur des Wegschauens" zu verhindern. "Das kann überall passieren, auch in Altenheimen", sagt Vorstand Eugen Brysch. "Die Leitungen von Kliniken und Heimen müssen daher sehr wachsam sein." 

Die vier Männer und eine Frau im Alter von 26 bis 33 Jahren sollen nach Gerichtsangaben mit Handys Bilder und ein Video von neun bewusstlosen oder dementen Patienten gemacht haben, zum Teil mit entblößten Körperteilen. Vor dem Amtsgericht Aachen sind sie wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs" durch Bildaufnahmen angeklagt. 

Drei weitere Pfleger involviert 

Die Vorfälle sollen sich laut Staatsanwaltschaft zwischen Ende 2013 und Anfang 2014 zugetragen haben. Erst im September 2014 war die Klinikleitung durch anonyme Hinweise auf die Vorfälle aufmerksam geworden und hatte zunächst vier Mitarbeitern fristlos gekündigt. Ein weiterer Mitarbeiter hatte laut Aachener Zeitung "in gegenseitigem Einvernehmen" das Haus verlassen. Etwa ein halbes Jahr später folgten ihm drei weitere Krankenhausmitarbeiter als Konsequenz aus der Bilderauswertung, so die Ermittler damals. Sie stehen nicht vor Gericht. Die Angeklagten arbeiten nach eigenen Angaben alle wieder als Krankenpfleger in neuen Jobs.

Auch wenn Vorfälle in diesem Ausmaß "abscheuliche Ausnahmen" seien, so Brysch, müsse die Klinikleitung aktiv dazu beitragen, sie zu verhindern und aufzudecken. "Solche Fälle kommen nur ans Licht, wenn die Anständigen Zivilcourage zeigen. Sie müssen solche Taten melden", sagt er.  Den Mitarbeitern müsse die Möglichkeit gegeben werden, anonym Hinweise zu geben. Zudem sollten Fotoaufnahmen durch das Personal grundsätzlich verboten sein.

"Das sind keine Bagatelldelikte" 

Wie die Aufnahmen zeigten, sollen die ehemaligen Pfleger auch den Konsum von Drogen mit Gipspulver nachgestellt haben. Durch ihr Fehlverhalten sei die engagierte Arbeit der Mehrheit der Mitarbeiter in Misskredit geraten, stellte das Uniklinikum fest. "Das ist eine absolute Grenzüberschreitung. Man posiert nicht mit Schutzbefohlenen", sagte der Sprecher des Uniklinikums, Mathias Brandstädter, zu den Vorfällen. 

Den fünf Angeklagten drohen nach Gerichtsangaben Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr. "Das Gericht muss deutlich machen, dass es sich hier nicht um Bagatelldelikte handelt", sagt dazu Byrsch. "Das dient der Abschreckung und stärkt das Vertrauen." Gleichzeitig fördere es die Zivilcourage. 

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