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Bochum
Ex-Agent Mauss schweigt vor Gericht

Bochum. Deutschlands legendärer Ex-Agent ist wegen schwerer Steuerhinterziehung angeklagt.

Als Ex-Agent Werner Mauss den Sitzungssaal des Bochumer Landgerichts betritt, trägt er einen dunkelblauen Winterparka, die Kapuze hat er sich tief in die Augen gezogen. Später dreht der 76-Jährige den Fotografen und Kamerateams sogar komplett den Rücken zu. Mauss hatte den Gerichtssaal gestern Morgen unbemerkt durch den Gefangenentrakt betreten dürfen. Dabei sitzt er nicht einmal in Untersuchungshaft. Eine absolute Ausnahme. Erst als einer der Wachtmeister seinen Kollegen geheimnisvoll zuraunt: "Der Adler ist im Nest", dürfen auch die auf dem Flur wartenden Zuschauer und Journalisten den Saal betreten.

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um Nummernkonten, Firmen und dubiose Stiftungen. Mauss soll seit den späten 1980er Jahren unter verschiedenen Aliasnamen immer wieder Geld im Ausland angelegt haben. Laut Anklage ging es dabei um Beträge von bis zu 60 Millionen US-Dollar, von denen die deutschen Finanzbehörden angeblich nichts wussten. Die Steuerhinterziehung soll sich auf rund 15 Millionen Euro belaufen. Insgesamt soll der 76-Jährige zwischen 2002 und 2013 Gewinne aus Kapitalanlagen von mehr als 40 Millionen Euro verheimlicht haben.

Zum Prozessauftakt muss sich Ex-Agent Mauss schwere Vorwürfe anhören. Sein Handeln sei in einem "besonders anstößigen und überdurchschnittlichen Maße" von seinen wirtschaftlichen und insbesondere auch steuerlichen Vorteilen geprägt gewesen, heißt es in der Anklage. An einer anderen Stelle ist von einem "erheblichen Verschleierungsaufwand" die Rede.

Für den ehemaligen Geheimagenten ist der Prozess eine heikle Mission. Es geht um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Wenn es schlecht läuft, droht ihm sogar Gefängnis. Ein Urteil könnte kurz vor Weihnachten fallen. Die Verteidiger hatten vor Prozessbeginn gleich zweimal das Gespräch mit Richtern und Staatsanwälten gesucht.

Mauss zeichnet von sich ein ganz anderes Bild als die Staatsanwälte. Nach eigenen Angaben war er jahrzehntelang in geheimer Mission unterwegs - auch für die Bundesregierung. Seit 2000 berate er vornehmlich Menschenrechtsorganisationen, sagte Mauss im April. Wenn Mitarbeiter etwa von Hilfsorganisationen entführt werden, bemühe er sich "unter höchster Lebensgefahr" um deren Freilassung. Auf diese Weise habe er bereits 43 Menschen das Leben gerettet.

(dpa)
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