| 00.00 Uhr
Kontinuität
Europa als Achillesferse?
Kontinuität: Europa als Achillesferse?
Didier Borowski von Amundi FOTO: Amundi
Beim französischen Vermögensverwalter Amundi, der zu den Großen Europas gehört, ist man eher skeptisch, was die ökonomische Entwicklung des Kontinents im kommenden Jahr angeht. Während die Wirtschaft global um 3,5 Prozent wachsen werde (+ 0,4 Prozent im Vergleich zu 2012), gehe es in Europa nicht aufwärts, sagt Didier Borowski, Head of Strategy and Economic Research bei Amundi. "Es gibt 2013 kein Wachstum in Europa." Von Patrick Peters

Ein Grund dafür seien insbesondere die großen Probleme Spaniens – Borowski erwartet für das Land eine noch stärkere Rezession als dort ohnehin schon herrscht. Die Wirtschaftskrise habe historische Ausmaße, sagt Didier Borowski. "Es ist die erste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, in der die Wirtschaft in drei aufeinanderfolgenden Jahren nicht das Niveau des Vorkrisenjahres erreicht hat." Allein in Deutschland sei die Situation in Ordnung, zumindest einigermaßen. Denn als einziges Euroland könne die Bundesrepublik das Bruttosozialprodukt laut Amundi-Zahlen im kommenden Jahr steigern. Aber auch hierzulande bestünden Risiken: Durch die schwachen Europartner schrumpften die Exporte.

Laut dem Vermögensverwalter Amundi, der weltweit rund 710 Milliarden Euro in Assets under Management hat, verändern sich durch die anhaltende Krise auch die Strategien bei der Geldanlage. Egal ob das Portfolio auf Beteiligungen oder Anleihen setzt oder ausgewogen viele Anlageklassen abdeckt, überall gilt Amundi zufolge: Investoren sollten global aktiv sein und sich nicht auf Europa konzentrieren. Denn die USA und Asien seien die aktuellen Wachstumsmärkte, in denen sich Renditen erwirtschaften ließen. Wichtig sei insbesondere bei Anleihen, sich aus den schwachen und illiquiden Staaten wie Irland, Griechenland und Portugal zurückzuziehen. "In der Eurozone ist es ohnehin besser, Unternehmensanleihen zu zeichnen als Staatsanleihen. Zumal die Zinsen bei Staatsanleihen überall zu niedrig sind und die Absicherung des Portfolios dadurch teuer wird", betont Didier Borowski.

Ein weiterer Tipp, der aus der Krise erwächst: abwarten, abwarten, abwarten, also weder exzessiv kaufen noch verkaufen. "Wait and see", abwarten und schauen, nennt Didier Borowski diesen Modus –Stand-by, möchte man sagen. Zu leichten Verschiebungen rät Borowski nur bei ausgewogenen Portfolios. In ihnen sollte der Fokus bei Beteiligungen und Aktien zwar weiterhin auf die USA gerichtet werden - aber bei aller Vorsicht vor den europäischen Märkten sei eine Reduzierung zugunsten des Kontinents sinnvoll. Übrigens: Ihrem angekratzten Ruf zum Trotz sollten Werte von Finanzunternehmen nicht aus dem Blickfeld geraten.

Quelle: RP