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Düsseldorf
Gericht entlässt Verteidiger des Reker-Attentäters

Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf
Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf FOTO: dpa, obe fdt
Düsseldorf. Im Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht gegen Frank S., der im Oktober 2015 das Messerattentat gegen die Kölner Politikerin Henriette Reker verübt hatte, gab es gestern eine überraschende Wende: Richterin Barbara Havliza entließ auf Antrag von S. einen der beiden Pflichtverteidiger, nachdem sie dies noch am Freitag in der Hauptverhandlung abgelehnt hatte.

Frank S. hatte schon mehrfach versucht, seinem Anwalt Christof Miseré das Mandat zu entziehen. Als Grund gab er an, er habe kein Vertrauen mehr zu seinem Verteidiger. Dieser habe hinter seinem Rücken mit der Presse gesprochen und anscheinend ein Alkoholproblem. Dem Gericht liegen offenbar E-Mails des Anwalts vor, die dieser an eine Bekannte des Angeklagten geschickt hatte. Die Frau hatte sich an das Gericht gewandt und behauptet, von dem Kölner Rechtsanwalt schriftlich belästigt worden zu sein.

Auch Miseré hatte beantragt, von seinen Aufgaben als Pflichtverteidiger entbunden zu werden. Das gab nun wohl den Ausschlag. Der Anwalt war gestern im Gerichtssaal nicht anwesend. Auswirkungen auf das Verfahren wird der Vorgang aber nicht haben, wie ein Gerichtssprecher unserer Redaktion mitteilte. Der Prozess werde mit dem zweiten Anwalt des Angeklagten, Jasper Marten, fortgesetzt, der Frank S. ebenfalls seit Beginn des Verfahrens vertritt. Allerdings will S., dass auch Marten das Mandat entzogen wird, weil er zu ihm ebenfalls kein Vertrauen mehr habe. "Ich habe keine neutrale, vernünftige Verteidigung", klagte der Messer-Attentäter am Freitag vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin wies sein Begehren nach Rücksprache mit den Vertretern der Generalbundesanwaltschaft als nicht stichhaltig zurück.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wird morgen in Tutzing mit dem Hildegard-Hamm-Brücher-Förderpreis ausgezeichnet. Der Förderverein "Demokratisches Handeln e.V." vergibt den Preis in diesem Jahr für den vorbildlichen Umgang mit Fragen der Migration.

(heif/hüw)
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