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Düsseldorf
Flüchtlingsunterkunft brennt komplett aus

Brand an der Messe Düsseldorf: Flüchtlingsunterkunft brennt komplett aus
Düsseldorf. Eine Halle der Düsseldorfer Messe stand vollständig in Flammen. Vermutlich legten Flüchtlinge den Brand. Die Rauchsäule war in der ganzen Stadt zu sehen. Von Arne Lieb

Mahmud weiß nicht, wie es weitergehen soll. Er zeigt auf den Himmel, wo sich ein Gewitter zusammenbraut. "Was soll ich bei Regen machen? Ich habe nur noch die Kleidung, die ich trage", sagt der 37-jährige Syrer und zeigt auf seine Shorts und das T-Shirt. "Alles andere ist da hinten verbrannt, auch alle Papiere." Mahmud deutet auf die Ruine, aus der immer noch Rauch aufsteigt.

So geht es den meisten der 130 Männer, die sich gestern Mittag in der Notunterkunft in einer Lagerhalle der Düsseldorfer Messe befunden hatten - und sich vor dem Feuer in Sicherheit bringen mussten. Manche haben sich noch eine Tasche gegriffen, viele sind sofort gerannt, als die Mitarbeiter des Roten Kreuzes (DRK) Alarm schlugen.

Es war höchste Zeit: Das Gebäude mit seiner Holzkonstruktion stand wenige Minuten nach Ausbruch des Brandes vollständig in Flammen, die Rauchsäule war Kilometer weit zu sehen. Auch das benachbarte Rheinbad musste geräumt werden. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Sie rief Anwohner auf, die Fenster zu schließen. Die Druckmesse Drupa lief hingegen ohne Störung weiter, sie befindet sich auf einem anderen Teil des Messegeländes.

Die Helfer des DRK und die Feuerwehr sind sich sicher, dass kein Mensch in den Flammen ums Leben gekommen ist. 28 Flüchtlinge erlitten aber eine Rauchvergiftung und wurden ambulant in einem Krankenhaus behandelt, außerdem wurden ein Feuerwehrmann und ein DRK-Mitarbeiter leicht verletzt. Insgesamt waren sogar 282 Flüchtlinge in der Unterkunft gemeldet, der Großteil war bei Ausbruch des Brandes gegen 12.30 Uhr aber nicht anwesend.

Während 70 Feuerwehrleute die Flammen löschen, warten Mahmud und die anderen Flüchtlinge auf dem benachbarten Messe-Parkplatz. Plötzlich greifen sich dort Zivilfahnder der Polizei zwei Männer aus der Menge, diese werden in Handschellen zu einem Auto gebracht. Einer von ihnen, etwa 17 Jahre alt, hatte kurz zuvor einen Video-Clip von dem Brand herumgezeigt, der im Innern der Halle entstanden war. Insgesamt sechs Flüchtlinge stehen im Verdacht der Brandstiftung, heißt es später von der Polizei - mehr Details wollen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nennen.

Die Festnahmen untermauern den Eindruck, den Feuerwehrleute und auch viele Flüchtlinge haben: Offenbar wurde der Brand gezielt im Innern des Gebäudes gelegt. Hinweise für einen Angriff von außen, etwa einen fremdenfeindlichen Anschlag, sehen Brandexperten bislang nicht, auch auf einen technischen Defekt deutet nach erstem Augenschein nichts hin.

Die möglichen Motive der Täter sind unklar. Es trifft aber eine Unterkunft, die als schwierig galt. Flüchtlinge und auch Stadtmitarbeiter bezeichnen die Stimmung als angespannt. Die Wohnbedingungen waren schlecht, die Stadt wollte die Unterkunft möglichst schnell aufgeben. Sie hatte sie vom Land NRW übernommen, da in der Landeshauptstadt ein massiver Mangel an Plätzen für Flüchtlinge herrscht. Alle Betten standen in einem Saal, nur Trennwände schafften etwas Privatsphäre. Die Stadt brachte dort keine Familien, sondern nur alleinreisende Männer unter.

Flüchtlinge berichten von häufigem Streit. Kürzlich hatte bereits eine Matratze gebrannt, es soll weitere kleine Feuer gegeben haben. Zudem rückte die Polizei mehrfach an, weil sich Flüchtlinge über schlechte Unterbringung und schlechtes Essen beschwerten. Vor dem gestrigen Feuer soll es Drohungen gegeben haben, dass etwas passieren würde, wenn sich das Essen nicht bessert. Unter den Bewohnern machten auch Gerüchte die Runde, dass einige Flüchtlinge vom Feuer nicht überrascht gewesen seien - und vorher gepackt hätten. Ob das stimmt, müssen nun Polizei und Staatsanwaltschaft klären.

Der Stadt gelang es, die Bewohner auf zwei andere Unterkünfte zu verteilen. Die Bezirksregierung Arnsberg sagte zudem zu, dass vorübergehend keine weiteren Flüchtlinge nach Düsseldorf kommen.

Quelle: RP
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