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Euskirchen
Zwölfjähriger prügelt Mitschüler halbtot

Euskirchen: Zwölfjähriger prügelt Mitschüler halbtot
FOTO: dpa, mb hjb
Euskirchen. Das junge Opfer einer Prügelattacke an einer Gesamtschule in Euskirchen wird noch intensivmedizinisch behandelt. Für die Tat soll laut Polizei ein Mitschüler verantwortlich sein. Bei dem Streit ging es wohl um ein Kartenspiel. Von Jörg Isringhaus

Nach der schrecklichen Prügelattacke an einer Euskirchener Gesamtschule scheint der Täter gefunden zu sein. Ein gleichaltriger Mitschüler soll für den Angriff am Donnerstag auf einen Zwölfjährigen verantwortlich sein, der durch die Schläge lebensgefährlich verletzt wurde. Das hätten intensive Befragungen von Kindern und Eltern ergeben, erklärte die Polizei am Wochenende. "Nach dem, was wir bis jetzt aus Schilderungen erfahren haben, gehen wir nur von einem agierenden Täter aus", sagte der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Robin Faßbender. Dabei handele es sich um einen anderen Jungen im strafunmündigen Alter - also unter 14 Jahre. Er habe das zwölfjährige Opfer wohl "massiv körperlich attackiert". Zunächst hatte es Spekulationen über mehrere Täter gegeben, denen auch nachgegangen wurde. An einen vergleichbaren Fall könne er sich nicht erinnern, sagte Faßbender. "Das habe ich in 27 Jahren noch nicht erlebt." Nach seinen Angaben befand sich das zwölfjährige Opfer am Wochenende noch in intensivmedizinischer Behandlung.

Entzündet hat sich der Streit zwischen den Kindern möglicherweise am unter Jugendlichen beliebten Kartenspiel "Yu-Gi-Oh". Das berichtete der Kölner "Express". Die beiden Jungen sollen das Kartenspiel zunächst mit mindestens einem weiteren Mitschüler an einem Tisch im Schulgebäude gespielt haben. Dabei sei es offenbar zu der Auseinandersetzung gekommen. Die Tat selbst soll danach an anderer Stelle auf dem Schulgelände passiert sein.

Schockierend ist vor allem die Brutalität der Tat. Allerdings deckt sich dies mit den Erkenntnissen der polizeilichen Kriminalstatistik. Demnach geht zwar die Gewaltkriminalität bei Jugendlichen seit 2011 kontinuierlich zurück, dafür sind die Gewaltbereitschaft gestiegen und die Hemmschwelle gesunken. So wird heute bei einer Prügelei selbst dann nicht aufgehört, wenn das Opfer bereits am Boden liegt.

Im Falle des Zwölfjährigen hatte eine Lehrerin der Gesamtschule Euskirchen am Donnerstagnachmittag den Notarzt gerufen, weil der Zwölfjährige über Schmerzen klagte und benommen war. Er kam in ein Krankenhaus in Euskirchen und wurde von dort per Hubschrauber in eine Klinik in Köln geflogen. Wie sich herausstellte, hatte er wohl bei einer Prügelattacke lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben von den Ärzten in Euskirchen eingeschaltet. Unklar ist noch, warum die Schule nicht die Polizei informierte. Eine Mordkommission übernahm.

Die Ermittler befragten mehrere Kinder im Beisein ihrer Eltern. Auch der mutmaßliche Täter sei angehört worden, sagte Faßbender. Verhört werden dürfen Kinder unter 14 Jahren nicht - das verbietet das deutsche Strafrecht. Selbst wenn sich der Verdacht weiter erhärten sollte, müsste der Schüler sich aufgrund seines Alters strafrechtlich nicht für die Tat verantworten. Es sei aber das Jugendamt eingeschaltet worden. Als Folge der Tat denkbar sind etwa disziplinarische Maßnahmen nach dem Jugendhilferecht bis hin zum Extremfall, dass Richter den Eltern, wenn sie denn nicht ausreichend auf die Kinder einwirken, das Sorgerecht entziehen können.

Zu weiteren Details des Falls wollten sich die Ermittler auch deshalb noch nicht äußern, weil sie auf weitere Zeugen hofften. Es gebe Grund zur Annahme, dass weitere Schüler das Geschehen beobachtet haben könnten.

Quelle: RP
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