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Essen
Essener Passanten ignorieren gestürzten Rollstuhlfahrer

Essen. Erneut sollen in Essen mehrere Passanten an einem gestürzten Mann vorbeigegangen sein, ohne ihm zu helfen. Betroffen war diesmal der querschnittgelähmte und im Rollstuhl sitzende 44-jährige Rechtsanwalt und Fußballspieler-Berater Ralf Bockstedte.

Bockstedte sagte, dass er am Dienstag in Essen um kurz vor 19 Uhr nach dem Aussteigen aus seinem Auto ausrutschte, als er sich an der Dachreling entlang hangelte. "Ich lag auf dem Rücken wie ein Käfer - in Anzug und Krawatte. Der Rollstuhl stand so halb daneben. Dieses Bild war optisch für jedermann eindeutig." Er habe gerufen und um Hilfe gebeten. Mindestens zehn Menschen seien jedoch vorbeigegangen. Leute mit einem Handy am Ohr hätten geguckt und seien dann weitergegangen, ohne etwas zu sagen.

Nach etwa zwei Minuten sei eine Frau aus einem Haus in der Nähe gekommen und habe ihm zusammen mit einem Mann geholfen. Verletzt habe er sich nicht. Eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung wolle er nicht erstatten, weil die Passanten nicht ausfindig zu machen seien.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Fall eines zusammengebrochenen 82-Jährigen in einer Essener Bankfiliale bundesweit für Entsetzen gesorgt. Er hatte 20 Minuten lang keine Hilfe bekommen, obwohl ihn mehrere Menschen gesehen hatten. Der Mann starb später im Krankenhaus. Gegen vier Personen wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

"Es ist schockierend, dass die Leute weggucken und sich nicht um ihre Mitmenschen kümmern", sagte Christoph Wickhorst von der Polizei Essen. "Es kann nicht sein, dass die Leute alle mit Scheuklappen durch die Welt gehen."

Bockstedte äußerte sich auch zwei Tage nach dem Vorfall immer noch entsetzt. "Es ist einfach erschreckend, was in der Gesellschaft offenkundig passiert. Ich habe eine siebenjährige Tochter, und wir bringen ihr bei: Wenn irgendetwas passiert, bitte sprich die Leute an. Und dann geschieht so etwas."

(dpa)
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