Derivate
Gewinne in Seitwärts- und Abwärtsmärkten
Derivate: Gewinne in Seitwärts- und Abwärtsmärkten
Es kann nicht schaden, sich über die angesammelten Gewinne zu freuen, gleichzeitig aber etwas auf die Bremse zu treten und das Depot um Wertpapiere zu ergänzen, mit denen sich bei stagnierenden und fallenden Kursen gutes Geld verdient lässt. FOTO: istockphoto.com/him
Reverse Capped Bonus-Zertifikate spielen ihre Stärken besonders in stagnierenden und fallenden Aktienmärkten aus. Zudem können sie grundsätzlich einen sinnvollen Beitrag zur Stabilisierung des Depots leisten. Von Martin Ahlers

2012 dürfte ein Jahr ganz nach dem Geschmack der meisten Aktienanleger gewesen sein. Um mehr als 25 Prozent hat sich der Deutsche Aktienindex in den vergangenen zwölf Monaten verteuert. Diese Entwicklung kam für viele Experten insofern doch recht überraschend, als die Schuldenkreise der südeuropäischen Länder noch lange nicht gelöst ist und sich die wirtschaftlichen Folgen inzwischen auch in der deutschen Konjunktur bemerkbar machen. Es kann somit nicht schaden, sich über die angesammelten Gewinne zu freuen, gleichzeitig aber etwas auf die Bremse zu treten und das Depot um Wertpapiere zu ergänzen, mit denen sich bei stagnierenden und fallenden Kursen gutes Geld verdient lässt.

"Ein interessanter und chancenreicher Derivatetyp, mit dem genau dies möglich ist, sind Reverse Capped Bonus-Zertifikate", sagt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus. Wie es der Name bereits erahnen lässt, funktionieren diese Papiere wie herkömmliche Capped Bonus-Zertifikate – nur eben genau umgekehrt. So liegt die Barriere bei ihnen zum Emissionszeitpunkt deutlich über dem Kurs des Basiswertes. Wird sie während der Laufzeit zu keinem Zeitpunkt berührt oder überschritten, bekommen Anleger bei Fälligkeit den Bonusbetrag ausgezahlt. Andernfalls geht die Chance auf die Bonuszahlung verloren und der Rückzahlungswert orientiert sich an der prozentualen Wertenwicklung des Underlyings mit umgekehrtem Vorzeichen.

Was sich zunächst kompliziert anhört, verdeutlicht Weyand an einem konkreten Beispiel: "Überschreitet der Deutsche Aktienindex bis Ende Juni kommenden Jahres zu keinem Zeitpunkt die Marke von 8600 Punkten – das wäre ein neues Allzeithoch und entspräche aus heutiger Sicht einem Anstieg von mehr als 15 Prozent (siehe auch Grafik) – erhalten Besitzer unseres Reverse Capped Bonus-Zertifikats mit der Wertpapierkennnummer TB74G9 am 28. Juni 2013 einen Betrag in Höhe von 67,26 Euro (Bonusbetrag) ausgezahlt." Beim aktuellen Briefkurs von 63,30 Euro entspräche dies einer jährlichen Rendite von immerhin 11,5 Prozent. "Wird die Barriere von 8600 Punkten während der Laufzeit dagegen berührt oder überschritten, erlischt das Recht auf die Bonuszahlung", so Weyand weiter. In diesem Fall orientiert sich der Rückzahlungsbetrag an der Differenz zwischen dem doppelten Startniveau (26 063 Punkte) und dem Dax-Stand bei Fälligkeit. Bei einem Indexwert von 8600 Zählern bekämen Anleger somit 35,26 Euro ausgezahlt [(12 126-8600)/100=33,26] und müssten aus heutiger Sicht einen Verlust von 44,3 Prozent verkraften.

Zum doch sehr theoretischen Fall des Totalverlustes kommt es, wenn der Dax bis zum 21. Juni auf das Doppelte des Startniveaus (hier also 12 126 Punkte) oder darüber hinaus ansteigen sollte. Aber auch damit könnten die Besitzer der Papiere insofern wohl noch gut leben, als sich die anderen Depotpositionen, die in aller Regel auf steigende Kurse ausgerichtet sind, dann entsprechend positiv entwickeln würden.

Wird bei ansonsten unveränderten Konditionen eine Barriere von 8.400 Punkten gewählt (WKN: TB74GA) ist sogar eine aufs Jahr umgerechnete Rendite von 19,7 Prozent drin. Der Sicherheitsabstand beträgt in diesem Fall allerdings auch nur noch 12,3 Prozent. Das Risiko einer Verletzung fällt somit nochmals etwas höher aus. Reverse Capped Bonus-Zertifikate eignen sich laut Weyand somit für Anleger, die eine negative Entwicklung oder zumindest seitwärts tendierende Märkte erwarten, moderate Kurssteigerungen aber nicht ausschließen wollen. "Da sich die Preise der Papiere in aller Regel konträr zu den meisten Aktienkursen entwickeln, können sie zudem einen wertvollen Beitrag zur Stabilisierung eines breit diversifizierten Wertpapierdepots leisten", führt Weyand weiter aus.

Quelle: RP