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Köln
Angeklagter gesteht Mord in Salatbar

Köln. Prozessbeginn: Vor neun Jahren wurde die Inhaberin des Geschäfts ermordet. Von Claudia Hauser

Mehr als neun Jahre sind vergangen seit dem brutalen Mord an der damals 24 Jahre alten Anke S., die in ihrer Salatbar "Supasalad" in der Kölner Innenstadt nachts niedergestochen worden war. Lange tappten die Ermittler im Dunkeln, bis sie im vergangenen Jahr auf die Spur von Enes A. kamen. Der heute 36-Jährige hatte freiwillig eine Speichelprobe abgegeben - die brachte einen Treffer in der DNA-Datenbank. Am Tatort hatten die Beamten damals eine Zigarettenkippe des Täters sichergestellt. Mord verjährt nie. Enes A. muss sich nun vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Habgier vor. Zu Beginn des Prozesses wischt er sich ein paar Tränen von den Wangen, wirkt angespannt.

Anke S. war in der Nacht auf den 23. Juli 2007 noch spät in ihrem Imbiss. Sie erledigte Bestellungen für den nächsten Tag, die gläserne Tür war unverschlossen. Enes A. entschied offenbar spontan, sie zu überfallen. Laut Anklage schrie die junge Frau auf und die Situation eskalierte. Enes A. stach auf sie ein, elf Mal. Er verletzte sie an der Brust, im Gesicht und an den Händen. Dann zerrte er sie in den Kühlraum, zog die Tür zu und flüchtete mit zwei Taschen. Seine Beute waren ein Mobiltelefon, ein Portemonnaie und nicht mehr als 20 Euro Bargeld.

A. lässt seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. "Mein Mandant bittet um Verständnis, dass er nicht gleich ein Geständnis im vollen Umfang abgeben wird - das soll nicht despektierlich gegenüber der Familie des Opfers sein, sondern hat organisatorische Gründe", sagt der Rechtsanwalt. "Er räumt die Tat aber ein." Zu den Hintergründen, seinem Motiv, wolle er sich aber erst im Laufe des Verfahrens äußern. "Für das, was vorgefallen ist, entschuldigt er sich in aller Form." Auch wenn sein Mandant verstehe, dass "der Vorfall" nicht entschuldbar sei. "Er wird alles dafür tun, dass die Familie des Opfers nur dann aussagen muss, wenn sie das möchte." A. wolle keine Verteidigung, die das Leid der Familie noch weiter verstärke. Und für noch etwas möchte er sich entschuldigen: "Dafür, dass so viel Zeit vergangen ist."

Enes A. war ein Kleinkrimineller, der eine Gelegenheit für einen Raub suchte und zum Mörder wurde. Seine DNA war 2007 noch nicht in der Datenbank des Bundeskriminalamts gespeichert. Die Ermittler gingen 3500 Spuren nach, vernahmen 6000 Zeugen und ließen sich fast 2000 freiwillige Speichelproben geben. Alle Spuren der Ermittler führten ins Leere. Im Sommer 2015 saß A. in Hamburg in Haft, wegen Diebstahls. Die Kölner Polizei suchte ihn wegen eines anderen Diebstahls, A. war inzwischen polizeibekannt, weil er immer wieder wegen Schwarzfahrens, Betrug oder kleineren Körperverletzungsdelikten aufgefallen war. Routinemäßig bat man den Inhaftierten um eine Speichelprobe. Enes A. hätte sie verweigern können - doch er willigte ein.

Das Urteil wird für den 8. September erwartet.

Quelle: RP
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