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Brüggen
"Alternative" Verfahren sind keine Alternative

Brüggen. Viele Krebspatienten fragen sich, ob sie neben der unentbehrlichen schulmedizinischen Behandlung etwas Gutes für sich tun können - aus dem verständlichen Wunsch, die klassische Therapie mit "sanften", unterstützenden Verfahren zu ergänzen. Im Licht der strengen Wirkungsanalyse sind jedoch die meisten alternativen Methoden als kaum effektiv und sogar als gefährlich einzustufen. Immerhin wählen die meisten Krebspatienten "alternative" Verfahren nur zur Ergänzung als konventionelle Therapie aus Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. Als deren Ersatz sind vermeintliche "Alternativen" lebensgefährlich. Wir stellen einige hilfreiche und unsinnige Verfahren vor. Von Wolfram Goertz

Misteltherapie Sie gilt als eine der am häufigsten von Patienten gewählten Zusatztherapien bei Krebs. Ihr Nutzen ist nicht unumstritten. Eine neue Auswertung 18 seriöser klinischer Studien kommt zu dem Schluss, dass die Misteltherapie die Lebensqualität von Patienten während einer Chemotherapie verbessern kann. Sieben von 14 Studien zeigen sogar verbesserte Überlebenschancen. Allerdings monieren Experten die zum Teil mangelhafte Qualität der Studien. Auch wird laut Krebsinformationsdienst nicht präzise genug vor den Nebenwirkungen der Mistel-Injektion gewarnt. Die Kosten werden von gesetzlichen Krankenkassen vor allem dann übernommen, wenn eine Krebserkrankung als unheilbar gilt. Protonentherapie Sie ist eine recht neue Therapieoption bei einigen Krebsarten. Hierbei wird ein Tumor mit hochenergetischen positiven Ionen (also auch Protonen) bestrahlt. Protonen und Kohlenstoffionen sind nach Ansicht von Fachleuten besonders für jene bösartigen Tumoren geeignet, die wegen ihrer Nachbarschaft zu empfindlichen Organen weder für Chirurgen noch für eine herkömmliche Strahlentherapie zugänglich sind. Für Patienten in Nordrhein-Westfalen empfiehlt sich in jedem Fall eine Nachfrage, ob ihre Krebserkrankung beim Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen behandelt werden kann; es zählt als Teil der Klinik für Partikeltherapie zur Uniklinik Essen. Bedenkliche Therapien Die Krebsgesellschaft NRW hat auf ihrer Website eine Liste sogenannter komplementärer oder alternativer Verfahren aufgelistet, bei denen medizinische Bedenken aufgrund ihrer Wirkungssicherheit bestehen; einige werden als gefährlich eingestuft. Das betrifft etwa die "Analyse freier Radikale", die bioelektrische Krebstherapie, die Bioresonanztherapie, die Colon-Hydro-Therapie, Behandlungen mit Kombucha, Vitalpilzen oder Thymusfrischextrakten. Hierbei sind bereits tödliche Fälle nachgewiesen. Viele Therapien haben zudem den Nachteil, dass sie die Wirkung einer Chemotherapie reduzieren können. Man sollte sie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einsetzen.

www.komplementaermethoden.de

Quelle: RP
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