Rohstoffe
Glänzende Aussichten in Goldbraun
Rohstoffe: Glänzende Aussichten in Goldbraun
Kupfer ist ein Rohstoff, der in Minen wie dieser abgebaut wird. Für die Herstellung jedes Elektro- oder Hybridfahrzeugs wird Kupfer benötigt, und jede Wohnung, die neu gebaut wird, benötigt viele Kilogramm des goldbraun glänzenden Metalls. Entsprechend ist der Verbrauch seit 2002 auch um 3,1 Prozent pro Jahr angestiegen. FOTO: istockphoto.com/ Tomas Sereda
Zunehmende Nachfrage und schwindende Ressourcen sprechen langfristig für steigende Kupferpreise. An dieser Entwicklung können auch Privatanleger partizipieren. Von Martin Ahlers

Noch vor gut einem Jahrzehnt waren Rohstoffinvestments fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten. "Das hat sich inzwischen zum Glück deutlich gewandelt", sagt Kemal Bagci von der Royal Bank of Scotland. Schon unter Diversifizierungsaspekten sei schließlich eine gewisse Beimischung von Commodities, wie Rohstoffe im Fachjargon auch genannt werden, überaus sinnvoll. "Leider konzentrieren sich Privatanleger dabei allerdings immer noch fast ausschließlich auf Gold und mit deutlichem Abstand Silber und Öl", wie der Anlageexperte bedauert. Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel oder Zink spielten als Basiswerte dagegen nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Dabei seien diese Stoffe auch insofern interessant, als dem Angebot – anders als beim Gold – ein realer Verbrauch gegenübersteht. Und der nimmt beispielsweise beim Kupfer kontinuierlich zu, erläutert Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei der UniCredit Group: "Weltweit müssen immer mehr Kabel verlegt werden, um die meist in eher entlegenen Regionen liegenden Produktionsorte alternativer Energie ans Netz anzubinden. Für die Herstellung jedes Elektro- oder Hybridfahrzeugs wird Kupfer benötigt, und jede Wohnung, die neu gebaut wird, benötigt viele Kilogramm des goldbraun glänzenden Metalls. Entsprechend ist der Verbrauch seit 2002 auch um 3,1 Prozent pro Jahr angestiegen."

Auf der anderen Seite würden sich deutliche Angebotsprobleme abzeichnen. In vielen Minen gehe die Produktion zurück, der Kupfergehalt des abgebauten Materials nehme ab und der Mangel an Energie, Wasser und qualifizierten Arbeitskräften führe zu steigenden Förderkosten. Dabei sieht Hitzfeld auch nicht die Gefahr, dass Kupfer eines Tages in nennenswertem Umfang durch andere Stoffe subsituiert werden könnte. "So zeichnet sich das Metall durch seine Biegsamkeit und Korrosionsbeständigkeit sowie insbesondere natürlich durch seine hohe elektrische Leitfähigkeit aus. Die nächst bessere Leitfähigkeit hat Silber, ist aber als Ersatz zu teuer. Die nächst schlechtere Leitfähigkeit hat Aluminium. Hier ist der entsprechende Wert jedoch nur noch halb so hoch, so dass der Leitungsquerschnitt doppelt so hoch sein müsste, was für die meisten Anwendungsgebiete, zum Beispiel Elektromotoren nicht in Frage kommt."

Um als Privatanleger von einer langfristig positiven Preisentwicklung bei Kupfer zu profitieren, bieten sich laut Bagci unter anderem Partizipationszertifikate auf den an der London Metal Exchange (LME) gehandelten Kupferfuture an. "Bei diesen Produkten muss zwar regelmäßig in einen länger laufenden Future gerollt werden, wodurch sogenannte Rollverluste entstehen können, da die Forwardkurve im vorderen Bereich allerdings einen fast flachen Verlauf aufweist, fallen diese momentan sehr gering aus und sollten von Anlegern, die tatsächlich von steigenden Preisen überzeugt sind, zu verschmerzen sein." Angeboten werden entsprechende Papiere beispielsweise von der Deutschen Bank (WKN DB5KUP), der HypoVereinsbank (WKN HV3KUP) und der Royal Bank of Scotland (WKN ABN0GK).

Dabei beinhalten die hier genannten Partizipationszertifikate übrigens keine Währungsabsicherung. Das spart Gebühren von bis zu fünf Prozent. Da Kupfer stets in US-Dollar abgerechnet wird, müssen Anleger dafür neben dem Preisrisiko auch das Währungsrisiko tragen, was gleichzeitig natürlich auch eine Chance darstellt.

Auch wenn die Aussichten für langfristig steigende Kupferpreise überaus positiv erscheinen, stellt sich der kurzfristige Ausblick nicht ganz so klar dar. So gilt das Industriemetall als einer der Wirtschaftsindikatoren schlechthin – oder anders ausgedrückt: Die Eintrübung der Weltwirtschaft, wie sie derzeit zu beobachten ist, hat in aller Regel unmittelbare Auswirkungen auf die Kupfernachfrage. Entsprechend hat sich das Industriemetall seit Mitte September auch etwas verbilligt und einige Analysten haben ihre Schätzungen leicht zurückgenommen. Derzeit kostet eine Tonne an der London Metal Exchange 8050 US-Dollar. Insgesamt decken die auf Bloomberg aufgelisteten Schätzungen bezüglich des Kupferpreises zum Ende des ersten Halbjahres 2013 einen Bereich zwischen 7400 US-Dollar und 9038 US-Dollar ab.

Statt einseitig auf steigende Kurse zu setzen, bieten sich bei kürzerem Zeithorizont laut Markus Jakubowski von der Société Générale deshalb insbesondere solche Produkte an, die auch bei seitwärts tendierenden oder leicht fallenden Kupferpreise attraktive Renditen abwerfen.

Dies können beispielsweise Discount- oder Bonuszertifikate sein. So weisen Discounter mit einem Cap bei 7500 USD und Fälligkeit am 5. Juni 2013 (WKN: SG2SWY) derzeit zumindest eine aufs Jahr umgerechnete Maximalrendite von gut sieben Prozent auf. Wird ein Cap von 8000 USD gewählt (WKN: DZ2R03), sind es sogar knapp zehn Prozent. Noch attraktiver können die Seitwärtsrenditen bei Capped Bonuszertifikaten ausfallen. Bei einer Laufzeit bis Mitte Juni 2013 ist hier bei einer Barriere von 6500 USD (WKN: DZ3L7A) durchaus eine jährliche Rendite von 14 Prozent drin. Dabei weist das Papier, das aktuell für 92,09 Euro zu haben sind, allerdings ein Aufgeld von über 14 Prozent auf.

Sollte der Kupferpreis die Marke von 6500 USD bis zum 21. Juni 2013 also tatsächlich berühren oder unterschreiten, was aus heutiger Sicht einem Rückgang von 19,3 Prozent entspräche, fallen die Verluste bei den Bonuspapieren deutlich höher aus, als dies bei einem Direktinvestment der Fall wäre.

Quelle: RP