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Düsseldorf
Beate Zschäpes Brieffreund vor dem NSU-Ausschuss

Düsseldorf. Dortmund ist die Hochburg der rechtsradikalen Szene in NRW, und ihr gehört auch Robin S. an. Der 31-Jährige stand gestern vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA), der sich mit den Verbrechen des terroristischen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) befasst. Der PUA will herausbekommen, ob es eine Verbindung des thüringischen NSU-Trios - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - nach Dortmund gab, wo im April 2006 ein türkischstämmiger Kioskbesitzer ermordet worden war. Die Bluttat wird ebenso wie der Anschlag 2001 in der Kölner Probsteigasse und 2004 in der Keupstraße dem NSU zugerechnet. Von Detlev Hüwel

Der Zeuge beantwortete die Fragen, wenn überhaupt, nur widerwillig. Er stellte sich als "Mitläufer" der Szene dar, "die sagt, was sie denkt". Doch der PUA glaubte ihm nicht. Fotos zeigten ihn als Saalschützer bei rechtsradikalen Rockkonzerten. "Das ist ein Knallharter", hieß es.

Robin S. der 2006 bei der Bundeswehr an zahlreichen Waffengattungen ausgebildet wurde, hat wegen eines Raubüberfalls acht Jahre im Gefängnis gesessen. Seit zwei Monaten ist er frei. Zu dem Überfall, bei dem er einen Mann angeschossen hatte, sei er von Sebastian S. angestiftet worden, so Robin. Das sei früher ein "sehr guter Freund" gewesen - offenbar war Sebastian aber auch ein V-Mann des Verfassungsschutzes in der Dortmunder Rechtsradikalen-Szene.

Robin sagte, er wisse, wie es im Gefängnis zugehe. Deswegen habe er vor vier Jahren die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess, Beate Zschäpe, angeschrieben und stehe noch immer in Briefkontakt zu ihr. Er wolle sie "psychologisch aufbauen", erklärte der Mann mit der schwarzen Jacke und dem Bürstenhaarschnitt: "Das ist meine soziale Ader." Auf die Frage, ob er Zschäpe bewundere, antwortete er: "Es ist mein Recht zu schreiben, wem ich will." Ob er jemals in Thüringen gewesen sei, wollte PUA-Vorsitzender Sven Wolf (SPD) noch wissen. Wie so oft, konnte sich Robin S. angeblich nicht genau erinnern: "Nicht, dass ich wüsste." Wesentlich weiter kam der PUA gestern nicht.

Quelle: RP
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