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Ehepaar gönnte sich Kurzreise und hinterlässt zwei Kinder

Düsseldorf (rky/ur) Beim Chemie- und Markenkonzern Henkel hat der Verlust einer Mitarbeiterin die Belegschaft stark getroffen. Die schon seit mehr als sechs Jahren bei Henkel arbeitende Expertin war zu einem internen Treffen in die von Barcelona aus geführte Spanien-Niederlassung gereist und bei dem Absturz auf der Rückreise zur Zentrale. Vorstandschef Kasper Rorsted und Personalchefin Kathrin Menges ließen gestern an allen deutschen Standorten die Fahnen auf Halbmast setzen. Die Belegschaft erfuhr durch eine interne Mail von dem Tod der beliebten Kollegin. "Wir sind echt geschockt", sagte ein Mitarbeiter. Der Vorstand hat den Angehörigen jedwede Unterstützung angeboten.

Frank B. (45) war Mitinhaber eines bekannten Obstgeschäfts mit Mittagstisch im Stadtteil Düsseldorf Oberkassel. Er hatte mit seiner Freundin einige Ferientage in Barcelona verbracht, die sie ihm zum Geburtstag geschenkt hatte. Beide starben bei dem Absturz. Schon am Mittag nach dem Rückflug nach Düsseldorf hatte B. wieder im Geschäft stehen wollen. Dort reagierten die acht Mitarbeiter schockiert auf die Todesnachricht. Auf einem Tisch wurden gestern ein Foto der beiden Verstorbenen, dazu eine Kerze und Blumen aufgestellt. Bruder und Mitinhaber Nico B. will den Betrieb allein weiterführen.

Kleve (lukra) Unter den Opfern befinden sich auch der Vizepräsident und ein Bereichsleiter des Unternehmens Kao Chemicals Europe, wie die Firma mit Deutschland-Sitz in Emmerich gestern bestätigte. Sie waren vom Hauptsitz des Unternehmens in Barcelona auf dem Weg nach Kleve, wo sie an einem Geschäftsessen teilnehmen wollten. Gerüchte, dass ursprünglich noch mehr Mitarbeiter an Bord der Maschine sein sollten, dementierte Herbert Tripp, Präsident der Kao Chemicals GmbH. Die übrigen 17 Teilnehmer des Treffens seien bereits am Montag in Kleve eingetroffen. Aus Bestürzung sei der Termin nach Bekanntwerden des Unglücks abgesagt worden, alle Mitarbeiter sollen vorzeitig abgereist sein.

Leverkusen (rky) Im Umfeld von Bayer gilt als sicher, dass ein aus Coesfeld stammender Mitarbeiter unter den Toten ist. Das Unternehmen will sich dazu nicht äußern. Der Wirtschaftsingenieur und Finanzexperte galt als eines der vielen aufstrebenden Talente im Leverkusener Konzern. Er hatte in Karlsruhe und Barcelona studiert, sprach perfekt Spanisch und natürlich Englisch sowie gut Portugiesisch. Zu Bayer kam er 1988 und arbeitete in Barcelona in führender Funktion beim Ableger Euroservices mit rund 300 Mitarbeitern, die für Bayer Abrechnungs- und Computerarbeiten erledigt. Ein weiterer Mitarbeiter von Bayer verlor bei der Katastrophe seine Ehefrau, erklärt das Unternehmen.

Meerbusch (mrö) Drei der Opfer des Flugzeugabsturzes stammen aus Düsseldorfs Nachbarstadt Meerbusch. Ein Ehepaar hatte sich eine Städtereise nach Barcelona geschenkt, wollte nach einem verlängerten Wochenende zurück nach Hause fliegen. Das Paar hinterlässt zwei Jungen. Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) nahm gestern Morgen Kontakt zu den Großeltern auf, um ihr Beileid auszusprechen und Hilfe anzubieten. "Ich werde alles unternehmen, um der Familie in dieser schrecklichen Situation jede erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen", kündigte die Bürgermeisterin an. Ebenfalls aus Meerbusch stammt ein drittes Opfer des Unglücksfluges: Ein junger Mann, der in Meerbusch aufwuchs und seinen Wohnsitz nach Spanien verlegte, wollte seine Familie besuchen. Er hinterlässt eine Frau und ein anderthalbjähriges Kind.

Mönchengladbach (ls) Im neuen Mönchengladbacher Einkaufszentrum "Minto" wurde gestern Abend auch der Absturzopfer gedacht. Mindestens drei Menschen, die aus Spanien zur Eröffnung erwartet wurden, starben in der Maschine aus Barcelona. Es soll sich bei ihnen um zwei Mitarbeiter des Modelabels Desigual sowie um einen Angestellten des Modekonzerns Mango handeln.

Voerde (jöw) Eine 38-jährige Dinslakenerin und ihr 66-jähriger Vater aus Voerde waren an Bord des Fluges 4U 9525. Wie Bekannte der Familie berichten, war die Reise nach Spanien schon im vergangenen Jahr geplant. Die 38-Jährige und ihr Partner hatten sie den Eltern geschenkt. Dann aber starb die Mutter. Jetzt sollte die Reise offenbar aus Anlass des Geburtstags des Voerders nachgeholt werden. Die Tochter übernahm die Reisebegleitung. Vor dem Einstieg in die Unglücksmaschine soll sie einer Arbeitskollegin noch eine SMS geschickt haben. Danach gab es keinen Kontakt mehr.

Quelle: RP
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