Finanzieller Aufprallschutz
Mit Airbag-Zertifikaten sicher ans Ziel
Bezüglich der Renditeerwartung können Airbag-Zertifikate zwar nicht mit Bonuspapieren mithalten, dafür bieten sie ihren Besitzern aber ein nochmals höheres Maß an Sicherheit. Von Martin Ahlers

Als standardmäßige Sicherheitsausstattung sind Airbags aus PKWs heute nicht mehr wegzudenken, rettet der moderne Aufprallschutz doch Jahr für Jahr unzähligen Autofahrern das Leben. Eher selten kommen sie dagegen in Finanzprodukten vor, wobei sie allerdings auch hier zu finden sind. Ähnlich wie beim Kraftfahrzeug sorgt diese Ausstattungskomponente dann für ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Aus diesem Grund ist der Kauf sogenannter Airbag-Zertifikate in aller Regel auch mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden als ein Direktinvestment in den jeweiligen Basiswert. Und selbst gegenüber den bekannteren Bonus-Zertifikaten weisen die Papiere, die von Emittenten auch als Fallschirm- oder S2Mart-Zertifikate bezeichnet werden, erhebliche Sicherheitsreserven auf.

"So verfügen Airbag-Zertifikate grundsätzlich über eine Kursschwelle, die bei Emission der Papiere deutlich unterhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes liegt und Anleger vor Verlusten schützen soll", wie Christian Neubauer von der WGZ Bank erklärt. Notiert das Underlying bei Fälligkeit oberhalb dieser Marke, erhalten Anleger am Laufzeitende mindestens den Ausgabepreis des Derivats (ohne Ausgabeaufschlag) zurückerstattet. Ein zwischenzeitliches Unterschreiten führt dabei übrigens nicht zum Verlust des Kapitalschutzes.

"Und genau hierin liegt ein ganz entscheidender Unterschied zu klassischen Bonus-Zertifikaten: Der Sicherheitspuffer der Airbag-Zertifikate kann nicht verfallen und wirkt auch dann, wenn die besagte Schwelle während der Laufzeit einmal erreicht oder unterschritten werden sollte", so Neubauer weiter. Wenn der Basiswert auch am Laufzeitende unterhalb der Schutzschwelle notiert, fallen die Verluste durch den Airbag-Mechanismus deutlich geringer aus als bei einem Direktinvestment in den jeweiligen Basiswert. "Der Airbag-Mechanismus federt Verluste ab und bewirkt, dass nur die Kursrückgänge, die über die Schwelle hinausgehen, bei der Rückzahlung angerechnet werden", sagt der Zertifikateexperte.

Was sich zunächst kompliziert anhört, lässt sich am besten an einem realen Beispiel verdeutlichen: Beim Airbag-Zertifikat der WGZ Bank auf den Euro Stoxx 50 mit einem Basispreis von 2.553,59 Punkten (WKN: WGZ843) liegt die Sicherheitsschwelle bei 40 Prozent (1.532,15 Punkte). Notiert das wichtigste europäische Aktienmarktbarometer bei Fälligkeit des Zertifikats am 12. Januar 2015 auf oder oberhalb der besagten 1.532,15 Indexpunkte, wird das Papier zu diesem Zeitpunkt selbst dann zu exakt 100 Euro zurückgezahlt, wenn die genannte Marke zweitweise unterschritten wurde. Bei einem aktuellen Kurs von 108,34 Euro riskiert der Anleger in diesem Fall somit lediglich 7,7 Prozent des eingesetzten Kapitals.

Sollte der Index allerdings bis auf null fallen, was natürlich eine rein theoretische Überlegung ist, entsteht auch beim Derivat ein Totalausfall. Dazwischen nimmt der Rückzahlungswert des Airbag-Zertifikats einen linearen Verlauf an. Weist der Euro Stoxx 50 bei Fälligkeit des Papiers beispielsweise nur noch 1278,30 Zähler auf, was exakt der Hälfte des Basispreises entspricht, beträgt der Rückzahlungswert des Derivats 83,33 Euro. Der Index notiert dann nämlich 16,67 Prozent unter der Schutzschwelle [(60-50):60=16,66%]. Fällt der Index um 70 Prozent, büßt das Derivat ausgehend vom Nominalwert die Hälfte seines Wertes ein (siehe auch Grafik).

Bei steigenden Börsenkursen machen Airbag-Produkte die Entwicklung des Basiswertes in der Regel eins zu eins mit. Manche Papiere vollziehen einen Anstieg des Underlyings sogar überproportional nach. So verfügt das als Beispiel aufgeführte Papier über eine Partizipationsrate von 140 Prozent. Notiert der Euro Stoxx 50 Anfang Januar 2015 etwa bei 2809 Punkten und damit zehn Prozent über dem Basispreis, erfolgt die Rückzahlung des Airbag-Zertifikats zu 114 Euro.

Zur Finanzierung des Sicherheitsmechanismus ist in die Zertifikate oft allerdings eine Gewinnbegrenzung (Cap) eingebaut. Beim Beispielprodukt liegt diese bei 3830,39 Punkten. Daran, dass der Euro Stoxx 50 in den kommenden gut zwei Jahren um mehr als 45 Prozent ansteigen wird, glauben aber wohl selbst die größten Optimisten nicht, so dass diese Grenze hier zu vernachlässigen ist. Bei attraktiven Renditechancen können Airbag-Zertifikate das Anlagerisiko somit erheblich mindern. Dass sie bei Derivatekäufern dennoch verhältnismäßig wenig Beachtung finden, führt Neubauer insbesondere auf die geringe Bekanntheit und die fehlenden Erträge in Seitwärtsmärkten oder bei leicht fallenden Kursen zurück. Entsprechend gering ist auch das Angebot. Neben der WGZ Bank ist in diesem Bereich insbesondere die HypoVereinsbank aktiv. Sie bietet auf den Euro Stoxx 50 etwa ein Papier mit einem Basispreis von 2601 Punkten und einer Restlaufzeit von exakt einem Jahr an (WKN: HV5AT0). Aktuell notiert das Derivat leicht über dem Nennbetrag. Die Sicherheitsschwelle liegt bei 1560 Punkten.

Andere Basiswerte als der Euro Stoxx 50 werden bei der Emission von Airbag-Zertifikaten praktisch überhaupt nicht berücksichtigt. Allerdings können Anleger derzeit ein entsprechendes Papier der WGZ Bank auf Daimler-Aktien zeichnen (WKN: WGZ7A5). Die Schutzschwelle liegt hier sogar nur bei 50 Prozent des Basispreises. Bei vierjähriger Laufzeit ist der Gewinn auf maximal 40 Prozent begrenzt.

Quelle: RP