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Düsseldorf
Attentäter nahm an Aussteiger-Programm teil

Düsseldorf. Mit etwas mehr Wachsamkeit auf Seiten der Behörden wäre der islamistische Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel vor zwei Wochen wahrscheinlich zu verhindern gewesen. Und mit etwas weniger Glück hätte es in der afghanisch-indischen Glaubensgemeinschaft ein Blutbad mit Dutzenden Toten geben können. Diesen Schluss lässt ein verstörender Bericht zu, in dem NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) den Innenausschuss des Landtages gestern über die Ermittlungen unterrichtete.

Bei einer Explosion vor dem Sikh-Gebetshaus, in dem 100 Menschen eine Hochzeit feierten, waren am 16. April drei Menschen verletzt worden. Zwei 16-jährige Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Offenbar wollten sie eine Bombe durch ein Fenster werfen. Weil dies nicht gelang, platzierten sie den mit Sprengstoff und Zünder präparierten Feuerlöscher am Eingang.

Die Tatverdächtigen waren lange vor dem Attentat mehr als auffällig. Sie posteten bei Facebook immer wieder islamistische Hetzparolen. In ihren Schulklassen fielen sie auf, weil sie den Islamischen Staat und die Pariser Terrorattentate glorifizierten. Einer von ihnen drohte einer jüdischen Mitschülerin, ihr das Genick zu brechen. Auch der Verfassungsschutz hatte die beiden schon im Visier. Trotzdem konnten sie offenbar unbemerkt bei einem Internet-Händler das Material für die Bombe kaufen. Sie standen auch im Kontakt zu Salafisten, die von den NRW-Behörden zur Gruppe der extremistischen Gefährder gehören.

Dank seiner Lehrer nahm der Gelsenkirchener seit November 2014 am Programm "Wegweiser" teil, das Jugendliche vor dem Abdriften in die gewaltbereite Szene bewahren soll. Während der Gelsenkirchener seine "Wegweiser"-Anlaufstelle noch vier Tage vor dem Attentat besucht hatte, wurde der Essener einen Tag vorher wegen eines Eigentumdelikts festgenommen.

(tor)
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