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Stolberg
Akten von Contergan-Opfern lagerten bei Pharma-Firma

Stolberg. Betroffene sprechen von einem Skandal: 161 Aktenordner gefüllt mit hochpersönlichen Informationen von Contergan-Opfern haben jahrelang im Archiv des Pharmaunternehmens Grünenthal gelegen - also bei dem Unternehmen, das mit seinem Schlafmittel Missbildungen bei Tausenden Kindern verursacht hat. Betroffene wie Andreas Meyer stellen die Frage: Was hatten Unterlagen mit persönlichen Daten zu seinen familiären Verhältnissen oder zu Details seiner Schädigung bei Grünenthal zu suchen? Mittlerweile sind die Akten an die Conterganstiftung überführt.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Verhältnisse in der Conterganstiftung in den 1970er Jahren: Die Unterlagen sind die Handakten von Herbert Wartensleben. Der war damals Leiter der medizinischen Kommission und entschied maßgeblich mit, wer als Conterganopfer anerkannt wurde. Gleichzeitig war Wartensleben auch Anwalt des Unternehmens Grünenthal. Die heutige Vorsitzende der Conterganstiftung, Marlene Rupprecht, will die Sachverhalte aufarbeiten. "Wir versuchen aufzuklären und wollen nichts vertuschen", verspricht sie. Allerdings war die Doppelfunktion von Wartensleben schon damals bekannt. Rupprecht geht es jetzt auch darum, dass die Rolle der Conterganstiftung historisch aufgearbeitet wird. Erstes Geld steht dafür bereit.

Allein die Auswertung der Unterlagen, die nun bei Grünenthal entdeckt wurden, ist langwierig. Sie könnte bis 2017 dauern und verschlingt viel Geld: laut Stiftung bis jetzt 300.000 Euro. Die Unterlagen seien völlig ungeordnet. Deshalb weiß auch niemand, wie viele der 2700 in Deutschland lebenden Contergan-Opfer betroffen sind.

(dpa)
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