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Düsseldorf
Germanwings: Neues Gesetz zur Opferentschädigung?

Düsseldorf. Ein Jahr nach der Germanwings-Katastrophe bereitet die Bundesregierung ein Gesetz für eine umfassendere Entschädigung von Unfallopfern vor. Einem "Spiegel"-Bericht zufolge sollen künftig auch Hinterbliebene Anspruch auf Schmerzensgeld haben. Nahe Angehörige wie Eltern, Kinder und Ehepartner könnten demnach "immateriellen Schadensersatz" verlangen, ähnlich wie in den USA. Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums sagte am Samstag: "Wir bereiten den Referentenentwurf zum Angehörigen-Schmerzensgeld vor, er ist aber noch nicht fertig."

Die Pläne von Justizminister Heiko Maas (SPD) sehen dem Bericht zufolge vor, dass nur Hinterbliebene entschädigt werden, nicht aber Angehörige von Verletzten. Die Entschädigungssummen dürften hierzulande geringer ausfallen als in den USA, schreibt der "Spiegel". Die Beträge seien in der schwarz-roten Koalition noch umstritten. Nach einem Vorschlag der SPD sollte die Kompensation für seelisches Leid zwischen 20.000 und 60.000 Euro betragen. Der CDU-Rechtsexperte Hendrik Hoppenstedt ist gegen eine konkrete Festschreibung: "Die Gerichte werden nach Inkrafttreten des Gesetzes sicher schnell zu einer Rechtspraxis kommen."

Am 24. März 2015 brachte der Germanwings-Copilot Andreas Lubitz einen Airbus A320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz, als er allein im Cockpit war. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Am Mittwoch wollen die Anwälte Elmar Giemulla und Christof Wellens beim United States District Court in Arizona Klage einreichen. Sie werfen der Konzernmutter Lufthansa Mitverschulden an der Katastrophe vor. "Nach dem, was wir wissen, hat die Flugschule von der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde einen Hinweis darauf bekommen, dass der spätere Kopilot ein Problemfall ist", sagte Giemulla dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Der Selbstmordpilot, der die Germanwings-Maschine in den Tod gesteuert hatte, hatte seine Ausbildung an einer Flugschule für Lufthansa-Piloten im US-Bundesstaat Arizona absolviert. Giemulla und Wellens vertreten gemeinsam die Angehörigen von 75 der insgesamt 149 Todesopfer.

(dpa/RP)
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