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Spielemesse in Essen
Brettspiele müssen nicht flach sein

Spiel 2014: Eindrücke von der Spielmesse in Essen
Spiel 2014: Eindrücke von der Spielmesse in Essen FOTO: dpa, rwe kde
Essen. Rund 160.000 Besucher erwarten die Veranstalter der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele in den kommenden Tagen. Auf der "Spiel 2015" gibt es Klassiker in neuem Gewand, Neuheiten bekannter Spieleautoren und viele 3D-Spiele. Von Oliver Burwig

Gäbe es einen Olymp der deutschen Brettspiele, wäre Klaus Teuber der Zeus. Der Erfolgsautor erfand vor 20 Jahren "Die Siedler von Catan", das mit 22 Millionen verkauften Ausgaben zu den beliebtesten Spielen weltweit zählt. Gemeinsam mit seinem Sohn Benjamin stellte Teuber zur Eröffnung der größten Spielemesse "Tumult Royal" vor - das schnelle Strategiespiel, bei dem Adelige ihre Untertanen um Waren erleichtern, soll nicht die letzte Kooperation der beiden sein. Zur "Catan"-Jubiläumsfeier gibt es auf der "Spiel 2015" am Samstag zudem etwas Besonderes für Fans, die schon alles haben: einen Weltrekordversuch, bei dem 1000 Spieler gleichzeitig an einer Insel bauen. Die Teilnehmer bekommen zur Belohnung exklusive Spielfiguren und Aktionskarten - und sie dürfen mit dem Erfinder gemeinsam spielen.

Bilder von der "Spiel 13" in Essen: Die Bretter der Welt FOTO: Daniel Hecht

Eine Welt jenseits von Digitalisierung und flimmernden Bildschirmen bietet die Messe "Spiel" in Essen. Bis Sonntag präsentieren dort 900 Aussteller aus 40 Nationen mehr als 1000 neue Gesellschaftsspiele. Zu den Höhepunkten gehören neben Autoren- und anspruchsvollen Strategiespielen auch Brettspiele, die nicht mehr flach sind, sondern auch das räumliche Denken fördern. Der Trend der vergangenen Jahre, Apps in die Spiele mit einzubinden, ist dagegen kaum noch spürbar.

Mit mehr als 50 veröffentlichten Spielen gehört neben Teuber auch Friedemann Friese zu den wichtigen Figuren der Brettspielszene. Seine neue Erfindung "504" soll ebenso viele Spiele in sich vereinen, will aber keine Spielesammlung sein: Es gibt nur eine Anleitung, das Spiel setzt sich aus verschiedenen Modulen zusammen, die je nach Kombination ein Aufbau-, Kriegs- oder Logistikspiel ergeben.

Diese Spiele eignen sich für die Autoreise FOTO: dpa, kj

Traditionell wird bei der Essener Messe auch der "Deutsche Spiele Preis" verliehen. In der Kategorie "Bestes Gesellschaftsspiel für Familien und Erwachsene" geht die Auszeichnung an "Auf den Spuren von Marco Polo". Das Spielfeld bildet Handels- und Reiserouten des Mittelalters in Europa und Asien ab, auf denen bis zu vier Spieler versuchen, Aufträge zu erfüllen und wertvolle Waren zu bekommen. "Das ist ein typisches German Game", sagt Veranstalterin Dominique Metzler vom Merz-Verlag. "Es geht um die richtige Strategie, weniger um Glück." Die Charaktere sind dabei historisch belegte Figuren, über die man im Spiel allerdings wenig erfährt.

Als bestes Kinderspiel bekam auch "Spinderella" eine Auszeichnung für ein besonders innovatives, mehrdimensionales Spielprinzip: Auf der unteren Ebene ziehen Ameisen, auf der oberen Spinnen, die es auf sie abgesehen haben. Für Kinder ab sechs Jahren ist das im Februar erschienene Brettspiel eine Herausforderung, die räumliches Denken erfordert. Niedliches Detail: Die Spinne frisst die Ameisen laut Anleitung nicht, sondern "will nur spielen" und sie zurück an den Startpunkt bringen.

Die besten Spiele für den Herbst FOTO: screenshot

Ganz ohne Konflikte kommt Wilma Mulders Spiele-Debüt "360 Stories" aus. Statt einen Konkurrenzkampf auszutragen, müssen die Spieler sich gegenseitig Geschichten erzählen. "Das ist toll, um Unterhaltungen zu beginnen", findet die Niederländerin. Ebenfalls ein Neuling unter den Spieleerfindern ist Mauricio Gómez Alonso. Der 25-jährige Mathematikstudent hatte schon als Kind viele Ideen, wie sich seine Lieblingsspiele noch verbessern lassen. Sein Science-Fiction-Spiel "Faith" vereinigt die Komplexität von Rollenspielen wie "Dungeons & Dragons" mit einem einfachen Regelwerk, das den Spielern viele Freiheiten lässt. Das Spiel finanzierten er und sein Team per Crowdfunding: 40.000 Euro wollte er über den Online-Dienst "Kickstarter" für sein Projekt sammeln, mehr als 60.000 Euro schossen ihm interessierte Kleininvestoren vor. Vor der Konkurrenz durch Videospiele hat Alonso keine Angst: "Computerspiele geben die Story meistens vor. Bei unserem Rollenspiel können die Spieler ihre eigenen Geschichten erzählen."

Quelle: RP
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