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1000 Kilometer NRW
Wandern durch Moor und Heide

1000 Kilometer NRW: Wandern durch Moor und Heide
Wer keine Abzweigung verpassen will, muss nach den Plaketten mit der Markierung W2 an den Bäumen Ausschau halten. Der Wanderweg im Schwalm-Nette-Gebiet führt zunächst durch den Grenzwald. FOTO: Naturpark Schwalm-Nette
Nettetal. Im Grenzgebiet zwischen Nettetal und Venlo liegt das Galgenvenn. Der Weg wurde als zweitschönster in Deutschland ausgezeichnet. Ein Wanderbericht.  Von Leslie Brook

Heidelandschaften gibt es vor allem in Norddeutschland, Hochmoore in Schottland - und am Niederrhein ist es flach. Diese drei Klischees werden bei der Wanderung Galgenvenn auf den Kopf gestellt: In Nettetal, was ja bekanntermaßen niederrheinisches Kerngebiet ist, gibt es einen Wanderweg, der mitten durch eine hügelige Heide- und Moorlandschaft führt, die zum Beispiel mit dem Hohen Venn in der Eifel mithalten kann. In der Heidelandschaft des Grenzwaldes entstanden Heidemoore an Stellen, wo dicht unter der Bodenoberfläche das Niederschlagswasser durch eine undurchlässige Bodenschicht gestaut wird. Über Holzstege und andere Wege, geht es mal durch Wald, dann über Ebenen, durch Kuhlen und über Sandberge.

Dieser Weg ist einer von neun Rundkursen der sogenannten Wasser-Wander-Welt im Naturpark Schwalm-Nette. Was sie verbindet: Jede Tour führt mal auf deutscher, mal auf niederländischer Seite entlang und offenbart schöne Ausblicke auf die Grenzregion. Der 11,2 Kilometer lange Rundweg Galgenvenn liegt zwischen Nettetal und Venlo. Vom Deutschen Wanderinstitut wurde er als Premiumwanderweg ausgezeichnet und sogar für den Wettbewerb "Schönster Wanderweg Deutschlands" nominiert. Das "Wandermagazin" zeichnete ihn kürzlich in der Kategorie Tagestouren als zweitbesten deutschen Wanderweg aus - Sieger wurde der Wasserfallsteig in Baden-Württemberg. Die Jury urteilte über das Galgenvenn: "Die Tour entführt in idyllische Heidemoore mit blitzenden Seen, wogenden Gräsern und kleinen Sanddünen. Er führt auf den alten Spuren der Maas durch einen schluchtähnlichen Altarm, wechselt unbemerkt auf die niederländische Seite und erfreut den Wanderer mit einer ganz außergewöhnlichen Naturkulisse."

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Doch was taugt der Weg in der Praxis? Wir machten den Test. Ein Premiumwanderweg sollte besonders gut ausgeschildert sein. Das trifft für das Galgenvenn nur bedingt beziehungsweise auf den zweiten Blick zu. Wer am Gasthaus Galgenvenn in Nettetal-Kaldenkirchen startet, trifft zunächst auf zwei große Wegweiser. Der eine zeigt nach Sonsbeck (südliche Richtung), der andere zur Maalbeekerhöhe (nördliche Richtung), zusätzlich wird auf der Übersichtskarte am Startpunkt ein A2 angezeigt. Wir wollen zunächst durch den verwunschenen Grenzwald wandern, starten also in südliche Richtung. Wir wiegen uns in Sicherheit, dass es bei der Beschilderung in dieser Deutlichkeit weitergeht - doch das stimmt nicht. Die erste Abzweigung nach rechts - ein ganz schmaler Pfad - übersehen wir und laufen geradeaus weiter. Erst als dieser Weg (A2) auf einen Reiterpfad stößt, bemerken wir unseren Irrtum. Eine Reiterin sagt, wir seien nicht die ersten, die sich an diesem Tag verirren. "Das scheint nicht so eindeutig ausgeschildert zu sein", sagt sie. Sie lotse häufiger Wanderer zurück auf den richtigen Weg. Auch im Internet, in Wanderforen, finden sich Stimmen, die sich eine bessere Beschilderung wünschen würden.

Also gehen wir die rund zwei Kilometer zurück, dieses Mal erwischen wir die richtige Abzweigung und wissen nun, worauf wir achten müssen. Das A 2 war irreführend, unser Zeichen in ein weißes W2 auf blauem Grund. Die kleinen Plaketten sind hauptsächlich an Bäumen angebracht. Nun können wir kaum noch verstehen, warum wir uns anfangs so schwer getan haben. Nur noch ein oder zwei Mal während der ganzen Tour müssen wir kurz innehalten, um das W2 zu entdecken. Ansonsten geht es jetzt ohne Probleme voran.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich: Nach dem Grenzwald folgen die Heidemoore Sonsbeck- Venn und Langen-Venn, weiter geht es durch einen hochstämmigen Wald zu einer malerischen Kiesgrube, dazwischen tun sich Seen auf. Auf schmalen Pfaden geht es dann an den Maas-Abhang zum Naturschutzgebiet "Schlucht". Von der Aussichtsplattform über dem Maastal schweift der Blick in die Niederlande. In der Nähe finden sich auch Picknickplätze. Weiter geht es in das niederländische Naturschutzgebiet "Holtmühle" und die offene Heidelandschaft "Hühnerkamp". Einer der schönsten Aussichtspunkte mit Blick über das Moor findet sich kurz vor Ende der Tour. Dort fühlt es sich wirklich an, als ob man die Heimat weit hinter sich gelassen hat und gerade im Norden Urlaub macht.

Leider ist der Weg nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Mountainbikern sehr beliebt, denen es öfters auszuweichen gilt, wenn sie über die Sandberge pesen.

Durch eine Eichenallee und an Mammutbäumen und Flachskuhlen vorbei erreichen wir den Parkplatz am Ausgangspunkt. Dort kann man im Gasthaus einkehren. Das Café an der Maalbeekerhöhe auf halber Strecke auf der niederländischen Seite hatte geschlossen, obwohl es Samstagnachmittag ist. Deshalb lieber etwas zum Picknicken für unterwegs einpacken, sonst ist der Hunger am Ende groß.

Quelle: RP
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