Geldverlust
Anleger in der Realzinsfalle
Geldverlust: Anleger in der Realzinsfalle
"In Deutschland liegen derzeit rund fünf Billionen Euro großenteils in Sparbücher, Fest- und Tagesgeldanlagen", bestätigt Steffen Selbach, Leiter Vermögensmanagement bei der DekaBank. Eine gigantische Menge, die allerdings keine Rendite abwirft. FOTO: istockphoto.com/kalozzolak
Die Bundesbürger horten rund fünf Billionen Euro auf Sparbüchern und Geldkonten – diese werfen aber kaum Zinsen ab. Mehr Rendite versprechen Aktien, aber diese meiden die meisten Anleger. Die Finanzbranche setzt daher auf sicherheitsorientierte Fondskonzepte, die dem Anleger aber auch gleichzeitig eine Chance auf attraktive Renditen bieten. Von José Macias

Die Zahlen offenbaren eine gewisse Ratlosigkeit vieler Anleger: In Zeiten historisch niedriger Zinsen bewegt sich kaum etwas in den Depots. Die große Scheu vor Risiken und ein gewisser Pessimismus tragen dazu bei, dass die Bundesbürger riesige Mengen Bargeld horten – und dadurch nach Abzug von Inflation und Steuern Jahr für Jahr Geld verlieren. Eine Umfrage von BlackRock und des Meinungsforschungsinstituts YouGov bestätigt diesen Trend. Danach setzen fast 70 Prozent der Anleger derzeit auf Cash – fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor.

"In Deutschland liegen derzeit rund fünf Billionen Euro großenteils in Sparbücher, Fest- und Tagesgeldanlagen", bestätigt Steffen Selbach, Leiter Vermögensmanagement bei der DekaBank. Eine gigantische Geldmenge, die den Anlegern allerdings keine Rendite abwirft – angesichts von Niedrigstzinsen von unter einem Prozent. Wenn überhaupt: Für deutsche Staatspapiere mit kurzen Laufzeiten gab es in diesem Jahr sogar teilweise negative Renditen, eine Folge der Unsicherheiten rund um die Eurokrise.

"Diese Realzinsfalle haben Anleger noch nicht verinnerlicht", bedauert Selbach. Dass die Rendite einer zweijährigen Bundesanleihe derzeit bei knapp Null Prozent liege, sei gerade für Privatanleger schwer zu akzeptieren. "Es ist zwar nicht so, dass Anleger heutzutage völlig schwankungsfreie Anlagen erwarten, aber ein gewisses Maß an Sicherheit bei der Geldanlage ist ihnen ebenso wichtig wie eine Planbarkeit", so der DekaBank-Experte.

Ein deutliches Renditeplus versprechen etwa Aktien, doch die meiden viele Privatanleger. Gerade mal 15,7 Prozent der Gesamtbevölkerung investiert direkt oder indirekt in Aktien, ergab eine Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts. Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland damit abgeschlagen.

Allerdings gibt es auch ermutigende Anzeichen, denn in diesem Jahr ist die Zahl der Aktienbesitzer nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder gestiegen. "Angesichts der weiterhin ungelösten Staatsschuldenkrise in Europa wird die Aktie als Sachwert geschätzt", so Institutschef Franz-Josef Leven.

Alles auf die Karte Aktien zu setzen ist allerdings vielen Anlegern wohl nicht ganz geheuer. Die Absatzzahlen der Fondsbranche sprechen hier eine deutliche Sprache. Aktienfonds leiden weiterhin unter Geldabflüssen, nur Mischfonds und Spezialfonds legen derzeit zu.

