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Köln
Flucht von der Brauhaus-Toilette

Köln. Die Kölner Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem verurteilten Vergewaltiger. Der Mann war seinen Bewachern auf dem Klo entwischt. Von Christian Schwerdtfeger

Eigentlich kennt man so eine Panne nur aus schlechten Krimis im Fernsehen, bei der man sich dann als Zuschauer unweigerlich sagt, dass so etwas im wahren Leben ja nicht passieren könne. Die Flucht des verurteilten Vergewaltigers während eines Toilettengangs aus dem bekannten Kölner Brauhaus "Früh am Dom" hätte aus einem solchen Film stammen können. Der Fall ist aber bittere Realität.

Seit seiner Flucht am Mittwoch fehlt von dem als extrem gefährlich eingestuften Peter B. jede Spur. Dass sich der 58-jährige Sexualstraftäter während seines Freigangs der Aufsicht seiner beiden Bewacher durch einen vorgetäuschten Toilettengang so leicht entziehen konnte, bringt die für ihn zuständige Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen in Erklärungsnot. Die Leiterin Reina Blikslager erklärte, dass sie die Flucht bedauere und hoffe, dass er schnell wieder eingefangen werde. Davon gehen Experten aus. "Dem Flüchtigen dürfte es nach so vielen Jahren im Gefängnis schwer fallen, sich allein in Freiheit zurecht zu finden", sagte Peter Brock, NRW-Vorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten. Die Polizei vermutet das auch. "Wir hoffen nur, dass wir ihn rechtzeitig finden, bevor er wieder eine schlimme Straftat begeht", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei geht davon aus, dass er sich noch in Köln aufhält, weil er dort aufgewachsen ist.

Der in Sicherheitsverwahrung untergebrachte Straftäter war vorgestern mit zwei Justizvollzugsbeamten der Aachener JVA zur sogenannten Ausführung nach Köln gefahren. Diese steht ihm gesetzlich mindestens viermal im Jahr zu. "Solche Ausführungen sollen motivieren, an Behandlungsmaßnahmen teilzunehmen", erklärte Blikslager. Er wollte nach Köln, seiner Geburtsstadt, um dort Klamotten einzukaufen. Am Mittag kehrte die dreiköpfige Gruppe im Brauhaus ein. Der 58-Jährige, der auf dem Fahndungsfoto einen Schnauzbart und nach hinten gekämmtes Haar trägt, gab dort an, auf Toilette zu müssen. Ein Aufseher begleitete ihn. Doch statt sich vor die Toilettenkabine zu stellen, nutzte der Beamte die Situation, um sich selbst zu erleichtern. Dabei ließ er den Straftäter aus den Augen. Erst als er fertig war, bemerkte er, dass der Häftling verschwunden war - zu spät.

Kriminalexperten reagierten entsetzt. Der rechtspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Jens Kamieth, forderte Justizminister Thomas Kutschaty auf, den Fall lückenlos aufzuklären, und sagte: "Schon wieder gibt es eine große Panne im Sicherheitsapparat des Landes."

Nach Angaben des NRW-Justizministerium war der Mann vor 25 Jahren wegen Raubes, mehrfacher Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt worden. Seit 1999 saß er in Sicherungsverwahrung. Die Maßnahme wird für Personen angeordnet, die ihre Haftstrafe zwar verbüßt haben, aber noch als gefährlich eingeschätzt werden.

Quelle: RP
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