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1000 Kilometer NRW
Mit dem Fahrrad zum Cap Horn

1000 Kilometer NRW: Mit dem Fahrrad zum Cap Horn
Eine Attraktion auf der Tour ist Schloss Neersen mit seiner weitläufigen, für jedermann zugänglichen Parkanlage. Weiter geht es am Nierssee vorbei und über den schnurgeraden Niersdamm. FOTO: Wolfgang Kaiser
Meerbusch. Von Meerbusch nach Dülken und zurück führt der dritte Teil unserer Serie "1000 Kilometer NRW". Auf der rund 64 Kilometer langen Strecke am Niederrhein kommen sowohl Kultur- als auch Naturliebhaber auf ihre Kosten. Von Franz Hünnekens

Weder pompöse Villen noch dicke Autos sind so interessant wie das, was man als Radfahrer auf einer Tour zwischen Meerbusch und Dülken entdecken kann: jede Menge Natur, gemütliche Städtchen und Einkaufsmöglichkeiten auf dem platten Land. Das ist erholsam, familientauglich und nicht teuer.

Die Tour Start und Ziel ist der Meerbuscher Stadtteil Strümp. Genauer gesagt, der kleine Platz an der Kreuzung Buschstraße und Xantener Straße. Hier erinnert die Plastik "Pferdetränke" an den Schmitterhof, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Poststation. Zunächst geht es Richtung Osterath, dem zweitgrößten Stadtteil Meerbuschs. Und schon befindet man sich auf freiem Feld. Mit Rüben, Kartoffeln und Kohl, so weit das Auge reicht. Vorbei an Willich erreicht man den ersten Stopp, den Obsthof Mertens.

Auf der zehn Hektar großen Apfelplantage stehen 24.000 Bäume. 250 Tonnen Äpfel werden im Jahr geerntet. Erdbeeren, Birnen und Himbeeren gedeihen in der Saison prächtig. All diese Köstlichkeiten werden zu Gelees, Säften und Likören verarbeitet und im Hofladen angeboten. Also nicht vergessen: Rucksack oder Fahrradkörbchen sind auf dieser Tour ein Muss. Wir passieren den Rhein-Polo-Club und erreichen unser nächstes Ziel, Schloss Neersen. Übrigens waren es Horst Gurski und Gerhard Ernst, Schauspieler der Städtischen Bühnen Krefeld-Mönchengladbach, die im Sommer 1983 auf einer Radtour zufällig am Schloss Neersen vorbeikamen und spontan beschlossen: Hier bauen wir ein Freilichttheater.

FOTO: RP

Vorbei am Nierssee und über den schnurgeraden Niersdamm radeln wir weiter. Am zweiten Wochenende im August kann man dort wirklich Skurriles erleben. Dann nämlich startet auf dem kanalisierten Flüsschen eine Art Karneval auf dem Wasser, das Badewannenrennen. Teilnehmen kann jeder, der sich aus einer alten Wanne ein Schiffchen gebaut hat, dessen Abmessungen den "Internationalen Vereinbarungen für Badewannen auf öffentlichen Gewässern" entspricht.

Im nahen Landlädchen der Familie Gütges gibt es nicht nur leckere Backwaren, hausgemachte Marmeladen, herzhaften Käse und verschiedene Wurstsorten. Hohe Fichten und traumhafte Hügel - mitten in den Waldflächen der Süchtelner Höhen im Naturpark Schwalm-Nette versteckt sich die nächste Attraktion, der Kletterwald Niederrhein. Mit Netzbrücken, Bohlen und Seilen geht es Schritt für Schritt von Baum zu Baum. Spaß-, Fitness-, Abenteuer- und Risiko-Parcours sind die Herausforderungen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Höhepunkt ist der Base-Jump aus elf Metern Höhe.

Wer danach wieder heil in den Sattel kommt und eine Verschnaufpause braucht, darf sich freuen. Dülken, ein Ortsteil von Viersen, ist nicht mehr weit. Dort, wo ein Denkmal an Kaiser Wilhelm I. erinnert, liegt Cap Horn. So heißt das Sträßchen, das den kleinen Platz mit seiner spitz zulaufenden Form umgibt. Also, warum zum Kap Hoorn nach Südamerika fahren, das große Abenteuer lockt schon in Dülken.

Das "Narrenstädtchen mit Altstadtflair" - laut Eigenwerbung -, historischem Ortskern und verwinkelten Gassen weist eine ungewöhnlich hohe Dichte an Kneipen, Bars und Restaurants auf. Hier darf sich der Radler etwas gönnen - eine Pause und gerne auch ein Bier. Denn vom Gerstensaft verstehen die Dülkener einiges. Schließlich findet hier vom 1. bis 3. Juni die Bierbörse statt. 300 einheimische und exotische Biersorten warten an rund 30 Ausschankgeschäften auf durstige Kehlen.

Zu toppen ist dieses Ereignis wohl nur durch Dülkens Narren, die mit ihrer Mühle das eigentliche Wahrzeichen der Stadt liefern. Sie ist Sitz der "Dülkener Narrenakademie". Bereits 1554 wurde die närrische Hochschule gegründet mit dem Ziel, die scheinheilige Geistlichkeit und wichtigtuerische Gelehrte mit Spott und Hohn zu beglücken. Noch heute treffen sich in dieser Tradition die Senatoren im Großen Weisheitssaal der Mühle. Im Narrenmuseum der Mühle gibt es das Ernennungsschreiben an Goethe und ein Stückchen Mondgestein zu bewundern.

Nach so viel akademischem Tohuwabohu geht's ganz profan durch die Innenstadt von Viersen und weiter durch die vertraute Niederrheinlandschaft. Wie überall auf dieser Tour sind die Radwege gut und die Steigungen minimal. Nur der Wind auf freier Fläche kann dem Radfahrer zu schaffen machen.

Egal, das nächste Ziel ist schon in Reichweite. Im Spargelhof der Familie von Dahlen kann man sich das königliche Gemüse fürs Abendessen gleich schälen und in Folie verpacken lassen. Nur wenige Radminuten weiter gibt's in der Imkerei von Johann van den Bongard nicht nur den tollsten Honig fürs Frühstück. Aus Honig lassen sich auch Kosmetika, Wein, Kerzen und vieles mehr herstellen, wie die Auswahl im Imkerladen beweist.

Spätestens jetzt müssten der Rucksack voll und die Beine müde sein. Doch auch das ist kein Problem. Es gibt noch einen Einkehrtipp auf der letzten Etappe unserer Tour. "In Vino Veritas" heißt das Restaurant in idyllischer Lage mit toller Terrasse. In dem ehemaligen Gutshof geht es "crossover durch die Genüsse des Niederrheins", wie die Chefin Gabriela Böckermann verspricht, die auch Kochkurse und Küchenpartys anbietet.

Gestärkt durch Speckpfannkuchen, Kaffee und Kuchen oder ein frisch gezapftes Bier lässt sich auch der Endspurt zum Ziel in Strümp mit Leichtigkeit meistern.

Quelle: RP
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