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RP-China-Kongress
"Wir führen keinen Währungskrieg"

RP-China-Kongress: "Wir führen keinen Währungskrieg"
Chinas Botschafter in Deutschland, Shi Mingde, diskutierte mit Chefredakteur Michael Bröcker über Börsenkrise, Investitionen und Menschenrechte. FOTO: Nein
Düsseldorf. Über die Zukunft von China sprachen der chinesische Botschafter und andere hochkarätige Gäste beim ersten China-Kongress der Rheinischen Post. Von Joris Hielscher und Reinhard Kowalewsky

Trotz der aktuellen Börsenturbulenzen bleibt China einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft. Die Wirtschaft des Riesenlandes sucht noch stärker die Kooperation mit NRW als bereits bisher wichtigstem Investitionsstandort in Deutschland – wovon speziell auch Düsseldorf profitieren könnte. Dabei entwickelt sich China zunehmend zu einem Hochtechnologie-Land.

Dies sind einige der wichtigsten Aussagen des ersten China-Kongresses der Rheinischen Post Mediengruppe, der am Freitag im Kongresszentrum des Hauses in Düsseldorf-Heerdt stattfand. Aus Berlin war der chinesische Botschafter Shi Mingde angereist. Top-Manager der zwei größten Telekommunikationsausrüster Chinas, Huawei und ZTE erläuterten ihre Wachstumstrategie mit ihren Europa- beziehungsweise Deutschlandzentralen in Düsseldorf.

Diskutierten über die politische Zukunft Chinas (von rechts): Publizist Shi Ming, Constantin Graf Droste zu Vischering von HSBC Trinkaus, Cord Eberspächer vom Konfuzius Institut, Markus Taube von der Universität Duisburg-Essen unter Moderation von Matthias Beermann, RP-Chefkorrespondent. FOTO: Endermann, Andreas (end)

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) beschrieb, wie Unternehmen aus dem Reich der Mitte die Nähe zum hiesigen Mittelstand suchen. "Den Dialog mit China wollen wir fördern", sagte Patrick Ludwig, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinischen Post Mediengruppe, "darum werden wir überlegen, wie wir solche Aktivitäten weiter ausbauen können."

In praktisch perfektem Deutsch erläuterte Botschafter Mingde im Gespräch mit Chefredakteur Michael Bröcker seine Sicht auf die Turbulenzen in seinem Land. Nach 35 Jahren extrem hoher Wachsumsraten heiße es: "Die Zeit des zweistelligen Wachstums ist vorbei". Alleine wegen zunehmender Umweltschäden wolle das Land nur noch sieben Prozent im Jahr wachsen – was aber relativ gesehen immer noch ein Viertel des weltweiten Wachsums sei und der Stärke der türkischen Volkswirtschaft entspreche. "Wir sind nicht in einer Krise."

Deutlich wies Mingde die Frage zurück, China wolle mit der Abwertung von rund fünf Prozent des Yuan einen Wettbewerbsvorteil erringen: "Wir führen keinen Währungskrieg." Tatsächlich habe die chinesische Währung seit 2005 um ein Drittel aufgewertet und korrigiere nur etwas nach unten. "Der Yuan wird stabil bleiben, aber jetzt sollen Angebot und Nachfrage stärker über seinen Wert entscheiden." Außerdem sei Hauptgrund der Börsenturbulenzen die Unsicherheit über die Zinspolitik der USA und nicht über die Lage von China.

Mingde verteidigte die weltweit beachtete imposante Militärparade in Peking am Donnerstag: Kein Land müsse Angst seinem Land haben, China habe nie ein anderes Land überfallen. Viele Länder Europas hätten das Ende des Krieges auch mit Paraden gefeiert. Und da China im Weltkrieg mit 35 Millionen Toten mehr Opfer hatte als jedes andere Land, wäre das Kriegsende für seine Nation sehr wichtig.

Die mehr als 15 Redner auf der Veranstaltung waren sich einig, dass China sich von einem Land der billigen Massenproduktion hin zu einer deutlich moderneren Volkswirtschaft entwickelt. "Dienstleistungen sind nun wichtiger als die Industrie, das Binnenwachstum ergänzt die Exportorientierung. Es gibt ein neues Wachstumsmodell." So fasste Markus Taube den Trend zusammen. Der Hochschulprofessor der Mercator School of Management ist einer der bekanntesten China-Experten Deutschlands.

Die Entwicklung hat für Deutschland und NRW zwei Seiten: Einerseits droht vielen Unternehmen härtere Konkurrenz, weil die Unternehmen aus Shanghai oder Shenzhen hochwertigere Produkte auf den Weltmarkt bringen. Botschafter Mingd und Torsten Küpper, Vize-Präsident von Huawei Deutschland, wiesen aber den Verdacht zurück, dass die chinesischen Unternehmen dabei einfach Ideen hiesiger Firmen klauen wollen: "Wir ahnden Verstöße gegen das Patentrecht mit zunehmender Härte", sagte Mingde. Gerichte würden immer häufiger gegen Produktpiraten vorgehen.

