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Köln
Ein Serieneinbrecher packt aus

Köln. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt ein verurteilter Einbrecher, wie leicht es für ihn ist, in Häuser einzusteigen. Reue zeigt er nicht. Das Leid seiner Opfer ist ihm egal. Wir wollen von ihm wissen, warum er so etwas tut. Von Vassili Golod, Patrick Phul und Christian Schwerdtfeger

Dario (Name geändert) ist ein gepflegter junger Mann. Er trägt ein modisches Hemd, eine faltenfreie Hose und feine Schuhe. Man sieht dem jungen Mann nicht an, dass er gerade erst aus dem Gefängnis gekommen ist, in dem er wegen Einbruchs eingesessen hat. Nun hat er Bewährung, ist also wieder auf freiem Fuß. Dennoch kann er nicht ausschließen, dass er wieder irgendwo einsteigen und damit anderen Menschen Leid zufügen wird. "Wenn ich jetzt bei irgendeiner Kleinigkeit erwischt werde, dann lande ich für acht Monate im Gefängnis. Deswegen ist das ein bisschen kritisch. Aber man vermisst das. Man vermisst dieses Feeling", sagt er.

Dario ist Serieneinbrecher gewesen. Unsere Redaktion hat mit ihm nach seiner Freilassung gesprochen, um zu erfahren, wieso er diese Taten begangen hat und wie er vorgegangen ist. Der Kontakt zu ihm ist durch einen Autor unserer Redaktion zustande gekommen, der ihn aus Jugendtagen kennt.

Dario, der mit seinen Eltern in den 1990er Jahren aus Jugoslawien nach Köln gekommen ist, weiß nicht, wie viele Einbrüche er vor seiner Festnahme begangen hat. Nur, dass es nicht wenige gewesen sind. Er erinnert sich aber gut an das erste Mal, an seinen ersten Bruch. "Ich war 14 und hatte nach dem ersten Mal meine 2000 Euro. Ich habe mich gefühlt, als würde die Welt mir gehören", betont er. Er habe das damals gemacht, weil er mit einem Mädchen verabredet gewesen sei, aber kein Geld gehabt habe, um sie zu beeindrucken. Seine Motive für die Taten haben sich zwar geändert, die Masche ist hingegen fast gleich geblieben. "Man macht überall Löcher rein. Man tut den Schraubenzieher runter. Man hebelt, hebelt, hebelt - und irgendwann ist die Tür auf", sagt er. Wenn man drin ist, müsse man auf jeden Fall Chaos in der Wohnung hinterlassen. "Man muss schnell sein und gut suchen. Als erstes natürlich im Schlafzimmer. Die Leute verstecken ihr Geld oder andere Wertsachen immer da."

An die Folgen für die Opfer seiner Taten denkt Dario dabei nicht. Die seien ihm auch völlig egal. Den Betroffenen und der Polizei sind sie es nicht. Jedes achte Einbruchsopfer fühle sich nach Angaben des Opferschutzvereins Weisser Ring nach einem Einbruch in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher und denke über einen Umzug nach. 15 bis 20 Prozent der Einbruchsopfer würden zudem langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen leiden. "Den Betroffenen machen die Verletzung der Privatsphäre, das verloren gegangene Sicherheitsgefühl und die damit verbundenen psychischen Probleme oft mehr zu schaffen als der materielle Schaden", sagte Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferschutzvereins Weisser Ring unserer Redaktion. Häufig würden sich die Betroffenen mit dem Gedanken quälen, sie hätten den Einbruch verhindern können. Manche geben sich gar eine Teilschuld.

Und nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Einbruchsopfer wie in NRW. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zu 2014 sprunghaft um rund 18 Prozent auf über 62.000 Fälle gestiegen - ein trauriger Höchstwert. Nur etwa jeder siebte erfolgreiche oder versuchte Wohnungseinbruch ist aufgeklärt worden. In diesem Jahr sind es auch schon wieder rund 40.000. Und die dunkle Jahreszeit, in der am meisten eingebrochen wird, beginnt gerade erst. Das Innenministerium hat deshalb gerade sein Pilotprojekt zur Prävention gegen Einbruch ausgeweitet. Demnach schicken alle 47 Polizeibehörden des Landes spezialisierte Teams in Wohngegenden, die besonders von Einbrüchen betroffen sind. Die Teams bestehen aus einem Bezirksdienstbeamten und einem Einbruchschutzberater der Kriminalpolizei. "Sie verfügen über die notwendige gute Ortskenntnis und das Expertenwissen", sagt Innenminister Ralf Jäger (SPD). Für einen Großteil der Taten machen die Sicherheitsbehörden Banden aus Südosteuropa verantwortlich.

Zu so einer Bande gehört Dario nicht. Er ist bis zu seiner Festnahme alleine oder meist zu zweit eingebrochen. "Einer muss immer auf dich aufpassen. Schmiere stehen. Es könnten ja Nachbarn da sein, die gucken. Aber die meisten Menschen schreien einfach: ,Hey, was machst du da?' Und man haut dann natürlich ab", berichtet er. Damit es erst gar nicht so weit kommt, rät Dario allen, immer die Rollläden herunterzumachen, wenn man das Haus oder die Wohnung verlässt - auch wenn es nur für kurze Zeit sei. Das sei ein guter Schutz. Die meisten Einbrecher mieden solche Häuser. Man sollte auch nicht, sagt er, auf pauschale Ratschläge für Verstecke von Experten hören. "Im Fernsehen sagen die den Leuten ja, wo sie die Sachen am besten verstecken sollen. Die Leute hören darauf. Und ich als Einbrecher freue mich darüber natürlich", sagt Dario.

Das Interview mit Dario lesen Sie auf www.rp-online.de/einbrecher

Quelle: RP
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