Geschlossene Fonds
Wie Privatanleger von den Profis lernen können
Geschlossene Fonds: Wie Privatanleger von den Profis lernen können
Eines der Projekte, die die Deutsche Fonds Holding als Geschlossenen Fonds konzipiert hat: der Vodafone-Campus in Düsseldorf. FOTO: Archilooks/HPP/Zech-Group
Institutionelle Kunden steigern ihr Engagement bei Geschlossenen Fonds. Für Privatanleger könnte diese Entwicklung nachahmenswert sein. Von José Macias

Die Aussage war pauschal: "Geschlossene Fonds sind nichts für Kleinanleger", lautete eine Schlussfolgerung der Stiftung Warentest, die im Herbst Geschlossene Fonds untersucht hatte. "Das ist keine neue Erkenntnis, denn wir weisen schon seit Jahren darauf hin, dass sich Geschlossene Fonds nur für vermögende Anleger eignen", meint Michael Ruhl.

Der Vorstand der Deutsche Fonds Holding AG, einem der großen Emittenten von Geschlossenen Fonds, weiß genau, wovon er spricht. Er empfiehlt vermögenden Privatanlegern, rund 10 bis 20 Prozent des liquiden Vermögens in ausgesuchte Geschlossene Fonds zu investieren. "Um eine vernünftige Risikostreuung zu erreichen, sollten es schon fünf bis sechs unterschiedliche Fonds sein. Das bedeutet aber, bei rund 10 000 Euro Anlagesumme pro Fonds, dass rund 250 000 Euro als liquides Vermögen zur Verfügung stehen sollten."

Die Deutsche Fonds Holding zählt zu den renommierten Anbietern der Branche und hat sich in der Region etwa mit dem Bau des Vodafone Campus in Düsseldorf einen Namen gemacht. Über mangelnde Nachfrage nach seinen Fonds kann sich Michael Ruhl jedenfalls nicht beklagen. Doch es sind weniger die Privatanleger als die institutionellen Kunden, die dem Stuttgarter Emissionshaus derzeit gute Wachstumsraten bescheren. "Institutionelle und semi-institutionelle Kunden erhöhen aktuell stark ihre Sachwertquoten und investieren in Immobilienfonds", erläutert der Vorstand. Ein lohnendes Geschäft, denn Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen sind jedes Mal mit Investments ab zehn Millionen Euro dabei.

Noch stärker engagieren sich nach Erkenntnissen von Ruhl derzeit die semi-institutionellen Anbieter, dazu zählen kleinere Stiftungen, Versorgungswerke und Family Offices. Sie investieren in der Regel zwischen einer und zehn Millionen Euro pro Fonds. "Diese Gruppe hat ebenfalls in den letzten Jahren stark zugelegt. Die Institutionellen haben alle das gleiche Problem: Bislang waren sie sehr sicherheitsorientiert und fast ausschließlich auf Anleihen konzentriert. Seit die Zinsen so niedrig sind, suchen sie nach langfristigen, sicheren Alternativen mit höheren Renditen."

Vor allem Geschlossene Immobilienfonds sind in der Gunst dieser Anlegergruppen ganz oben. "Das Problem dieser Kunden wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen, wenn die höher verzinsten Anleihen in ihren Depots auslaufen. Daher bevorzugen sie jetzt Investments in Core-Immobilien, die Inflationsschutz und sichere Erträge gewährleisten", so Ruhl.

Dieser Ansturm auf Geschlossene Fonds kommt nicht von ungefähr, zumal eine Alternative – offene Immobilienfonds – kaum noch eine Rolle spielt. Bislang machen die Institutionellen am Gesamtgeschäft des Deutschen Fonds Holding knapp zehn Prozent aus. Doch schon ab Mitte nächsten Jahres könnten es deutlich mehr werden, wenn dann die Regulierung der Branche greift. "Durch die strengeren Gesetzesregeln werden wir für diese Kunden noch attraktiver." An passenden Objekten werde es nicht mangeln, ist der Vorstand überzeugt. Zwar ist es aktuell sehr schwer, Immobilien mit langlaufenden Mietverträgen in Bestlagen zu finden. "Doch schon jetzt weicht der Markt auf attraktive Lagen an B-Standorten aus." Michael Ruhl erwartet außerdem, dass sich die Verpackungen verändern werden. Schon jetzt seien Geschlossenen Fonds die einzigen Produkte, bei denen das Management erst das Asset, den Anlagegegenstand, erwirbt und dann erst die Finanzierung startet. Der Branchenkenner ist überzeugt davon, dass in Zukunft nicht mehr die emotionale Geschichte des einzelnen Fonds im Vordergrund steht, sondern Management und Konzepte die entscheidende Rolle spielen werden.

Dachfonds, die in gute Einzelfonds investieren, werden daher nach Ruhls Auffassung an Attraktivität zulegen. "Natürlich ist es für den Vertrieb schwer, Blind Pools quasi als nackte Hülle zu verkaufen, aber die Anleger erreichen dadurch die Diversifikation in ihrem Investment, die sich viele in der aktuellen Lage wünschen." Den eigenen Multi-Asset-Fonds will die Deutsche Fonds Holding daher noch weiter ausbauen. Gute Chancen rechnet sie sich außerdem mit Spezialfonds aus – und natürlich deutschen Immobilien. Denn diese mögen aktuell auch viele Privatanleger.

Quelle: RP