"Klassische Fondsprodukte, die einzelne Marktsegmente abbilden, hängen natürlich sehr stark an der Entwicklung des jeweiligen Marktsegments. Wer das aktiv nutzt und ein breit gestreutes Portfolio aufbaut, dieses dann regelmäßig prüft und bei Bedarf anpasst, der kann hier gute Ergebnisse erzielen. Von einer Vermögensverwaltung erwarten Privatanleger heute jedoch zusätzlich eine Planbarkeit bei der Geldanlage: Sie wollen ein festgelegtes zeitliches Ziel und auf gar keinen Fall das eingezahlte Kapital riskieren", erläutert Steffen Selbach die Gefühlslage. "Aktien profitieren zwar eindeutig von den Wachstumsperspektiven der Wirtschaft, doch das alleine reicht dem Anleger oft nicht als Grundlage aus, um seine finanzielle Zukunft sicher zu planen."

Eine Möglichkeit, die Sicherheitsbedenken der Anleger mit höheren Renditeversprechen zu verknüpfen, sind standardisierte vermögensverwaltende Produkte. Der Asset Manager der deutschen Sparkassen hat in den letzten Monaten gleich zwei Produkte auf den Markt gebracht, mit denen er offenbar den Nerv der Anleger trifft: die "Deka BasisAnlage" für den breiten Massenmarkt und das "Deka-Vermögenskonzept Aktiv" für ambitionierte Anleger.

"Hinter dem Vermögenskonzept steckt die Idee eines aktiven Vermögensmanagements, das einer klar definierten Strategie folgt", so Selbach. Bei dieser Art der Anlage können die Anleger zwischen vier verschiedenen Varianten wählen, die sich in der Höhe der Aktienquote unterscheiden. Die "Rendite"-Variante weist Aktienquoten zwischen null und 30 Prozent auf, die renditeträchtigste Variante "ChancePlus" setzt auf Aktienquoten von 80 bis 120 Prozent.

Zum Deka-Vermögenskonzept gehören aber nicht nur ein aktives Management, das je nach Marktlage die Aktienbestände in den jeweiligen Depotvarianten hoch oder runter fährt, sondern auch zusätzliche Sicherungsmechanismen, die den Verlust während der Anlagephase begrenzen, dafür sorgen, dass am Ende das eingezahlte Kapital erhalten bleibt oder die während der Laufzeit erreichten Höchststände absichern. "Diese Mechanismen sind losgelöst vom aktiven Vermögensmanagement", ergänzt der DekaBank-Experte.

Bei den Kunden kommen solche strukturierten Vermögensprodukte bestens an. Seit dem Start im Februar hat die DekaBank über 1,4 Milliarden Euro im "Deka-Vermögenskonzept Aktiv" angesammelt – und das, obwohl noch nicht alle Sparkassen bereits mit dem neuen Produkt unterwegs sind. Interessant ist auch, dass jeder vierte Anleger sich bei dieser Konstruktion für die beiden renditeträchtigeren Varianten entscheidet. "Im Schnitt sind Anleger mit 20 000 Euro im Deka-Vermögenskonzept Aktiv investiert", so Selbach. "Das ist aber nicht repräsentativ, denn wir raten den Kunden zu einer Einstiegssteuerung: Sie strecken ihre Investments über einen Zeitraum von zwölf Monaten."

Den breiten Massenmarkt bedient dagegen die "Deka BasisAnlage" mit drei einfachen Konzepten. Auch hier gibt es niedrige Aktienquoten (A20 mit bis zu 20 Prozent Anteil) und höhere mit bis zu 60 Prozent. Hier legen die Sparkassenkunden zwischen 4000 und 5000 Euro an und sparen zusätzlich monatlich zwischen 50 und 100 Euro an.

Seit dem Start im Mai hat dieses Produkt rund 450 Millionen Euro eingespielt. Für Steffen Selbach ist das ein Zeichen dafür, dass es "keine manische Abneigung gegenüber Aktien" in Deutschland gebe. "Produkte mit flexiblen Aktienquoten und einer planbaren Strategie erleichtern jedoch den Weg zum Aktienufer – und mindern die Angst vor großen Rückschlägen auf den Aktienmärkten."

Quelle: RP