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Krefeld
Bordell sponsert Kulturfabrik

Krefeld. In Krefeld wird wegen Anfangsverdachts der Korruption ermittelt.

Jahrzehntelang sind in Krefeld Vorgänge rund um ein Bordell an der Mevissenstraße offenbar im Einvernehmen von Politik und Verwaltung unter den Teppich gekehrt worden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer hat einen von ihm veranlassten Bericht des Rechnungsprüfungsamtes an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Der Inhalt des Papiers ist brisant: Es besteht der Anfangsverdacht der Korruption.

Jetzt wurden erste Details des vertraulichen Berichts bekannt: Demnach hat der Bordellkönig über Jahre hinweg mehr als 300.000 Euro an die Krefelder Kulturfabrik gespendet. Der damalige Fachdezernent soll sich für die regelmäßigen Spenden sogar förmlich und schriftlich mit dem Hinweis bedankt haben, dass ohne die Unterstützung der Rotlicht-Größe finanzielle Engpässe in der kulturellen Förderarbeit drohen würden. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass als Gegenleistung für die Spenden ein Wegschauen bei Genehmigungs- und Nutzungsrechten der Immobilie in einem Krefelder Gewerbegebiet erfolgt ist. "Wir prüfen den Sachverhalt auf noch verfolgbare Straftaten, das heißt auch unter dem Blickwinkel eventueller Korruption", erklärte Axel Stahl, Sprecher der Krefelder Staatsanwaltschaft, auf Anfrage unserer Redaktion. Das Problem dabei: Die Vorgänge liegen zum Teil mehr als 35 Jahre zurück. Etwaige Sachverhalte wie Vorteilsnahme oder Bestechlichkeit sind wahrscheinlich schon verjährt.

In Krefeld wird das Eros-Center aktuell als Wohnheim geführt. In den 1980er und 1990er Jahren hatten sich Bordellbetreiber und Stadtverwaltung noch vor den Gerichten über die Rechtmäßigkeit des Bordellbetriebs im Gewerbegebiet gestritten. Irgendwann scheint dann eine Regelung gefunden worden zu sein. Welcher Art sie war und ob dabei Strafgesetze oder andere Vorschriften verletzt worden waren, das soll nun die Staatsanwaltschaft klären.

Auch jetzt gehen Teile der Fachverwaltung davon aus, dass der Bordellbetreiber zumindest auf Bestandsschutz pochen kann und ein Schließen des Eros-Centers eine Millionen-Klage nach sich ziehen könnte.

Um eine rechtskonforme Lösung kommt Oberbürgermeister Meyer als Verwaltungschef nicht herum. Das neue Prostituiertenschutzgesetz, das zum 1. Juli 2017 in Kraft getreten ist, zwingt ihn dazu, die Genehmigungsfähigkeit des "dortigen Betriebes neu zu bewerten beziehungsweise zu klären".

(sti)
 
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