Küpper wies daraufhin, dass der Wandel Chinas zu einer innovativeren Wirtschaft dazu führe, dass auch dortige Unternehmen selbst auf einem höheren Schutz von geistigem Eigentum bestehen: "Huawei ist als führender Konzern für Ausrüstungen rund um Telekommunikation und Vernetzung einer der größten Patentanmelder der Welt." Also wollen wir unsere Ideen doch selber schützen."

China Kongress 2015

Andererseits eröffnet der Wandel Chinas neue Möglichkeiten für die NRW-Wirtschaft. Minister Duin wies daraufhin, dass viele Bergbaubetriebe aus China von hiesigen Partnern Anlagen kaufen. "So senken sie die Zahl der Arbeitsunfälle und sind umweltfreundlicher."

Diese Sicht teilte Haiyang Feng, chinesischer Generalkonsul in Düsseldorf: "Es gibt keinen Kapitalmangel bei vielen chinesischen Unternehmen. Und auch die Märkte sind da. Was uns fehlt, ist Hochtechnologie und Markenimage".

Konkret würden chinesische Firmen bei Umwelttechnik und Logistik die Nähe zu NRW suchen: "Die Region Duisburg-Düsseldorf ist für uns als Standort extrem interessant. Wir wollen die Güterzüge von Duisburg nach China mehr nutzen."

Fotos: Militärparade in China FOTO: dpa, bh uw

"Alles was die Deutschen tun, unterliegt einem klaren Plan"

Mindestens 25.000 Chinesen leben in NRW, mehr als 800 Firmen aus der Volksrepublik sind hier vertreten – mehr als in jedem anderen Bundesland. Dabei haben chinesische Unternehmen bereits eine Reihe hiesiger Firmen übernommen und auch Forschungsabteilungen aufgebaut wie bei der Baumaschinenfirma XCMG, die in Krefeld 50 Millionen Euro investiert. "Solche Aktivitäten sind für uns ein Segen", lobt Minister Duin.

Er berichtete auch, dass Betriebsräte und Gewerkschaft mit chinesischen Unternehmen als neuen Eigentümern gut klarkämen. Von einer "Willkommenskultur" gegenüber Investoren aus Asien sprach Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (ebenfalls SPD). Und Generalkonsul Feng sagte: "Wir schätzen Infrastruktur, Industriezweige, und Hochschulinstitute. Man darf nicht vergessen, dass in NRW eine offene Politik für die chinesischen Unternehmen herrscht."

Dabei scheinen sich NRW-Firmen und Partner aus China in zwei Punkten besonders zu ergänzen: Die Chinesen arbeiten gerne mit deutschen Experten zusammen, weil sie deren gewissenhafte Arbeitsweise schätzen. "Alles was die Deutschen tun, unterliegt einem klaren Plan", sagt Cao Hui, Vizechef in Deutschland des Netzwerk-und Smartphonebauers ZTE und fährt fort: "Die Deutschen sind gewissermaßen stur. Wir Chinesen haben eher gelernt, uns manchmal anpassen zu müssen."

Die Unternehmen aus China wollen außerdem bei der weiteren Digitalisierung stark mit der deutschen Wirtschaft zusammenarbeiten. Ziel wäre, dass Maschinenbauer oder Autoanbieter hierzulande und in China deutlich produktiver arbeiten – ein Wettbewerbsvorteil. "Wir können uns da viele weitere Partnerschaften vorstellen", sagte Huawei-Manager Küpper.

"Bei uns wollen wir mehr Markt und weniger Staat"

Die große Frage bei der langfristigen Zusammenarbeit mit China ist natürlich, ob und wann das Riesenland sich nach 35 Jahren wirtschaftlicher Öffnung langsam auch in Richtung Demokratie entwickelt.

Shi Ming, chinesischer Publizist, gibt dabei der neuen Mittelschicht in China eine wesentliche Rolle, die selbstbewusster als bisher Änderungen anmahnt. "Immer mehr Chinesen sagen der Regierung: Ja, wir lieben das Land. Aber wir bestimmen auch wie wir das Land lieben."

Botschafter Mingde lehnte nicht grundsätzlich ab, dass das Land sich politisch weiter öffnen müsse, aber dies habe Grenzen: Das bevölkerungsreichste Land der Welt müsse selber entscheiden, wie Freiheit und Demokratie weiterentwickelt werden. Das Land lehne aber ausländische Einmischung ebenso ab, wie es sich selbst damit zurückhalte, anderen Ländern Ratschläge zu geben: "Wir sind ein 5000 Jahre altes Land und haben Europa noch nie vorgeschlagen, dass es unserem Vorbild folgen sollte."

Leicht süffisant meinte er aber, dass Deutschland sich bei einem wichtigen Thema völig anders entwickelte als China: "Bei uns wollen wir mehr Markt und weniger Staat. In Deutschland heisst es dagegen mehr Staat und weniger Markt."

Quelle: RP
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