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Euskirchen
Eltern suchen nach Grund für Prügelattacke

Euskirchen. Das zwölfjährige Opfer eines Angriffs an einer Schule in Euskirchen liegt weiter im Koma. Der mutmaßliche Täter ist dem Jugendamt vorher nicht als gewaltbereit bekannt gewesen. Seine Eltern zeigen sich kooperativ und einsichtig. Von Christian Schwerdtfeger

Es ist der erste Schultag an der Gesamtschule in Euskirchen, nachdem das ganze Ausmaß der Prügelattacke gegen einen Zwölfjährigen am Wochenende bekanntgeworden ist. Schüler und Lehrer sind bestürzt; an einen normalen Schultag ist kaum zu denken. Um die Sorgen und Ängste der Schüler aufzufangen, sind zu Beginn des Unterrichts in allen Klassen Tutoren und Psychologen anwesend. "Wir sind zutiefst erschrocken und betroffen über den schlimmen Vorfall und hoffen, dass es unserem Schüler bald wieder besser geht", schreibt die Schulleitung auf ihrer Internetseite. "Seine Eltern haben unser vollstes Mitgefühl."

Das zwölf Jahre alte Opfer liegt nach wie vor mit schwersten Verletzungen im künstlichen Koma in einer Kölner Klinik. Auch vier Tage später steht nicht genau fest, wie es dazu gekommen ist. Die Ermittler wissen zwar, dass sich die Tat während der Schulzeit und auf dem Schulgelände ereignet hat. "Wir haben aber keine Hinweise darauf, dass das Geschehen von einem Lehrer beobachtet worden ist", sagt der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Robin Faßbender. Die Ermittler haben auf der Suche nach möglichen Zeugen alle Lehrer und mehrere Kinder befragt - bis gestern Abend soll aber niemand dabei gewesen sein, der etwas gesehen hat.

Die für die Schulaufsicht zuständige Bezirksregierung Köln hat einen Krisenbeauftragten in die Gesamtschule entsandt, um unter anderem zu klären, ob die Aufsichtspflicht verletzt worden ist. Dem scheint aber nicht so zu sein. "Derzeit gibt es keine Erkenntnisse, dass die Schulleitung dagegen verstoßen hat", betont eine Sprecherin.

Die Polizei hat mit dem mutmaßlichen Täter, einem Deutschen, gesprochen. Aber weil er strafunmündig ist, dürfen die Ermittler zum Inhalt seiner Aussage nichts herausgeben. Auch wenn sich der Verdacht erhärten sollte, müsste er sich wegen seines Alters (unter 14 Jahre) nicht strafrechtlich verantworten.

Der Kreis Euskirchen hat Meldungen zurückgewiesen, wonach der mutmaßliche Täter in einer betreuten Wohngruppe gelebt haben soll. "Er lebt ganz normal bei seiner Familie. Alles andere stimmt nicht", sagt Kreissprecher Wolfgang Andres. "Er war auch dem Jugendamt vorher nicht bekannt. Über ihn gab es keine negativen Meldungen. Er ist völlig unbescholten", so Andres weiter. Demnach seien Mitarbeiter des Jugendamtes in intensiven Gesprächen mit seiner Familie. Seine Eltern zeigten sich kooperativ und einsichtig. So versuche man gemeinsam herauszufinden, wieso der Zwölfjährige seinen Mitschüler verletzt hat. Ein mit den Ermittlungen vertrauter Beamter hat unserer Redaktion zudem bestätigt: "Es hat vor der Tat keine Aggressionsauffälligkeiten bei dem Jungen gegeben."

Vor der Attacke soll es zwischen Täter und Opfer, die ungefähr im gleichen Alter sein sollen, einen Streit bei einem Kartenspiel gegeben haben. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist die Tat aber später passiert. Das Opfer selbst hat sich bei einer Lehrerin wegen starken Unwohlseins gemeldet. Diese habe einen Notarzt gerufen, so die Staatsanwaltschaft. Dem Jungen seien seine schweren Verletzungen äußerlich nicht anzusehen gewesen. Die Polizei ist von Ärzten in Euskirchen eingeschaltet worden, nicht von Lehrern der Gesamtschule. "Dass die Schule nicht sofort die Polizei angerufen hat, ist strafrechtlich völlig irrelevant", so Faßbender.

Gestern Vormittag hat die Leitung der Gesamtschule Euskirchen die Polizei allerdings sofort gerufen, weil ein ebenfalls Zwölfjähriger vor dem Gebäude von einem anderen Jungen mit einem Messer bedroht worden ist. Der Täter soll aber von einer anderen Schule sein. "Der Fall hängt mit dem anderen aber nicht zusammen", so die Polizei.

Quelle: RP
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