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Bonn
Bewegende Trauerfeier für 17-jährigen Niklas

Bonn. Mehr als 700 Menschen nahmen in Bonn Abschied von dem zu Tode geprügelten Jugendlichen. Dechant Wolfgang Picken würdigte ihn als "höflichen und humorvollen Menschen". Zur Tat stellte er die Frage: "Wie ist das möglich?" Von Lisa Inhoffen und Sabrina Bauer

Der an den Folgen einer brutalen Prügelattacke gestorbene Niklas P. ist am Samstag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Burgfriedhof in Bad Godesberg in einem weißen Sarg beigesetzt worden. Am Grab sangen die Trauernden die Liedverse des von den Nazis ermordeten Pfarrers Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Niklas' Mutter und seine Schwester Lara ließen anschließend weiße Tauben zum Himmel aufsteigen. Zuvor hatten mehr als 700 Menschen mit den Angehörigen und Freunden in der Kirche Sankt Marien in einem Trauergottesdienst Abschied von dem 17-Jährigen genommen. Sein Tod ist ein weiterer schwerer Schicksalsschlag für die Familie innerhalb weniger Jahre: Vor drei Jahren erst war Niklas' Vater gestorben.

Sichtlich bewegt hörten die Trauergäste zu Beginn den live in der Kirche vorgetragenen Song des Rappers Djaspora, der das Stück Niklas gewidmet und am Todestag ins Netz gestellt hatte. Die öffentliche Trauerfeier fand in der Nähe des Tatorts statt, an dem der 17-jährige Schüler aus Bad Breisig vor zwei Wochen mutmaßlich von einem 20-Jährigen brutal niedergeschlagen worden war. Der Mann sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Nach weiteren Tatverdächtigen fahndet die Polizei zurzeit mit Hochdruck.

Dechant Wolfgang Picken, der den Gottesdienst mit dem Pfarrer aus Niklas' Heimatgemeinde, Günter Marmann, und im Beisein von Weihbischof Ansgar Puff zelebrierte, würdigte den Toten als "höflichen und humorvollen Menschen". Unter den Trauergästen: Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU), der EU-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff (FDP) sowie Landtagsabgeordneter Joachim Stamp (FDP). Picken hatte eine Geschichte aus dem Lukas-Evangelium für seine Predigt ausgewählt, in der es um die Wiedererweckung eines toten Jungen geht. Diese Bibelstelle bringe die christliche Hoffnung zum Ausdruck, das Gott Niklas in das neue Leben geführt hat, sagte der Priester. Dann stellte er eine Frage, die viele andere Menschen seit Niklas' Tod auch wieder umtreibt: "Wie ist es möglich, dass Menschen mitten aus unserer Gesellschaft zu dieser Tat fähig waren? Warum kommt es immer wieder, gerade auch in unserem Stadtteil, zu brutaler Gewaltausübung?"

Fragen, die nicht einfach zu beantworten seien, machte der Dechant deutlich. Denn es gebe eben nicht nur die eine Tat und den einen Täter, den einen Grund. Der Respekt vor dem Toten verlange es, dass bei der notwendigen Suche nach Ursachen jede Vereinfachung und Instrumentalisierung vermieden werde müsse. Es sei das große Anliegen nicht zuletzt der Familie von Niklas, dass sein Tod den Impuls dafür gebe, "dass wir junge Menschen nicht allein lassen, dass wir der Gewalt entgegenwirken und ein gutes Zusammenleben aller Menschen und Kulturen in Bad Godesberg fördern", sagte Picken. Und: "Wenn ich von einem Versprechen rede, das wir heute ablegen sollten, dann meine ich ausdrücklich nicht Worte, die man heute sagt und morgen wieder vergisst. Es müssen Versprechen sein, denen Taten folgen. Ich versichere ihnen, ich werde die Verantwortlichen daran erinnern. Mein Versprechen!", sagte Picken.

"Ich verspreche, daran muss man nicht erinnern", sagte OB Sridharan nach der Trauerfeier. Noch in diesem Monat wolle er zum Runden Tisch mit Vertretern der Stadt, Jugendhilfe, Schulen, Kirchen und Polizei einladen, um nach Lösungen zu suchen, der Gewalt entgegenzutreten. Dabei ist sich Sridharan mit Picken einig, dass insbesondere mehr präventive Maßnahmen als bisher ergriffen werden müssen. Schon jetzt sei er mit den Ordnungsdiensten und der Polizei im Gespräch, wie die Präsenz der Sicherheitskräfte in Bad Godesberg deutlich erhöht werden könne, sagte Sridharan.

Als sich der lange Trauerzug nach dem Gottesdienst in Richtung Burgfriedhof in Bewegung setzte, erwiesen auch viele Passanten dem Toten die letzte Ehre. Eine Seniorin musste von einem Notarzt versorgt werden, sie hatte einen Schwächeanfall erlitten. "Das ist kein Wunder, dieser schreckliche Tod eines jungen Menschen nimmt uns doch alle sehr mit", sagte Dirk Yücelli, Vize-Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes Bonn. Das DRK war wie die Notfallseelsorge Rhein-Sieg vor Ort, um Hilfe zu leisten. Ein DRK-Helfer, der 18-jährige Jens Hermann, berichtete, er sei an jenem verhängnisvollen Tag selbst 20 Minuten vor der tödlichen Attacke am Tatort in der Rheinallee vorbeigekommen. "Das hätte mich genauso erwischen können", sagte er.

Quelle: RP
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