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Rohstoffe
Anleihen gegen die Inflation
Kommt sie nun oder kommt sie nicht? Wenn die Erwartungen deutscher Privatanleger als Indiz gelten, kommt sie. Im November befragte TNS Infratest im Auftrag der Stuttgarter Börse Privatanleger hinsichtlich ihrer Erwartungen in Sachen Inflation. Der repräsentativen Studie zufolge erwartet die Mehrheit einen Anstieg der Teuerungsrate als Folge der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: 55,7 Prozent der Befragten erwarten, dass die Inflation in naher Zukunft deutlich steigt. Nur 1,3 Prozent der Befragten lehnten die Aussage rundweg ab. Weitere 15,5 Prozent gaben an, sie würden der Aussage zum Anstieg der Teuerungsrate "eher nicht" zustimmen. Von Nicole Wildberger

Der Umfrage zufolge sehen sich die Anleger der Inflation aber nicht hilfslos ausgeliefert. Die Mehrheit nannte mehrere Anlageformen, die ihrer Meinung nach Schutz gegen steigende Teuerungsraten bieten. An erster Stellen rangieren die Immobilien. 67,2 Prozent der Umfrageteilnehmer stufen diese Anlageklasse als inflationssicher ein. Fast ebenso viele Anleger, nämlich 60,2 Prozent sehen in Gold einen sinnvollen Schutz gegen Inflation. Wertpapiere wie Aktien folgen mit 11,3 Prozent auf Platz 3.

Neben diesem klassischen Inflationsschutz gibt es aber auch weitere Instrumente, um sich gegen eine steigende Inflation zu schützen. Eine mögliche Alternative ist ein Investment in inflationsindexierte Anleihen, auch Linker genannt. "Linker ist ursprünglich der Ausdruck für inflationsgeschützte US-Staatsanleihen – sie heißen deshalb Linker, weil die Rückzahlung dieser Anleihen an einen Konsumentenpreisindex gelinkt, also mit ihm verknüpft, ist. Heute werden diese Produkte von elf Industriestaaten weltweit begeben," erklärt Alexander Forschauer, Senior Client Portfolio Manager Fixed Income bei LGT Capital Management Ltd. in Liechtenstein. LGT ist einer der großen Player im Markt von inflationsindexierten Anleihen. Das Unternehmen verwaltete Mitte dieses Jahres mehr als 2,3 Milliarden Schweizer Franken in der Anlageklasse Inflationsgeschütze Anleihen. Nach Schätzungen der LGT lag die globale Marktkapitalisierung der Produkte weltweit bei über 2000 Milliarden US-Dollar.

Linker sind Finanzprodukte, die aus zwei Basiselementen bestehen: einem fixen Coupon, der wie der einer Staatsanleihe funktioniert, und einem Nennwert. Nennwert und Couponzahlungen werden periodisch gemäß der Entwicklung eines vorher bestimmten Inflationsindizes angepasst. Der für die einzelnen Papiere zugrunde liegende Inflationsindex ist in der Regel der Konsumentenpreisindex.

Linker eignen sich für alle Anleger, die bereits in Anleihen investiert sind – und über einen langen Anlagehorizont verfügen, denn die Laufzeiten betragen zwischen einem und 30 Jahren. "Inflationsindexierte Anleihen eignen sich, um ein Anleihenportfolio zu diversifizieren, da Investoren vor einem überraschenden Anstieg der Inflation geschützt sind", unterstreicht Alexander Froschauer. Die LGT hält derzeit einen Anteil von 20 Prozent dieser Produkte in einem Anleihenportfolio für ideal. Alexander Froschauer gibt aber auch zu bedenken: "Da es sich um Anleihen handelt, unterliegen sie genau so wie ihre einfachen Pendants dem Zinsänderungsrisiko. Sollte das allgemeine Zinsniveau steigen, werden auch inflationsgeschützte Anleihen darunter leiden – daher sind mittlere Laufzeiten, beispielsweise fünf Jahre gegenüber ultralangen Laufzeiten (30 Jahre) zu bevorzugen." Des weiteren sollten Anleger auch das Risiko des Emmitenten berücksichtigen und nur in erstklassige bewertete Schuldner investieren.

Die zukünftige Entwicklung schätzt der Experte hinsichtlich einfacher Staatsanleihen als schwierig ein, da es gerade bei erstklassigen Schuldnern ein sehr geringes Renditepotenzial gibt, mit anderen Worten, dass die Zinsen bei Papieren wie deutschen Staatsanleihen extrem niedrig sind. Daher setzen Unternehmen wie die LGT aktuell auf global gestreute, erstklassig bewertete inflationsgeschützte Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit und abgesicherter Währung. Für Privatanleger sind diese komplexen Produkte am sichersten über die entsprechenden Fonds darstellbar, die Unternehmen wie die LGT auflegen.

Quelle: RP