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Dokument aus dem Bürgeramt
Panne mit Blanko-Personalausweisen in Dortmund

Das ist der neue Flüchtlingsausweis
Dortmund. Es war ein Zufallsfund: Nach einem Autounfall im November entdeckten Polizisten im Handschuhfach eines 30-Jährigen aus Rumänien ein Blanko-Formular für einen vorläufigen deutschen Personalausweis.

Die Ermittlungen ergaben, dass das Dokument aus dem Bürgeramt Dortmund stammte, das den Rohling mit der entsprechenden Seriennummer im Jahr 2010 von der Bundesdruckerei erhalten hatte.

Bei Recherchen durch die Stadt Dortmund ist nun herausgekommen, dass möglicherweise weitere Blanko-Ausweise verschwunden sind. Eine "nicht unerhebliche Anzahl" der seitdem verwendeten Blanko-Ausweise könne "keinem geordneten Vorgang zugeordnet werden", sagte Rechtsdezernentin Diane Jägers nach Angaben des WDR am Dienstagabend dem "Bürgerdienste-Ausschuss" des Rates.

"Wir stehen noch am Anfang"

Derzeit versuchen die städtischen Rechnungsprüfer, rund 90.000 Verwaltungsvorgänge aus den vergangenen sechs Jahren nachzuvollziehen. Drei Schwachstellen sind laut einem Stadtsprecher bereits identifiziert worden: Die Dokumentation in der Datenbank war nicht lückenlos erfolgt; die Verwaltung mit Hilfe der Datenbank ergab keine ausreichende Bestandskontrolle; die Anzahl der Vordrucke am Arbeitsplatz war höher als der Tagesbedarf.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt. "Wir stehen noch am Anfang", sagte Staatsanwalt Elmar Pleus auf Anfrage. Fest stehe bislang nur, dass ein Vordruck an einem Ort gefunden worden sei, wo er keinesfalls hingehöre.

Es stellen sich nun zwei Fragen: Ist Handel mit den Dokumenten getrieben worden? Oder liegt eine Verwaltungspanne vor, die hoher Arbeitsbelastung in der Behörde geschuldet sein könnte? Der Chef des Bürgeramtes räumte Überlastung als möglichen Grund für die Panne ein. 8000 vorläufige Personalausweise gibt die Stadt Dortmund jährlich aus. Diese Papiere sind auszustellen, wenn die betroffene Person glaubhaft macht, sofort bei Antragstellung einen Personalausweis zu benötigen.

Experten halten Ausweisdokumente weitestgehend für fälschungssicher. Zumindest sei es für Laien, die im Besitz eines Blanko-Ausweises seien, kaum machbar, diesen originalgetreu zu fälschen. Immerhin gehören Stempel, Siegel und ein speziell gedrucktes Lichtbild dazu. Banden hingegen dürften andere Möglichkeiten haben, dessen sind sich die Behörden bewusst.

(leb)
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