Derivate
Die Verhaltensmuster des Marktes nutzen
Derivate: Die Verhaltensmuster des Marktes nutzen
Es kann nicht schaden, sich über die angesammelten Gewinne zu freuen, gleichzeitig aber etwas auf die Bremse zu treten und das Depot um Wertpapiere zu ergänzen, mit denen sich bei stagnierenden und fallenden Kursen gutes Geld verdient lässt. FOTO: istockphoto.com
Heinrich Morgen und sein Team der im schweizerischen Wolfhalden ansässigen Vermögensverwaltung "morgen + partner AG" sind Realisten. "Menschen reagieren nach Mustern, und diese haben sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht wirklich grundlegend verändert", sagt der Gründer des Unternehmens. Von Jürgen Grosche

Morgen will damit keinen Kulturpessimismus verkünden, sondern beschreibt nur seinen Investmentansatz. Ihm liegen die in weiten Kreisen akzeptierten Theorien der Behavioral Finance zugrunde, Ansichten, die davon ausgehen, dass auch das Geschehen an den Finanzmärkten letztlich Motiven folgt, die aus Angst und Gier, Euphorie und Verzweiflung resultieren.

Und die somit aber auch kalkulierbar sind. Die technische Analyse, die auch Morgen anwendet, macht die menschlichen Verhaltensmuster sichtbar – in Börsencharts, technischen Indikatoren, Kauf- und Verkaufssignalen und Trends. "Der Markt hat immer Recht", lautet die Devise, und auch sie drückt nicht den Fatalismus des Anlegers aus, der verwirrt Crashs und Hypes wahrnimmt. Das Motto besagt nur: Die persönliche Meinung des Anlegers spielt keine Rolle. "Wichtig für die Entwicklung des Marktes ist die Vorgehensweise der Mehrheit der Marktteilnehmer", formuliert es Heinrich Morgen.

Der Markt folgt also Gesetzmäßigkeiten - ist er damit auch vorhersehbar? "Wir machen keine Prognosen", betont der Anlageexperte. Prognosen sind für ihn reine Spekulation. Aber die Anlagespezialisten spüren Trends auf. Diesen folgen sie, solange die Trends halten. Wenn sie sich ändern, ändert sich auch die Anlagestrategie. "Man braucht viel Disziplin, diesen Ansatz umzusetzen", räumt Morgen ein.

Er kombiniert diese Strategie mit einem Blick auf Länder und Branchen. Top-Down-Ansatz nennt man das, wenn man die Welt zunächst von oben betrachtet. Doch immer spiegelt sich die Entwicklung in technischen Werten, Charts und Signalen wider. Damit setzt sich Morgen von der Fundamentalanalyse der Value-Investoren ab. Sie versuchen, die Wertsteigerungschancen einer Aktie durch die Bewertung von Unternehmenszahlen, Bilanzen oder Marktinformationen zu erkennen.

"Aber Analysten ändern häufig ihre Meinung, vertreten trotz gleicher Faktenlage unterschiedliche Meinungen", winkt der Schweizer Anlageexperte ab. Er schaut lieber darauf, was der Markt macht.

Seit Oktober bündelt Morgen die Strategien in einem Aktienfonds, der weltweit investiert. "Wir haben die Fonds Morgen Deutschland und Morgen Europa fusioniert, um weltweit mit den breiteren Anlagemöglichkeiten zusätzliche Chancen wahrnehmen zu können", erklärt Heinrich Morgen. Die Fokussierung auf Deutschland und Europa enge zu sehr ein. "Zyklische Branchen meiden wir zurzeit", beschreibt der Vermögensverwalter die Strategie weiter.

Derzeit werden die Aktienmärkte häufig von Nachrichten aus der Politik und Sorgen um den Euro bewegt. Morgen beobachtet "Sägezahn-Märkte" mit einem häufigen Auf und Ab, aber keinem klaren Trend. Diese politischen Börsen machen es der technischen Analyse schwer, räumt der Experte ein. Doch darunter leiden auch andere Strategien. Dennoch empfiehlt er das Investment in Aktien: "Sie werden als Sachwerte in Zukunft an Bedeutung noch gewinnen."

Quelle: RP