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1000 Kilometer NRW
Auf alten Bahntrassen durchs Bergische

1000 Kilometer NRW: Auf alten Bahntrassen durchs Bergische
Vor allem an Wochenenden ist auf der Nordbahntrasse im Wuppertaler Stadtgebiet viel los. Eine Tour über die ehemalige Strecke der Rheinischen Bahn ermöglicht immer wieder neue Einblicke in die Stadtlandschaft. FOTO: Stefan Güldenring
Wuppertal. Mit unserer neuen Serie "1000 Kilometer NRW" wollen wir Sie auf die Reise durchs Land schicken - zu Fuß, per Bahn, mit dem Schiff und auf dem Rad. Ausschließlich dem Radfahren widmet sich ab morgen eine Serie in den Lokalausgaben. Von Jörg Isringhaus

Fahrradfahren im Bergischen Land - das war für viele Freizeitsportler bis vor wenigen Jahren ein Widerspruch in sich, zumindest aber eine mühselige Angelegenheit. Die Zeiten sind vorbei. Vor allem dank bürgerschaftlichem Engagement wurden stillgelegte Bahntrassen in asphaltierte Wege für Spaziergänger, Skater und eben Radfahrer verwandelt. Der Clou: Die Strecken kommen ohne nennenswerte Steigungen aus, was im eher hügeligen Bergischen (der Name bezieht sich auf die Grafen von Berg) schon eine Besonderheit ist. Dazu haben sie etliche Attraktionen zu bieten, führen etwa an der Müngstener Brücke, Schloss Burg und der Lenneper Altstadt vorbei. "Wir sprechen daher in dem Zusammenhang von Genussradeln", sagt Anette Kolkau von der Tourismus-Agentur "Die Bergischen Drei". Und obwohl die Trassenabschnitte für ein breites, bewegungslustiges Publikum gedacht sind, fühlen sich laut Kolkau vor allem die Radfahrer angesprochen.

Was wohl auch daran liegt, dass sich auf dem Rad größere Strecken bewältigen lassen. Denn schon für sich genommen sind die bergischen Panorama-Radwege, die immer wieder über ehemalige Trassen führen, sportliche Herausforderungen. So misst der Panorama-Radweg Niederbergbahn von Haan-Gruiten nach Essen-Kettwig 35,5 Kilometer, der Bergische Panorama-Radweg von Hattingen nach Olpe 132 Kilometer, der Panorama-Radweg Balkantrasse von Leverkusen bis Wuppertal-Oberbarmen 51 Kilometer und der Ruhr-Sieg-Radweg von Meschede nach Kirchen 115 Kilometer. Zu Fuß kommt man da nicht weit.

FOTO: RP

Als erste Tour unserer neuen Serie "1000 Kilometer NRW" wollen wir besonders schöne Teilabschnitte der oben genannten Wege kombinieren. Der Vorteil: Es entsteht ein Rundweg, zu dem sich je nach Anreise unterschiedliche Startpunkte anbieten. Der Nachteil: Mit rund 82 Kilometern ist die Route eine durchaus anspruchsvolle Ganztagesveranstaltung. Glücklicherweise herrscht an Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke kein Mangel.

Zur Tour: Startpunkt ist der P+R-Parkplatz am Bahnhof Wuppertal-Vohwinkel. Über den Parkplatz verläuft die Nordbahntrasse, der man über die Straßen Am Stationsgarten, Vohwinkler Straße und Ludgerstraße bis zur Korkenziehertrasse folgt. Diese führt erst Richtung Haan und dann nach Solingen. Sie wurde kurvenreich angelegt, damit die Bahn früher die Steigung leichter bewältigen konnte - aus der Vogelperspektive erinnert sie an einen Korkenzieher, daher der Name. Auf der Fahrt nach Solingen bieten sich Abstecher in die hübsche Gräfrather Altstadt oder das Kunstmuseum an. Später geht es unter der Müngstener Brücke, der mit 107 Meter höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands, her und an Schloß Burg vorbei. "Auf diesen wenigen Kilometern erlebt man sozusagen ein Kondensat des Bergischen", sagt Kolkau.

Eröffnung der Balkantrasse in Wermelskirchen FOTO: Dörner, Hans

Bis Wermelskirchen müssen dann noch rund 100 Höhenmeter auf sechs Kilometern überwunden werden. An der Telegrafenstraße kreuzt der Panorama-Radweg Balkantrasse, dem man bis Remscheid-Lennep folgt. Auch dort lohnt ein Besuch der Altstadt. Ein Leverkusener Verein engagierte sich stark beim Umbau der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Opladen und Lennep, der sogenannten Balkantrasse. Die endet allerdings auf dem Bahnhofsvorplatz, von nun ab folgt man dem Radwegweiser Richtung Wuppertal-Elberfeld. Auf 16 Kilometern geht es 170 Meter bergab, fünf Kilometer führen malerisch an der Wupper entlang bis Wuppertal-Oberbarmen. Dort findet sich der Anschluss zur Nordbahntrasse.

Das letzte Teilstück führt dann über die ehemalige Strecke der Rheinischen Bahn bis Wuppertal-Vohwinkel, dem Ausgangspunkt. Auf der Route liegen sieben Tunnel, vier große Viadukte und kleinere Brücken. Dass die Trasse realisiert wurde, ist auch hier privater Initiative zu verdanken, gebündelt im Verein Wuppertalbewegung. Reizvoll an diesem Teilstück sind vor allem die ungewöhnlichen Stadt-Einsichten und -Ansichten.

Tipp: Samstags und Sonntags braucht man auf der Strecke, vor allem auf der Nordbahntrasse, etwas Geduld - so voll ist es. Wer kann, kommt an einem anderen Tag.

Quelle: RP
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